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Ausstellung Julia Johannsen
Abstraktes in Blau – und mehr

Neue Ausstellung in der Galerie Johannsen mit (v.l) Sebastian Voltmer, Julia Johannsen und Sandra Bergemann, dahinter Elliot Grant im Eingangsbereich der Galerie.
Neue Ausstellung in der Galerie Johannsen mit (v.l) Sebastian Voltmer, Julia Johannsen und Sandra Bergemann, dahinter Elliot Grant im Eingangsbereich der Galerie. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. „View“ heißt die neue Ausstellung in der Galerie von Julia Johannsen bis zum 31. Januar.  Auch sie selbst ist mit einigen Bildern vertreten.

Fünf unterschiedliche Künstler mit doch vielen Gemeinsamkeiten präsentierte am Samstag Malerin Julia Johannsen in ihrem Ausstellungsraum in der Saarbrücker Straße. In der Hauptsache wurde in der Ausstellung namens „View“ Abstraktes und Großformatiges gezeigt, wiewohl die titelgebende Fotografie von San-
dra Bergemann komplett realistisch zur Hälfte Meer und Himmel zeigt. Das sei ein Anfangspunkt ihrer Arbeit gewesen, erklärte die Künstlerin, denn: „Es geht darum: Wie kann ich mit den Mitteln der Fotografie die Fotografie infrage stellen?“. Ein anderes Bild Bergemanns zeigt das gleiche Motiv, Wellen und Horizont, nur ist dieser dort weiß und nimmt vier Fünftel der Fläche ein. Die Werke erinnerten an Caspar David Friedrich und dessen pantheistische Religiosität, die sich in der Naturverbundenheit ausdrückte. Die in Stralsund geborene Künstlerin ist Julia Johannsen in Berlin begegnet: „Wir haben  gleich gemerkt, dass unsere Kunst gut zusammenpasst“, meinte die Homburgerin.


Elliot Grant, der eigentlich aus New York stammt, ist der Gastgeberin in Saarbrücken über den Weg gelaufen. Nach einer Zwischenstation in Paris lebt der Maler nun schon seit acht Jahren in Saarbrücken – seine Frau, die er als Angestellte des Museum of Modern Art kennenlernte, hat ihn sozusagen hierher gelockt. „Saarbrücken ist sehr klein, aber das ist schön“, meinte der Amerikaner. Seine Bilder sind hauptsächlich von einem Farbton beherrscht, so wie das komplett blaue „Midnight Genesis“, das im Erdgeschoss der Galerie zu sehen ist. Acht Monate habe er daran gearbeitet, was zum Teil auch an den langen Trockenzeiten der Ölfarbe lag. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der Fotokünstler Sebastian Voltmer, der sich als „Astro-Fotograf“ bezeichnet. Seine Bilder entstanden vorzugsweise am Nachthimmel oder während einer Sonnenfinsternis: In Wyoming gelang ihm dort ein Foto, das den Mond in großer Deutlichkeit vor der Sonne zeigt – selbst die Mondmare sind zu sehen, in leicht blauem Ton. Der Clou daran ist, dass die Färbung dadurch entstand, dass Sonnenlicht von der Erde auf den Mond reflektiert wurde – und von dort aus wieder auf Voltmers Linse. „Ich entnehme meine Motive der Natur, bringe sie aber in einen künstlerischen Kontext“, meinte der Fotograf. So zeigt ein Bild den eigentlich weißen Stern Sirius in blauer Farbe. Erreicht habe Voltmer das, indem er quasi die Luft scharf gestellt habe, und zwar dort, wo sie am unruhigsten war. „Diese Unruhe hat bewirkt, dass der Stern in allen Farben geflackert hat“, so Voltmer – darunter eben auch blau.

Damit hatte das Bild beste Chancen, in die Ausstellung aufgenommen zu werden, denn Blau ist bekanntermaßen Julia Johannsen Lieblingsfarbe. Diese bestimmt somit die meisten ihrer Bilder. Da stellte ein Titel wie „Green“ schon eine Überraschung dar, wiewohl in der ausgefeilten Komposition sehr viele Farben zu sehen waren und das Grün gar nicht unbedingt die Titelrolle einnahm.



Leider nicht anwesend bei der Vernissage war die Malerin Susann Wanner. Von der Farbgestaltung her kommt sie Johannsen vielleicht am nächsten, verfolgt aber einen mehr grafischen Stil. Sinn und Zweck von „View“ (bis 31. Januar) sei es, breits gezeigte und künftig in der Galerie vertetene Künstler auszustellen. Der Homburger Maler und Kunstlehrer Hans Wiedemann lobte die Aktivitäten seiner ehemaligen Schülerin Johannsen: „Sie bringt echte Qualität in der Kunst nach Homburg.“ Und Elliot Grant setzte noch einen drauf: „In Saarbrücken gibt es solche Räume nicht.“