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24-Stunden-Streik
24 Stunden weht das IG-Metall-Banner 

Zusammen mit ihren Gewerkschaftskollegen sorgte Chantale Sprunck am Donnerstag sehr früh am Morgen vor dem Werkstor von Schaeffler in der Berliner Straße für einen geordneten Beginn des 24-Stunden-Streiks, der am Freitagmorgen um 6 Uhr wieder enden sollte.
Zusammen mit ihren Gewerkschaftskollegen sorgte Chantale Sprunck am Donnerstag sehr früh am Morgen vor dem Werkstor von Schaeffler in der Berliner Straße für einen geordneten Beginn des 24-Stunden-Streiks, der am Freitagmorgen um 6 Uhr wieder enden sollte. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Sechs Prozent mehr Lohn und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit wollen die Streikenden erreichen. Deshalb stehen IG-Metall-Mitglieder 24 Stunden lang vor dem Werkstor bei Schaeffler in Homburg. Von Thorsten Wolf

Eine Wollmütze auf dem Kopf, den Schal dicht um den Hals gewickelt: Chantale Sprunck trotzt am Donnerstag mit winterfester Kleidung den nicht gerade angenehmen Temperaturen. Es ist rund um 5.30 Uhr, noch fast Nacht.


Zusammen mit anderen Aktiven der IG Metall hat Chantale Position bezogen vor dem Werkstor von Schaeffler in der Berliner Straße. Zusammen mit einem Kollegen sorgt die 19-jährige Auszubildende zur Mechatronikerin mittels eines Banners dafür, dass der Zugang zum Werksgelände „gesperrt“ ist.

Die Bexbacherin ist mit Abstand die Jüngste unter denen, die gestern mit einem 24-Stunden-Streik den Forderungen der Gewerkschaft nach sechs Prozent mehr Lohn und einer Flexibilisierung der Arbeitszeit Nachdruck verleihen wollen. Auf die Frage, warum sie es nicht beim „einfachen“ Streiken belässt, sondern aktiv als Streikposten an diesem Morgen Flagge zeigt, ist Chantales Antwort einfach und eindeutig. „Ich will unserer Forderungen durchbringen. Es muss da einer für den anderen da sein, deswegen sind wir ja eine Gemeinschaft. Und deswegen bin ich heute Morgen hier!“



Im Abwägen, welche der beiden Gewerkschaftsforderungen, mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten, für sie persönlich wichtiger ist, formuliert Chantale nicht weniger klar: „Mehr Lohn ist natürlich immer gut, wichtiger ist mir aber eine flexiblere Arbeitszeit.“ Eben die sorgt augenscheinlich bei den Arbeitsgebern für den größten Widerstand. Und genau das ist für Antje Mütherig, stellvertretende Vertrauenskörperleitung bei Schaeffler, am Morgen nur ganz schwer zu verdeutlichen. Während sie ein waches Auge auf die Arbeit der Streikposten hat, „denkt an die Zettel mit den Streikinformationen“, macht sie auch ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung über der Abbruch der Tarifverhandlungen seitens der Arbeitgeber am Wochenende Luft. „Wir haben natürlich gehofft, dass es eine gute Einigung mit einem guten Ergebnis gibt. Das hätte uns sehr gefreut.“ Man sei aber „entsetzt“ und „erbost“ gewesen, als die Arbeitgeber am vergangenen Wochenende bei eigentlich schon erzielten Einigungen wieder einen Rückzieher gemacht hätten.

Am Donnerstagmorgen allerdings überwiegt bei Mütherig nicht der Ärger, sondern gut hör- und sichtbar die Motivation, den 24-Stunden-Streik mit Erfolg umzusetzen. Zum Hintergrund: Eben dieses Instrument ist neu bei den Möglichkeiten der Gewerkschaft und steht zwischen einem auf Stunden begrenzten Warnstreik und einem Vollstreik. Mit dieser zweiten Stufe will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen.

Mütherig: „Ich bin heute mit viel guter Laune hierher gefahren. Unsere Forderungen sind modern, sie passen in unsere Zeit“, so die Gewerkschafterin mit Blick auf das Ziel der IG Metall, für die Beschäftigten einen Anspruch auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 28 Stunden mit Entgeltzuschuss, begrenzt auf zwei Jahre, durchzusetzen. „Eine solche Möglichkeit wird sehr attraktiv auf qualifizierte Fachkräfte wirken. Anders als die Arbeitgeber glauben wir nicht, dass eine solche Flexibilisierung der Arbeitszeit zu einem verstärkten Fachkräftemangel führt. In Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen wir einfach richtig gute Fachkräfte an uns binden, auch in dieser Branche. Und ich glaube, das gelingt nicht mit starren Arbeitszeiten. Das ist nicht mehr modern, das ist nicht mehr zeitgemäß. Deswegen muss daran etwas geändert werden.“

Doch wie sieht Mütherig die Situation, wenn sich nach Ende der 24-Stunden-Streiks bei den Tarifverhandlungen trotzdem nichts tut? „Wir würden uns natürlich schon wünschen, dass die Situation nicht weiter eskaliert und dass es für die Kolleginnen und Kollegen zu einer ordentlichen Einigung kommt. Aber man kann sicher sein, dass die IG Metall auf alles Weitere, auf alle Szenarien vorbereitet ist.“

Dass man hier auf eine entsprechende Unterstützung der Belegschaften setzen könne, dessen ist sich Mütherig  sicher, dafür spräche auch die hohe Zustimmung zum 24-Stunden-Streik. „Das waren 93,4 Prozent. Und die Stimmung in der Belegschaft ist ‚Granate‘. Die Leute stehen hinter unseren Forderungen!“