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Auf dem Weg nach oben

Das Siegertreppchen ist für Jonas Freyler in letzter Zeit ein sehr vertrauter Ort geworden. Das Mehrkampf-Talent des TV Homburg stand dabei sehr oft ganz oben auf dem Podest.Foto: Marahrens/Verein
Das Siegertreppchen ist für Jonas Freyler in letzter Zeit ein sehr vertrauter Ort geworden. Das Mehrkampf-Talent des TV Homburg stand dabei sehr oft ganz oben auf dem Podest.Foto: Marahrens/Verein FOTO: Marahrens/Verein
Homburg. Der 15-jährige Jonas Freyler war gerade erst bei den deutschen Meisterschaften erfolgreich. Jetzt ist er an diesem Wochenende Medaillenkandidat bei der Mehrkampf-DM. Dabei fing der Einöder erst vor drei Jahren mit der Leichtathletik an. Lucas Jost

Bremen, am 6. August, auf der Sportanlage Obervieland: Jonas Freyler vom TV Homburg schleudert den Diskus auf 55,90 Meter und sichert sich mit über drei Metern Vorsprung souverän den deutschen Meistertitel in der Klasse U16. Gleichzeitig verbessert er seinen eigenen Saarlandrekord um über einen Meter. Am selben Tag belegt der 15-Jährige Rang fünf im Kugelstoßen. Für vier weitere Wettbewerbe war er qualifiziert, das Reglement beschränkte die Teilnahme jedoch auf zwei Wettbewerbe.


Nicht umsonst gilt der 1,76 Meter große und 80 Kilogramm schwere Einöder als eines der größten deutschen Talente im Mehrkampf. Freylers Vielseitigkeit ist seine große Stärke. "Eine oder zwei Disziplinen sind mir einfach zu langweilig", sagt er. Sein Mentor und Trainer Joachim Marahrens ergänzt: "Hauptaugenmerk ist der Mehrkampf, nicht umsonst nennt man die Zehnkämpfer auch Könige der Leichtathleten." Dass Freyler nun in den deutschen Bestenlisten zu finden ist, ist eine kleine Überraschung. Denn er spielte früher Fußball bei der SpVgg. Einöd-Ingweiler und begann erst mit zwölf Jahren mit der Leichtathletik . Damals schnupperte der Schüler des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums erstmals bei Bundesjugendspielen in den Sport hinein und merkte schnell: "Das macht total viel Spaß, da kann ich noch etwas erreichen". Auch, wenn die Anfänge alles andere als einfach waren. "Werfen hat mir damals gar nicht gelegen. Ich wusste gar nicht, was ein Diskus ist."

Bis zu sechs Mal Training

Seitdem ist hartes, diszipliniertes Training Grundstein für die steile Leistungskurve. Das erkannte auch der Deutsche Leichtathletik-Verband, der Freyler in den Nachwuchskader der Mehrkämpfer berufen hat: "Ich trainiere drei bis vier Mal pro Woche, im Winter auch bis zu sechs Mal, mal in Homburg , mal mit dem Kader unter Lars Albert (Nachwuchs Bundestrainer Zehnkampf )."

Bei einem so aufwändigen Trainingsprogramm und über 30 Wettkämpfen im Jahr ist es kein Wunder, dass die Freizeit an manchen Stellen zu kurz kommt: "Da bleibt man mal zu Hause anstatt ins Schwimmbad zu gehen oder Fahrrad zu fahren, der Körper muss für einen Wettkampf vollständig ausgeruht sein. Aber meine Freunde haben alle volles Verständnis für das, was ich tue. Auch meine Familie unterstützt mich, egal welche Entscheidung ich fälle."



Die Ergebnisse geben ihm Recht: 3,20 Meter im Stabhochsprung, 6,30 Meter im Weitsprung, 11,24 Sekunden über 80 Meter Hürden, 11,65 Sekunden über 100 Meter. Alles persönliche Bestleistungen, alle aufgestellt in den letzten drei Monaten. Sogar der Bundeskader der Diskuswerfer hat schon Interesse bekundet.

Beweisen muss Freyler sich an diesem Samstag und Sonntag. Dann geht es nämlich zur Mehrkampf-DM nach Heidenheim. In der Klasse U16 wird er im Neunkampf an den Start gehen. Dazu tritt er über 1000 Meter, im Speerwurf und im Hochsprung an. Bei seiner derzeitigen Form ist es wenig verwunderlich, dass er selbstbewusst sagt: "Ich zeige, was ich kann. Im Training habe ich es oft genug bewiesen, hier muss ich es nur noch umsetzen. Auf andere schaue ich nicht." Marahrens rechnet sogar "auf jeden Fall mit einer Medaille".

Gelingt ihm das, ist der erste Schritt getan auf einer langen Reise, an deren Ende er auf den Spuren seiner Vorbilder Robert Harting und Nico Freimuth wandeln möchte. Denn: "Einmal im deutschen Trikot bei einem Wettkampf zu stehen. Das ist ein richtiger Traum."