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Lokale Partnerschaft
Auch in einem Linienbus kann man debattieren

Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Domberg (links) im Gespräch mit den Jugendlichen auf der Busfahrt.
Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Domberg (links) im Gespräch mit den Jugendlichen auf der Busfahrt. FOTO: Tobias Comperl/Prot. Jugendzentrale Homburg
Homburg. Welche Chancen haben Jugendliche im ländlichen Raum? Das Treffen mit dem Kreisbeigeordneten Domberg fand auf einer Fahrt in den Bliesgau statt. Von red

Das „Jugendforum“ der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“ im Saarpfalz-Kreis und in Homburg ist eine Gruppe junger Leute, die sich in Homburg und im Saarpfalz-Kreis gegen Extremismus und Gewalt engagiert. Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des noch von Manuela Schwesig aufgelegten Bundesprogramms „Demokratie leben!“ hat die Gruppe bereits einige  Aktionen durchgeführt. So hat sie zum Beispiel auf Plakatwänden für „Toleranz statt Ignoranz“ aufgerufen und fordert die Bevölkerung mit einem großen Graffiti an der Wand des Siebenpfeifferhauses in Homburg zu „Toleranz“ auf.


Die Jugendlichen organisieren Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, engagieren sich auf Veranstaltungen mit Info-Ständen und haben einen Film aufgenommen. Unterstützt werden sie hierbei vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel und der protestantischen Jugendzentrale Homburg.

Mit ihrem Projekt „Runder Tisch“ möchten sie die Interessen von jungen Leuten mit Politikerinnen und Politikern diskutieren und sich mit Menschen, die in gesellschaftlichen Positionen wirken, über ihr Engagement austauschen. Nachdem sich der „Runde Tisch“ bereits mit der Polizei und mit Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind getroffen hatte, konnten sich die Jugendlichen dieses Mal mit dem Kreisbeigeordneten Hans Jürgen Domberg treffen, um im Rahmen des Leitthemas „Bedürfnisse junger Menschen im ländlichen Raum“ alltägliche Probleme wie zum Beispiel unzureichende ­ÖPNV-Anbindung, mangelnde Breitbandversorgung, eingeschränkte Öffnungszeiten von Jugendtreffs, unterfinanzierte Schulgebäude und vieles mehr zu diskutieren.



Da sich nach Ansicht der Jugendlichen die geschilderten Probleme in einem nüchternen Seminarraum nur wenig anschaulich diskutieren ließen, entstand die Idee, den „runden Tisch“ in einen normalen Linienbus zu verlegen und den ländlichen Raum im wahrsten Sinne des Wortes zu „erfahren“. Dank der Bereitschaft des Linienbetreibers Bliesgau-Linien konnte diese Idee auf einer knapp vierstündigen Fahrt von Homburg nach Kleinblittersdorf und zurück in die Tat umgesetzt werden.

Durch die öffentliche Gesprächssituation konnten auch sonstige Fahrgäste des Busses der Diskussion lauschen und sich bei Interesse beteiligen. Auf Basis der zuvor im Plenum der Jugendforen entwickelten Fragen, entspann sich während der Busfahrt eine lebhafte Diskussion über zahlreiche Probleme von Jugendlichen in verschiedenen Ortschaften  und an diversen Schulen. Domberg ließ sich dabei konkrete Fälle schildern und bat darum, diese zu protokollieren und ihm im Nachgang zukommen zu lassen. Er versprach, die Anliegen in die Gremien des Landkreises einbringen zu wollen.  Zudem konnte er gemeinsam mit den Jugendlichen am eigenen Leib erfahren, wie schlecht es um den Mobilfunkempfang in manchen Teilen des Landkreises bestellt ist. betonten die Jugendlichen. Domberg zeigte sich erfreut darüber, dass es Jugendliche gebe, die sich „mit viel Engagement und Leidenschaft für eine demokratische und offene Gesellschaft engagieren“ und die Jugendforen waren wiederum dankbar, dass der Kreisbeigeordnete sich ausgesprochen viel Zeit nahm, ihnen  zuzuhören. Am Ende wurde dann aber doch selbstkritisch festgestellt, dass ein Linienbus aufgrund der Fahrgeräusche wohl doch kein so optimaler Ort für einen regen Austausch in größeren Gruppen darstellte. Aber es war ohnehin nur als einmalige Aktion geplant und wird sich in dieser Form nicht wiederholen.

Die Reihe „Runder Tisch“ der Jugendforen, deren Förderung noch bis Ende 2019 weiterläuft, soll auch künftig weitergeführt werden, so hat Landrat Theophil Gallo seine Bereitschaft bekundet, an diesen Gesprächsrunden teilzunehmen, auch Landes- und Bundesministerinnen und -minister wollen die Jugendlichen zu sich einladen.