| 20:11 Uhr

IG Metall Homburg-Saarpfalz
Metaller üben den Positionswechsel

 Blumen für den scheidenden zweiten Bevollmächtigten: Ralf Cavelius (Mitte) wird beerbt von Peter Vollmar (links) bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Rechts der erste Bevollmächtigte, Ralf Reinstädtler.
 Blumen für den scheidenden zweiten Bevollmächtigten: Ralf Cavelius (Mitte) wird beerbt von Peter Vollmar (links) bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Rechts der erste Bevollmächtigte, Ralf Reinstädtler. FOTO: Sebastian Dingler
Kirkel. Nach 18 Jahren bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz hat Ralf Cavelius nun eine neue Aufgabe in Völklingen. Von Sebastian Dingler

Reichlich emotional gestaltete sich am Dienstagnachmittag der Positionswechsel bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz (wir berichteten). Der zweite Bevollmächtigte, Ralf Cavelius, konnte sich der Tränen bei seiner Abschiedsrede nicht erwehren. 18 Jahre war er hauptamtlich bei der IG Metall, seit Anfang 2016 in seiner jetzigen Position. Jetzt sucht er bei der IG Metall Völklingen eine neue Herausforderung.


Als er im Sitzungssaal der Arbeitskammer in Kirkel zur Abschiedsrede ans Mikrofon trat, rief ein Scherzbold: „Komm, sa’ tschüss!“. Doch so einfach ging es natürlich nicht. „Jetzt kommt der schwerste Punkt meines Lebens“, meinte Cavelius. Er erinnerte anschließend an „die ein oder andere schöne Schlacht“, die da im Arbeitskampf geschlagen wurde. Dabei seien tiefe Freundschaften entstanden. „Ich gehe mit zwei weinenden Augen.“ Seinen Dank richtete Cavelius neben vielen anderen vor allem an den ehemaligen ersten Bevollmächtigten, Werner Cappel, und den derzeitigen Amtsinhaber, Ralf Reinstädtler. „Ihr habt mir den Raum gegeben, mir die Chancen gegeben und verdammt viel Vertrauen. Ihr habt mich zu dem gemacht, der ich bin.“ Jetzt müsse er aber an sich selbst und seine Familie denken.

Der 47-jährige wohnt in Überherrn und verkürzt durch den Wechsel seinen Weg zur Arbeit erheblich. Am Ende seiner Rede gab es langen stehenden Applaus der Delegierten. Reinstädtler sagte anschließend, es seien tolle Jahre der Zusammenarbeit mit Cavelius gewesen, man habe sich blind verstanden. „Ich bin mir sicher, die in Völklingen können Dich gut gebrauchen“, gab er seinem Kollegen mit auf den Weg. Cavelius habe vor allem die Jugendarbeit der Gewerkschaft entwickelt und geprägt. Man werde sich jetzt bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz neu aufstellen müssen.



Als Nachfolger des scheidenden zweiten Bevollmächtigen schlug der Ortsvorstand den bisherigen Gewerkschaftssekretär Peter Vollmar vor. Dieser stellte sich den Delegierten kurz vor und erzählte dabei von seinem Werdegang als Stahlbauschlosser bei Terex in Zweibrücken. „Ich habe dort relativ früh enorme Ungerechtigkeiten wahrgenommen.“ Damals, vor etwa 13 Jahren, hätten Leiharbeiter sechs Euro die Stunde bekommen. Da sei ihm klar geworden, wie wichtig es sei, die IG Metall zu haben. Anschließend kam es zur Abstimmung, bei der Vollmar das Ja aller 73 Delegierten bekam. Auch wurde der 30-Jährige in die Tarifkommission der Metall- und Elektroindustrie Pfalz gewählt.

Abseits des Personalwechsels wurden auch andere Themen bei der Versammlung besprochen. Etwa was die Entwicklung der Mitgliederzahl betrifft: Da blickte Ralf Reinstädtler auf ein bislang „sehr sehr erfreuliches Jahr“. So habe man einen über der Prognose liegenden Zuwachs verzeichnen können und läge jetzt bei 16 083 Mitgliedern. Bei den Finanzen habe man in diesem Jahr bislang 111 000 Euro mehr eingenommen als verausgabt. Dieses Geld wolle man zum Vorteil der Mitglieder sinnvoll investieren. Was die Umsetzung des Tarifvertrages mit der Möglichkeit zu kürzeren Arbeitszeiten betrifft, seien die Zahlen noch nicht abschließend. Aber bislang hätten mehr als 60 Prozent der Schichtarbeiter den Antrag auf kürzere Arbeitszeit gestellt, bei den Arbeitnehmern mit Kind seien es 84 Prozent gewesen. „Damit waren wir auf der richtigen Spur, es ging bei dem Tarifvertrag um Entlastung“, meinte Cavelius. Der einzige Betrieb, der „quer im Stall“ stehe, sei Thyssen-Krupp Gerlach, berichtete Reinstädtler. „Da muss die Firma ihren Standpunkt überdenken.“