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Störche
20 Jahre Storchenprojekt mit Erfolg

Im Biotop haben die drei jungen Störche ein echtes Paradies vor Augen. Und genügend Nahrung obendrein.
Im Biotop haben die drei jungen Störche ein echtes Paradies vor Augen. Und genügend Nahrung obendrein. FOTO: Karl-Theo Dzieia
Homburg. 1998 siedelte sich der erste Storch in Beeden an. Jetzt ist die Biosphäre ein Storchenparadies. Noch nie gab es so viele Jungvögel wie dieses Jahr. Von Christine Maack

Störche und Obstbauern hassen Fröste im späten Frühjahr. Den Obstbauern sterben die Blüten ab, den Störchen die Jungen. Im vergangenen Jahr war genau dies der Fall. Während warme Temperaturen schon auf einen angenehmen Mai hoffen ließen, schlugen die Eisheiligen zu mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Was den kleinen Störchen mehr noch als Kälte zu schaffen macht, ist ein verregnetes Frühjahr, das ihnen die Lebenskraft raubt.


Nicht so in diesem Jahr, das sich bisher von einer ungewöhnlich freundlichen und warmen Seite zeigte. Statt des befürchteten kalten Regens gab es Sonne und Wärme im Überfluss. Das Ergebnis: noch nie haben so viele Storchenjunge im Saarpfalz-Kreis das Licht der Welt erblickt wie 2018. Und fast überall an den einschlägigen Orten der Blies ließen sich die schwarz-weißen Zugvögelpaare nieder und pflanzten sich fort. Das Ergebnis sind 21 Jungvögel, die zwischen vier und sechs Wochen alt sind und bei gutem Futter rasch wachsen (die Saarbrücker Zeitung berichtete).

„Das Futter ist reichlich vorhanden, auch das ist ein Ergebnis der Wärme“, erklärt Christoph Braunberger von der landesweiten Storchen AG des Nabu. Denn Störche fressen gerne Mäuse, Regenwürmer, Frösche – zuweilen auch Entenküken und im Sommer Heuschrecken. Alle Störche sind Fleischfresser, die Ernährung variiert aber je nach Art.



Der in Europa bekannteste Storch ist der Weißstorch (Ciconia ciconia), andere bekannte Vertreter dieser Gruppe sind beispielsweise die Marabus (Leptoptilos) und der Nimmersatt (Mycteria ibis). An der Blies ist nur der Weißstorch vertreten. Außer genügend Nahrung findet er auch Holz und Reisige als Baumaterial, denn Störche statten damit gerne zusätzlich ihr Nest aus, das ihnen die Menschen bereits hingestellt haben. „Es ist eine sehr erfreuliche Populationsentwicklung“, betont Braunberger, „im ganzen Saarland haben wir knapp 100 Störche, davon 17 Brutpaare. Denn nicht alle Störche brüten, es flattern auch einige Junggesellen herum“.

Mitte bis Ende August machen sich die Zugvögel üblicherweise auf, Deutschland in Richtung Süden zu verlassen, nach Spanien, Portugal oder auch in den Senegal. Anhand der Beringung kann man den Zug der im Südwesten ansässigen Störche gut nachvollziehen, denn die Storchenpopulation bildet ein Band vom Elsass über Lothringen bis in den Bliesgau. „Das ist ein großes Siedlungsgebiet“, sagt Norbert Fritsch, der ehemalige Neunkircher Zoodirektor, der die Storchenjungen im Auftrag der deutschen Vogelwarte in Radolfzell beringt.

Oftmals findet auch in diesem Großraum die Partnersuche statt, so dass sich elsässische oder lothringische Störche mit saarländischen Storchendamen paaren und umgekehrt. Vor Jahren konnte man sogar anhand der Beringung verfolgen, dass ein Bliestal-Storchenweibchen ihren angestammten saarländischen Gatten aus dem Nest verbannt hatte, weil ihr ein Heiratskandidat aus dem nahen Frankreich besser gefiel.

Was bei Störchen eher selten vorkommt, denn sie sind im Grunde treue Vögel. Nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber ihrer Heimat. So hoffen die Storchenväter aus dem Saarpfalz-Kreis, dass von den 21 Jungvögeln der eine oder andere wieder den Weg zurück in die Geburtsheimat finden möge. Und was ihre Winterquartiere anbelangt, so fliegen die wenigsten noch bis Afrika, die meisten lassen sich in Spanien nieder. Auch dort seien Vogelfreunde und Storchenväter vertreten. „Die schicken uns öfter mal eine Information, wenn sie die Beringung erkennen“, berichtet Fritsch.

Von den 100 saarpfälzischen Störchen machen sich aber nur 60 wirklich auf die beschwerliche Reise, die übrigen bleiben gerne auch zu Hause, vor allem diejenigen am Beeder Fischweiher, weil sie dort im Winter gefüttert werden. Dafür haben sie sich auch mit dem stolzen Nachwuchs von vier Jungen bedankt, so viele gibt es sonst nur noch in Reinheim und in Ingweiler. In Webenheim und im Beeder Biotop schlüpften jeweils drei Junge aus dem Ei, in Mimbach zwei und in Einöd guckt immerhin ein Jungtier aus dem Nest. Noch sitzen die Jungen brav auf ihrem Hochsitz, aber bald werden sie schon mit den Eltern die ersten Runden drehen, damit sie innerhalb von acht Wochen zu richtigen Flugprofis werden. Eine sehr kurze Spanne, die die Natur da eingeplant hat. Aber es klappt seit Jahrtausenden.

Und wie Zugvögel mit traumhafter Sicherheit immer wieder ihre Ziele finden, hat die Forschung noch nicht ganz geklärt. Wenn also ein Storch durch die Wiesen stakst, sollte man daran denken, dass sich ein sehr komplexes Verhalten in dem schmalen Kopf verbirgt.

21.06.2018, Hamburg: Storchenvater Fiete füttert auf einem Horst im Stadtteil Curslack den Nachwuchs Renate und Ingo. Die Störche in Hamburg haben eine außergewöhnlich erfolgreiche Brutsaison hinter sich. (zu dpa «Gutes Jahr für Störche in Hamburg») Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
21.06.2018, Hamburg: Storchenvater Fiete füttert auf einem Horst im Stadtteil Curslack den Nachwuchs Renate und Ingo. Die Störche in Hamburg haben eine außergewöhnlich erfolgreiche Brutsaison hinter sich. (zu dpa «Gutes Jahr für Störche in Hamburg») Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Auch die Saarpfalz-Touristik wirbt gerne mit dem Klapperstorch, der in den grünen, saftigen Blieswiesen herumstakst.
Auch die Saarpfalz-Touristik wirbt gerne mit dem Klapperstorch, der in den grünen, saftigen Blieswiesen herumstakst. FOTO: Wolfgang Henn