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200 Jahre Saarpfalz
Zwischen Witz und Wirklichkeit

Marx, Ruge & Holzhauser beeindruckten mit ihrer Kabarettrevue auch Landrat Dr. Theophil Gallo (Mitte). Die Künstler an diesem Abend (v. l.): Felix Holzhauser, Thomas Benn, Leander Usner, Hannah Neumann, Jürgen Holzhauser, Dr. Reiner Marx, Hans Ruge und Harald Theisen.
Marx, Ruge & Holzhauser beeindruckten mit ihrer Kabarettrevue auch Landrat Dr. Theophil Gallo (Mitte). Die Künstler an diesem Abend (v. l.): Felix Holzhauser, Thomas Benn, Leander Usner, Hannah Neumann, Jürgen Holzhauser, Dr. Reiner Marx, Hans Ruge und Harald Theisen. FOTO: Sandra Brettar/Saarpfalz-Kreis
Homburg. Die Kabarettrevue „Freistaat Saarpfalz“ nimmt die bayrische Zeit des Saarpfalz-Kreises im 19. Jahrhundert aufs Korn. Von red

200 Jahre alt musste der Saarpfalz-Kreis werden, um endlich zu seiner eigenen „Staatshymne“ mit dem nicht weit hergeholten Titel „Wir sind keine Franzosen“ zu kommen. Die wiederum haben Marx, Ruge & Holzhauser komponiert und eine wahrlich meisterliche Kabarettrevue mit ihr enden lassen (vorläufig). „Freistaat Saarpfalz“ heißt das mehr als nur unterhaltsame Werk aus Musik und kabarettistischen Conférencen, das die Siebenpfeiffer-Stiftung und der Saarpfalz-Kreis zum runden Geburtstag beauftragten. Fünf Aufführungen standen in diesem Jahr im Landkreis auf dem Programm. Die Finissage erfolgte am vergangenen Samstag vor 300 Zuschauerinnen und Zuschauern im Homburger Forum und schloss zum fünften Mal mit stehenden Ovationen.


„Obwohl ich heute dieses Kabarett zum dritten Mal sehen werde, bin ich noch immer neugierig darauf“, begrüßte Landrat Theophil Gallo, Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung, die Gäste im großen Sitzungssaal. „Ich freue mich, dass wir neben weiteren Angeboten zu unserem Jubiläum, beispielsweise den geführten Wanderungen durch unseren Kreis, eine Veranstaltung dieses Formates unseren Bürgerinnen und Bürgern bieten können. Die Kabarettrevue ‚Freistaat Saarpfalz‘ ordnet die bayerische Zeit des Landkreises im 19. Jahrhundert mit zeitkritischen Anmerkungen in einen historischen Kontext ein und das so geschickt, dass man schon sehr gut zu hören muss, um zwischen Satire, Witz und der ernsten, mitunter bitteren Wirklichkeit unterscheiden oder sie in Zusammenhang bringen zu können“, lobte der Landrat das Arrangement und bedankte sich mit einer launigen Begrüßung beim Ensemble auf der Bühne.

„Bei den Vorstellungen war spürbar, dass mit dem steigenden Bekanntheitsgrad des Programms von Auftritt zu Auftritt die Begeisterung des Publikums deutlich zunahm. Das war für uns natürlich eine schöne Bestätigung – sowohl für die Wahl der Form einer Kabarettrevue als auch für die einzelnen Arrangements und für eine Conférence, die gleichzeitig die Vermittlung geschichtlicher Fakten als auch die satirischen Momente zu tragen hatte“, freute sich Jürgen Holzhauser. Conférencier Reiner Marx mit starker Sehnsucht nach einer „alten, neuen Monarchie“ tat gut daran, nicht allzu lange am Klavier zu verweilen, mutierte aber ob seiner ausgefeilten deutschen Sprache recht schnell zum Publikumsliebling. Das wiederum zum Leidwesen seines Gegenspielers, dem „einfachen, aufmüpfigen Kapellmeister“ Jürgen Holzhauser, der sich gerne mal in den Vordergrund drängen wollte, jedoch immer wieder an der Erhabenheit und am Intellekt des „königstreuen“ Conférenciers scheiterte, der sich wiederum nicht scheute, augenzwinkernd vorzuschlagen, den Freistaat auszurufen und den amtierenden Landrat zu nobilitieren und ihn mit einem stattlichen Titel zu versehen.



All dies hätte sicher an Glanz verloren, wären da nicht die abwechslungsreichen musikalischen Beiträge gewesen, die – vom Marsch über Swing bis Rock, vom Volkslied über die Ballade bis zum bayerischen Gestanzl – den passenden Rahmen für die mitunter rebellische Auseinandersetzung (mit der Historie und der Gegenwart!) lieferten. Dabei griffen fast alle Protagonisten auf der Bühne zu mehr als einem Instrument. Thomas Benn an der Cajon zum Beispiel sorgte auch für die E-Gitarren-Effekte. Leander Usner am Bass bediente zusätzlich die Abteilung Blasmusik gemeinsam mit dem Gasttubisten Harald Theisen. Hannah Neumann wechselte zwischen Geige und Keyboard und Felix Holzhauser am Keyboard griff auch zu Gitarre und Akkordeon. Sänger Hans Ruge garantierte auch für den Gitarrensound der Liedermacherzeit und Hannah Neumann und Felix Holzhauser überzeugten zudem mit ihren Stimmen.

Wer es nicht zu einer der Aufführungen im Saarpfalz-Kreis schaffte, der kann an diesem Freitag,  26. Oktober, in die Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel kommen. Dort treten ab 19 Uhr Marx, Ruge & Holzhauser unter Mitwirkung von Musikantenlandpreisträger Roland Vanecek auf.