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Open-Air-Kunstausstellung Artmosphäre in der Homburger Innenstadt
Artmosphäre trotzte dem Regen

Der Maler Rüdiger Sitte ließ sich am Morgen vom Regen nicht die Laune verderben, zeigte bildhaft Flagge für die Artmosphäre, hielt durch und wurde ab dem Mittag dann mit der Rückkehr des Sommers nach Homburg belohnt.
Der Maler Rüdiger Sitte ließ sich am Morgen vom Regen nicht die Laune verderben, zeigte bildhaft Flagge für die Artmosphäre, hielt durch und wurde ab dem Mittag dann mit der Rückkehr des Sommers nach Homburg belohnt. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Im verflixten siebten Jahr hat es die Freiluft-Ausstellung in Homburgs Innenstadt erwischt: Es regnete Bindfäden. Mittags besserte sich das Wetter. Viele Künstler harrten aus, einige kamen gar nicht. Die Vielfalt war dennoch groß. Von Thorsten Wolf

Es war Raimund Konrad, der den komplett verregneten Start der „Artmosphäre“ 2018 am Samstag so kommentierte: „Das ist eben das verflixte, siebte Jahr. Sechs Mal hatten wir Glück mit dem Wetter, jetzt hat es uns erwischt.“ Und wie: Bis zum Mittag regnete es zeitweise Bindfäden, der Himmel war grau, es war kalt – alles zusammen echtes Gift für eine Veranstaltung, bei der Künstler unter freiem Himmel sich und ihre nicht selten wetterempfindliche Kunst präsentieren wollen. Doch, und das war das in jeder Hinsicht positiv Überraschende des Samstags, es herrschte selbst in der regnerischsten Stunden Hoffnung bei den Machern und den Ausstellern. Jede noch so kleine Aufhellung am Himmel wurde als Vorbote eines zurückkehrenden Sommers gewertet, gegenseitig versicherte man sich, immer wieder auch mit Blick auf die Wetter-App im Smartphone, dass es mit Sicherheit bald wieder aufhören werde zu regnen.


Und es gab jede Menge Humor, so als Susanne Niklas, die Abteilungsleiterin für Kultur und Tourismus der Stadt Homburg, Raimund Konrad scherzhaft vorwarf, er hätte mit dem Engagement der Stelzenläufer „Neptun und Nixe“ selbst dafür gesorgt, dass sich der Samstag quasi nass präsentieren müsse. So scherzte man sich durch die ersten Stunden der Artmosphäre, die Aussteller schützten ihre Kunst und ihr Kunsthandwerk so gut es ging. Zur Geschichte vom Samstag gehört aber auch, dass einige Aussteller schon vorab angesichts der Wetterlage die Segel gestrichen hatten, so vor allem die Gruppe der Aquarell-Künstler und die Kalligraphen.

Trotz dieser sichtbaren Lücken entlang der Talstraße und auf dem Christian-Weber-Platz präsentierte sich die siebte Homburger Artmosphäre im Portfolio abwechslungsreich: Malerei, Fotografie, Schmuckkunst, Skulpturen und viele andere Facetten der Kunst konnte man erleben. Mitten drin: Kuratorin Françoise Mathis-Sandmaier. Sie drehte am Morgen bei Wind und Wetter ihre Runden durch die Innenstadt, suchte immer wieder das Gespräch mit den vom Regen gebeutelten Ausstellern – und hoffte wie alle auf Besserung.



Das Fazinierende bei ihren Gesprächen: Eben die Aussteller zeigten sich entspannt, „es ist eben so wie es ist“ war die einhellige Einschätzung. Und immer wieder kam das Hoffen zum Ausdruck, dass es ja noch besser werden müsse.

Und es wurde besser, ab dem Mittag hatte der Wettergott ein Einsehen, die Wolken rissen auf, der Regen wurde zur Vergangenheit. Und damit wurden die belohnt, die trotz aller Unbilden bis dahin ausgehalten hatten – so wie der Maler Rüdiger Sitte. Er hatte auf dem Christian-Weber-Platz seinen Stand und präsentierte dort nicht nur seine ausdrucksstarke Malerei, sondern auch sein echt sonniges Gemüt, auch als es noch in Strömen regnete. Sitte ließ sich seine gute Laune überhaupt nicht vermiesen. Und für die Homburger Artmosphäre fand er im Gespräch mit Mathis-Sandmaier nur lobende Worte. „Ich finde es toll von der Stadt, dass man es den Künstlern hier so leicht macht. Das erlebt man nicht überall.“ Sitte betonte da vor allem die einfache und unkomplizierte Infrastruktur der Artmosphäre, „ich kriege eine Parkausweis, ich kriege den Standplatz quasi kostenlos. Die Stadt kommt einem da sehr entgegen. Und das hat man nicht überall.“

Solche Einschätzungen waren Balsam auf die am Morgen „veregnete“ Seele von Mathis-Sandmaier. Natürlich habe sie sich ein anderes Wetter für diese Veranstaltung gewünscht. Dass es nun in den ersten Stunden der Artmosphäre anders gekommen sei, sei natürlich traurig für die Künstlerinnen und Künstler. Trotzdem sei auch die siebte Kunstausstellung unter freiem Himmel ein guter Querschnitt durch die Kunstszene. Und auch am Konzept der Artmosphäre mit ihrem vom Wetter-Risiko behafteten Charakter von Kunst auf Straßen und Plätzen werde man nichts ändern, „wir wollen das Offene beibehalten, die lockere Reihung eines vielfältigen Kunstangebotes“. Und dieser Vielfalt konnte auch der Regen am Samstagmorgen im Kern nichts anhaben.