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Ladenöffnungszeiten an Heiligabend
Auch in Homburg ist an Heiligabend zu

Auch Jürgen Cebulla, Begründer der Parfümerie-Kette „CB“, der in Einöd wohnt, ist dafür, an Heiligabend die Geschäft zu schließen und den Angestellten den freien Tag „von Herzen zu gönnen.“ Hier Marlies Weber, Filialleiterin in einer Parfümerie.
Auch Jürgen Cebulla, Begründer der Parfümerie-Kette „CB“, der in Einöd wohnt, ist dafür, an Heiligabend die Geschäft zu schließen und den Angestellten den freien Tag „von Herzen zu gönnen.“ Hier Marlies Weber, Filialleiterin in einer Parfümerie. FOTO: BeckerBredel
Homburg. Geschäftsleute sind froh, für sich und ihre Mitarbeiter mal einen stressfreien Heiligabend zu genießen. Auch Juweliere und Parfümerien, in denen oft noch im letzten Moment eingekauft wird, werden nicht öffnen.

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Dennoch dürfen in den meisten Bundesländern einige Geschäfte am 24. Dezember öffnen, denn an Heiligabend gilt eine Sonderregelung für Blumenläden, Tannenbaum-Verkaufsstellen und Supermärkte. Da die Ladenöffnungszeiten Ländersache sind, gibt es bundesweit unterschiedliche Regelungen. In den meisten Ländern dürfen die Läden am 24. Dezember für drei Stunden öffnen, darunter auch im Saarland. Doch das soll sich nun ändern. In der Diskussion um die Ladenöffnungszeiten an Heiligabend haben die Koalitionsfraktionen im saarländischen Landtag gemeinsam eine Entscheidung getroffen: „Wir werden das Ladenöffnungsgesetz noch ins nächste Plenum einbringen mit dem Ziel, es möglichst noch in diesem Jahr zu ändern“, erklären die beiden Fraktionsvorsitzenden Stefan Pauluhn und Tobias Hans.



„Die derzeitige Regelung ist nicht arbeitnehmerfreundlich und führt vor allem zu Benachteiligungen innerhalb der Einzelhandelsbranche, wenn sich einige Geschäfte dazu entschließen, ihre Ladentüren nicht zu schließen. Mit Blick darauf, dass es in der Zukunft solche Fälle noch öfter geben wird, werden wir das saarländische Ladenöffnungsgesetz ändern und diesen Passus streichen.“

Die Debatte der letzten Tage habe gezeigt, dass die Mehrheit gegen eine Ladenöffnung am Heiligen Abend sei. „Wir hören zu und nehmen die Sorgen der Saarländer ernst. Die aktuelle Sonderregelung im Ladenöffnungsgesetz geht noch auf die 1960er Jahre zurück, als viele Menschen noch keinen Kühlschrank zuhause hatten. Heute ist ein verkaufsoffener Sonntag an Heiligabend aus unserer Sicht überflüssig geworden“, betont Pauluhn.

So sehen das auch die Geschäftsleute, selbst diejenigen, die an Heiligabend überdurchschnittlich von „Schnellkäufen“ profitieren wie Parfümerien und Schmuckgeschäfte. „Ich finde es richtig, dass an Heiligabend die Geschäfte geschlossen bleiben“, betont Britta Carrera vom Schmuckgeschäft Wigger und Carrera in Homburg. Sie genieße es, ausnahmsweise mal am 24. Dezember den ganzen Tag über zu Hause bleiben zu können, „Obwohl ich womöglich leichte Einbußen haben werde, ist mir meine Ruhe am Feiertag wichtig“, sagt sie. Es komme ja selten genug vor, „denn normalerweise haben wir an Heiligabend immer bis zum frühen Nachmittag offen. Dann kommt man erst gegen 15 Uhr nach Hause, muss selbst noch einkaufen und am Ende sitzt man abends tod­müde unterm Weihnachtsbaum.“ Da komme keine Stimmung mehr auf, deshalb will sie diesen sonntäglichen Heligabend besonders genießen. Das sieht auch die Besitzerin der Modeboutique Penasa so: „Mir ist es recht, dass mal Heiligabend Ruhe ist“ sagt sie, „das gilt auch für meine Mitarbeiterinnen.“ Und Anette Germann, die ebenfalls eine Modeboutique in Homburg betreibt, ist froh, „dass mal Heiligabend auf einen Sonntag fällt“.

Sie wäre ohnehin nicht auf die Idee gekommen, zu öffnen, „auch wenn es möglich gewesen wäre“. Zwar würden gerade an Heiligabend noch Schnellkäufe getätigt, besonders gerne edle Stricksachen, „aber das ist kein Grund, deshalb am Sonntag zu öffnen.“ Auch ihren Mitarbeiterinnen wolle sie das nicht zumuten. Sie weist darauf hin, dass dafür den ganzen Samstag über die Geschäfte bis mindestens 18 Uhr geöffnet seien, „da ist Zeit genug“.

Jürgen Cebulla, Begründer der Parfümeriekette „CB“, ist diese Regelung, am Sonnatg, 24.12, die Läden nicht zu öffnen, „sehr recht“. „Obwohl ich ja mit 77 Jahren nicht mehr arbeite, denke ich an unsere Mitarbeiterinnen, denen ich auch ein ungestörtes Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familie von Herzen gönne“, so Cebulla. Dem Einzelhandel werde es kaum schaden, sagt er. Obwohl gerade Parfümerie-Artikel ganz besonders beliebte „Geschenke im letzten Moment“ seien, sieht Cebulla den Heiligabend-Sonntag nicht als notwendig an, „denn in den Tagen davor hat jeder Käufer genug Zeit zum Geschenke-Aussuchen. Und mehr Geld steht dem Einzelnen ja auch nicht zur Verfügung, nur weil die Läden am Sonntag öffnen“, so Cebulla.

Das finden auch die Politiker im Land. Die Fraktionsvorsitzenden verweisen dabei auf die Regelung der Sonntagsruhe: „Die Sonntagsruhe ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Familien sehr wichtig und darf gerade an solch einem Festtag nicht aufgeweicht werden. Die Weihnachttage sollten stressfrei begonnen werden, das muss auch für die Beschäftigten im Einzelhandel gelten.“

Auf einen Geschäftsmann oder eine Geschäftsfrau, die an Heiligabend unbedingt öffnen wollte, sind wir bei unserer kleinen Umfrage nicht gestoßen. Aber ein anderes Anliegen wurde angesprochen: Haben die Kunden mal daran gedacht, dass auch Geschäftsleute Geschenke kaufen müssen? „Selbst unter diesem Aspekt würde ich an diesem Heiligabend nicht öffnen“, sagt Anette Germann.

Am Samstag vor Heiligabend haben die Kunden genug Zeit, sich mit Geschenken einzudecken, sagen die Homburger Einzelhändler.
Am Samstag vor Heiligabend haben die Kunden genug Zeit, sich mit Geschenken einzudecken, sagen die Homburger Einzelhändler. FOTO: Bernd Wüstneck / dpa