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Orgeljubiläum
Meisterwerk des neobarocken Orgelbaus

Christian Brembeck vor der großen Mayer-Orgel, zu deren 50-jährigen Jubiläum der Ausnahmemusiker am Samstag in der Kirche St. Michael anspruchsvolle Orgel-Kompositionen erklingen ließ.
Christian Brembeck vor der großen Mayer-Orgel, zu deren 50-jährigen Jubiläum der Ausnahmemusiker am Samstag in der Kirche St. Michael anspruchsvolle Orgel-Kompositionen erklingen ließ. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Orgel in St. Michael in Homburg wurde 50 Jahre alt. Mit Führungen und einem Konzert wurde das nun gewürdigt. Von Thorsten Wolf

Seit 50 Jahren erklingt in der katholischen Kirche St. Michael in Homburg eine ganz besondere Orgel. Und das passt seit einem halben Jahrhundert sehr gut, ist doch die Kirche selbst mit ihrer Ausstattung eine Besonderheit: Als eine von nur zwei katholischen Kirchen im Bistum Speyer hat sie einen Baldachin-Altar. Und: Auch das zum Rauchmantel umgestaltete Hochzeitskleid der Herzogin Maria Amalia ist ein Alleinstellungsmerkmal. Und eben die Mayer-Orgel.


Am vergangenen Samstag nun sorgte die Pfarrei Heilig Kreuz zusammen mit der Katholische Erwachsenenbildung (KEB) in Person von Gertrud Fickinger dafür, dass sowohl die Kirche als auch ihre Orgel zum Jubiläum des Instruments eine sehens- und hörenswerte Würdigung erfuhr. Zuerst führte Fickinger selbst zahlreiche Besucher in die Geschichte der Kirche ein, danach war es am Berliner Ausnahmemusiker Christian Brembeck, der Orgel ansprechende Töne für die Zuhörer eines anspruchsvollen Konzerts zu entlocken. Auf dem Spielplan fanden sich ausgesprochen beeindruckende Werke – in die Brembeck persönlich zu Beginn des Konzerts einführte. Dabei beschrieb er auch ganz kurz das Instrument selbst.

„Die Orgel ist jetzt 50 Jahre alt. Sie ist im Stil ihrer Zeit erbaut. Diesen Stil nennt man auch den des neobarocken Orgelbaus.“ Dem entsprechend habe er auch die Musik ausgewählt, „die diese Orgel im besten Licht erscheinen lässt“. Zudem, so Brembeck, habe er sich inhaltlich nach dem vergangenen Sonntag gerichtet, „dem Christ-König-Fest. Deswegen hören Sie zu Beginn eine ganz mächtige Improvisation von Marcel Dupre. Es ist das erste Stück aus seiner Sammlung Opus 18, die sich vor allem verschiedenen Magnifica-Facetten widmet. Und dieses erste Stück ist so zusagen die Herrlichkeit Gottes, die über Sie ‚hereinbrechen‘ wird.“ Schon mit dieser ersten Einführung wurde klar: Da sprach mit Christian Brembeck nicht nur eben ein Ausnahmemusiker, sondern einer, der das, was er spielt, auch personifiziert. Das mochte aber nur den überraschen, der sich im Vorfeld des Konzerts am Samstag nicht mit dem Musiker selbst befasst hatte. Ohne Zweifel: Mit Brembeck hatten Heilig Kreuz und die Katholische Erwachsenenbildung ein Juwel in die Kirche St. Michael eingeladen. Brembeck errang nach autodidaktischen Anfängen 1981 den Sieg beim Orgelwettbewerb Würzburg.



1982 begann er seine Studien an der Musikhochschule München bei Franz Lehrndorfer (Orgel) und Gitti Pirner (Klavier), die er mit dem A-Examen in Kirchenmusik und dem Meisterklassendiplom abschloß. Es folgte eine weit gefächerte Karriere als gefeierter Solist und Kammermusiker in den bedeutenden Konzertsälen und Kirchen Europas, in Israel, Ostasien und Südamerika sowie bei zahlreichen nationalen und internationalen Festivals. Dieser Einblick in die Vita Brembecks verhieß nur Gutes. Und sie machte deutlich, dass es an diesem Abend keine Orgelmusik „von der Stange“ geben würde. So bot Brembeck nach dem Auftakt mit Dupre wahrlich Barockes – mit einer Bearbeitung für die Orgel der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“, einem Frühwerk von Johann Sebastian Bach, durch den „bedeutenden französischen Spätromantiker Alexandre Guilmant“. Danach sollte eine der sechs Trio-Sonaten von Bach im Kirchenschiff erklingen. Diese für die Orgel geschriebenen Kompositionen, so die Erläuterungen Brembecks, seien „sehr aufwendig und gefährlich geschrieben, denn die beiden Hände und die Füße spielen unabhängig voneinander.“ Damit sei dieses Werk quasi orgelgewordene, barocke Kammermusik.

Mit einem Stück von Johann Ludwig Krebs, dem Lieblingsschüler von Johann Sebastian Bach, schwebte dann noch einmal der Bach‘sche Geist durch St. Michael – mit dem „prächtigsten Werk“ von Krebs. Der Schwede Oskar Lindberg mit seinem Hirtenpsalm gehörte in der Folge ebenso zum Konzertprogramm wie Camille Saint-Saëns mit dessen Variationen des „Dies Irae“ und einem Werk des bedeutenden Organisten Max Reger bis zu Heinrich Kaminski, einem „Suchenden zwischen den Klangwelten der Spätromantik und der Moderne“.

Ohne Zweifel: Christan Brembeck hatte für das Jubiläumskonzert der Mayer-Orgel ein Programm ausgesucht, dass dem Anlass mehr als würdig war – Orgel und Kirche ihrerseits sorgten dafür, dass aus diesem Anspruch wunderbare Klänge wurden.