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Klinikclowns in Homburg
20 Jahre Kinderlachen mit Pini

Seit 12 Jahren treten sie gemeinsam auf: Christiane und Michael Schwan alias Pini und Pompom
Seit 12 Jahren treten sie gemeinsam auf: Christiane und Michael Schwan alias Pini und Pompom FOTO: Rüdiger Koop
St. Wendel/Homburg . Das Saarland war bundesweit Vorreiter beim Einsatz von Clowns in der Universitätskinderklinik – ein Vorzeigeprojekt. Von Christine Maack

Alles begann mit einem Artikel in unserer Zeitung. Christiane Scheer war damals Krankenschwester am Winterberg in Saarbrücken und las in einer unserer Ausgaben aus dem Jahr 1995 einen Bericht mit der Überschrift „Clowns-Doktoren in New York“. Darin ging es um Clowns, die Kinder im Krankenhaus besuchen, sie zum Lachen bringen und ihnen die Angst vor der fremden Umgebung oder einer anstehenden Operation nehmen.


„In diesem Artikel fand ich plötzlich etwas, was ich immer gesucht hatte“, erzählt Christiane Scheer, „ich wusste bislang nicht, dass es so etwas gibt. Und ich ahnte sofort: Klinikclown, das war meine Berufung“. Christiane Scheer, die in der Neurologie arbeitete, liebte ihren Beruf und ging gerne mit Patienten um, „aber eine wichtige Seite meiner Persönlichkeit, die mit dem schrägen Humor, die kam dabei eindeutig zu kurz“. Beim Klinikclown, so ihre Überlegung, könnte sie beides verbinden – den Umgang mit Patienten und Humor. Und so stürzte sie sich mit Begeisterung in ihre neue Aufgabe.

Zunächst einmal absolvierte sie eine höchst seriöse, dreijährige Clownsausbildung an einer Schule in Hannover plus eine Zusatzausbildung: „Schwerpunkte waren Mimik, Gestik und vor allem der Umgang mit Gegenständen.“ Also mit Zauberteilen, Luftballons, Figuren und Plüschtieren. 1998 nahm sie dann Kontakt zum Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg auf und traf auf den damaligen Pflegedirektor Paul Staut. „Ich war so von meiner Mission überzeugt, dass auch Paul Staut irgendwann nachgab und mir erlaubte, vier Wochen auf Probe in der Kinderklinik tätig zu sein.“



Nach der Probezeit gab es eine große Sitzung, an der auch der damalige Direktor der Kinderklinik, Professor Sitzmann, teilnahm, der von Christiane Scheers Arbeit überzeugt war: „Alles, was unseren kleinen Patienten zugute kommt, sollten wir unterstützen“, war die Maßgabe – und Christiane Scheer, die sich ab sofort Pini nannte, war der erste Klinikclown im Saarland – und bundesweit ebenfalls eine Pionierin, „denn Klinikclowns gab es 1998 an deutschen Krankenhäusern so gut wie gar nicht“.

Dass die Krankenkasse Clown Pini nicht finanzieren würde, war von Anfang an klar – aber hier griff die saarländische Lösung der kurzen Wege und der guten Kontakte, denn drei Vereine finanzieren den Klinikclown von Anfang an, also seit 20 Jahren: Der Verein Herzkrankes Kind, die Elterninitiative krebskranker Kinder und die Initiative Krankenpflege. Hinzu kommen Spenden von Vereinen aus dem ganzen Saarland, die immer mal wieder die Erlöse aus ihren Aktionen dem Klinikclown übergeben.

Seit zwölf Jahren gibt es sogar zwei Klinikclowns, denn Christiane Scheer-Schwan alias Pini wird von ihrem Mann Michael Schwan alias Pompom unterstützt. Nachdem Michael Schwan in den Ruhestand gegangen war, wechselte er ins Clownsfach und liebt seine neue Tätigkeit: „Es ist wunderbar, wenn man Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.“ Immer donnerstags sind die beiden auf der Kinderstation unterwegs, aber nicht nur Kinder erfreuen sich an ihren Späßen: „Auch junge Mütter, deren Kinder auf der Frühchenstation liegen oder deren Kind krank ist, sind oftmals voller Ängste. Dann singen wir mit den Müttern. Das tut ihnen unglaublich gut, denn das Singen befreit und ist ein Ventil, um die Emotionen herauszulassen“, erklärt Pompom, „manchmal fließen auch Tränen“.

Natürlich gab es zum 20. Geburtstag der Klinikclowns Blumen, bunte Luftballons und ein großes Danke-
schön. Und der leitende Oberarzt der Universitätskinderklinik, Professor Sascha Meyer, gab zu, dass er einiges von den Klinikclowns gelernt habe: „Als junger Arzt glaubt man erst einmal an das medizinische Handwerk und das, was man akademisch gelernt hat. Aber mit zunehmender Erfahrung muss ich zugeben, dass die Klinikclowns eine therapeutische Wirkung haben. Die Kinder sind deutlich entspannter und glück-
licher.“ Und wer glücklich ist, wird auch schneller gesund.