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Ahnenforschung in den beiden „Zillertälern“

Helga und Horst Bast aus Wemmetsweiler blättern in ihren Forschungsergebnissen. Foto: Anika Meyer
Helga und Horst Bast aus Wemmetsweiler blättern in ihren Forschungsergebnissen. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Homburg. Helga und Horst Bast aus Wemmetsweiler spürten der Geschichte der Zillertaler Protestanten nach. Dafür und für ihr Engagement beim Filmclub Blieskastel wurden sie jetzt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet. Anika Meyer

Auf das Bild eines altehrwürdigen Baumes werden in Kalligrafie die jüngsten Vorfahren eingetragen, bis wegen fehlender Hinweise zur Uroma alles in eine Ecke fliegt - so läuft die Erstellung einer Ahnentafel nicht selten ab. Ganz anders bei Helga und Horst Bast aus Wemmetsweiler: Als sie bei der Recherche zum Heiratsdatum von Helga Basts Ur-Ur-Großmutter darauf stießen, dass diese von fern zugezogen war, haben sie sich richtig reingekniet und dabei nicht nur die Geschichte einer, sondern ganz vieler Familien rekonstruiert: die Geschichte der Zillertaler Protestanten , die 1837 auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit ihre Tiroler Heimat verlassen mussten.

"In den 80er Jahren hat alles angefangen. Wir wollten einfach wissen, wo wir herkommen", so die beiden heute 64-jährigen Postbeamten a.D. In den folgenden Jahrzehnten ging es in Archive in Berlin, Innsbruck, Breslau und Jelenia Gora, wurde kopiert, entziffert und katalogisiert. Die Basts fuhren nach Tirol ins Zillertal, suchten nach den Häusern der recherchierten nach Namen und nach Hinweisen auf der Route des Auswanderertrosses. Ebenso fuhren sie ins "neue Zillertal", Zillertal-Erdmannsdorf im heutigen Polen, wo die Siedler sich niederließen. "416 der 427 Menschen gingen dorthin", so Horst Bast. "Der Preußische König Friedrich Wilhelm III. bot ihnen an, Land zu pachten und schenkte ihnen die Häuser, die er darauf bauen ließ." Alle Ergebnisse der Forschungen sind in einer 700 Seiten dicken Publikation erschienen. In den beiden "Zillertälern" haben die Basts unzählige Bekanntschaften geschlossen, viele Menschen haben historische Fotografien und Daten beigesteuert. "In Polen war es erst etwas schwierig. Die Leute sind arm und hatten Angst, wir wollten Besitztümer zurück", erinnert sich Helga Bast. Denn 1946 waren die Zillertaler mit den Deutschen aus Schlesien vertrieben worden. "Aber mittlerweile freuen sie sich unheimlich, wenn wir kommen und sind sehr interessiert!" Man könnte meinen, alle Fragen seien beantwortet, ein Kreis geschlossen, doch die Basts sehen es anders: "Die Geschichte geht immer weiter!" Aktuell nehmen sie die Häuser der Ur-Erdmannsdorfer, also nicht Zillertaler, ins Visier.

Doch nicht nur im genealogischen, auch im künstlerisch-kulturellen Bereich haben sie sich verdient gemacht: Als Mitglieder des Schmal- und Video-Clubs Saarbrücken, später des Filmclubs AFW Blieskastel , durch Mitarbeit in den Vorständen oder beispielsweise der Ausrichtung des Bundesfilmfestivals für Naturfilm des AFW Blieskastel , außerdem mit eigenen Filmen. Deshalb wurden die Basts im Rathaus Wemmetsweiler mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik geehrt. Kultusminister Ulrich Commerçon überreichte die Auszeichnung im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck und betonte den Wert der gemeinsamen Interessen des Paares: "Es ist das erste Mal für mich, dass ich Eheleute gemeinsam auf diese Weise auszeichnen darf."