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Appetithappen zum Jazz-Sommer

Homburg. Die Budapest Ragtime Band, in ihrer ungarischen Heimat und in vielen Ländern beliebt, war am Samstag im Kulturzentrum Saalbau zu Gast. Das Konzert war eine Art Appetithappen für den Homburger Jazz-Sommer, der Ende Mai wieder beginnt Von SZ-Mitarbeiter Michael Schneider

Homburg. Die Budapest Ragtime Band, in ihrer ungarischen Heimat und in vielen Ländern beliebt, war am Samstag im Kulturzentrum Saalbau zu Gast. Das Konzert war eine Art Appetithappen für den Homburger Jazz-Sommer, der Ende Mai wieder beginnt. Mit nicht einmal 100 Besuchern war der Besuch indessen nicht so, wie man es bei einer so hochkarätigen und international renommierten Band hätte erwarten können. Das verdross die Budapest Ragtime Band aber nicht wirklich. Wer sie im Saalbau gehört und erlebt hat, wird begeistert davon erzählen und manchen sich darüber ärgern lassen, dass er nicht da war. Es war ein herrlicher, beschwingter Ausflug in die Glanzzeiten des Ragtime Jazz. Die Band unter der Leitung von Ferenc Gayer peppte das Programm mit jazzig klingenden Anleihen aus der Klassik und anderen Genres auf. Mit acht Musikern war die Budapest Ragtime Band nicht nur zahlenmäßig stark. Einzig Bandleader und Bassist Ferenc Gayer, Pianist Ferenc Stein und Schlagzeuger Janosz Weszely waren das ganze Konzert über auf der Bühne. Die anderen Bandmitglieder waren ständig in Bewegung. Sie tauschten wieselflink Plätze und Instrumente. Im zweiten Programmteil verwandelten sich zwei Bandmitglieder beim arabisch anmutenden Titel "Caravan" blitzschnell in Scheichs. Einer blies Posaune, der andere präsentierte sich als Schlangenbeschwörer. Mit immer neuen Überraschungen wartete Laszlo Forgacs alias Papa Fleigh auf. Mal sang er "What a wonderful World" beinahe wie Louis Armstrong, mal mimte er einen Schuhputzer, der geradezu professionell Schuhe wienerte. Bei der Wilhelm-Tell-Melodie war "Papa Fleigh" dann ein Schweizer mit Mütze und Brille. Und Trompete spielte Papa Fleigh, alle Achtung! Posaunist Tamas Dioszegi Tamas übernahm dazu die Moderation. Ab und zu ließ er einen lockeren Spruch einfließen. Gegen Schluss animierte er Zuhörerin Gisela aus dem Publikum, bei "Old Mac Donald" als miauende Katze ins Konzert der Farmtiere einzustimmen. Ab und an mogelte sich ein klassisches Stück unter die Ragtime-Titel, garniert mit tollen Soli. Da war etwa der Torero-Marsch aus Bizets Oper "Carmen", und auch der "Schwertertanz" fand sich jazzig aufgemischt im Programm. Zum Schlagzeug kamen alle möglichen Rhythmus-Instrumente. Bei einer so fantasievollen Band waren die natürlich längst nicht alle aus dem Musikalienladen. Im Kästchen fanden sich auch eine Bürste oder eine Ratsche wie die der Ministranten in der Osterzeit. Am Ende kam Professor Dr. Rudolf Bock hinter die Bühne, um der Budapest Ragtime Band ein herzliches Kompliment auszusprechen. Er wünschte sich, die Musiker aus Budapest so bald wie möglich wieder in Homburg zu erleben.