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Zukunft von Haus Sonne ungewiss

Der Neukahlenberger Hof in Böckweiler gehört zum Haus Sonne und bietet Menschen mit Behinderung Arbeitsmöglichkeiten. Foto: Becker & Bredel
Der Neukahlenberger Hof in Böckweiler gehört zum Haus Sonne und bietet Menschen mit Behinderung Arbeitsmöglichkeiten. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Walsheim/Saarbrücken. Neuer Bieter aus Iserlohn will nicht an anthroposophischer Ausrichtung der Behinderteneinrichtung festhalten. Joachim Wollschläger,Dietmar Klostermann

Zwei Investoren haben sich darum beworben, die insolvente Betreuungseinrichtung Haus Sonne in Walsheim zu übernehmen. Während der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Lebenshilfe aus dem Saarland mit der extra dafür gegründeten Haus Sonne gGmbH am anthroposophischen Konzept festhalten wollen, soll dieses beim zweiten Bieter nach Aussage des Haus-Sonne-Betriebsrats nicht erhalten bleiben.

Bei dem zweiten Bieter handelt es sich einer internen Betriebsratsmitteilung zufolge um das "Internationale Bildungs- und Sozialwerk e. V." (int-bsw) in Iserlohn (Westfalen). Dessen Geschäftsführer, Professor Heinrich Schnatmann, hatte im Februar Haus Sonne besichtigt, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Heinz Jungmann in der Mitteilung, die der Saarbrücker Zeitung vorliegt. Schnatmann habe im Gespräch deutlich gemacht, dass bei einer Übernahme durch das int-bsw eine Weiterführung nur zu den Konditionen des von ihm vertretenen Vereins möglich sei. Zuvor hatte Jungmann den Wunsch der Haus-Sonne-Mitarbeiter vorgetragen, auch in Zukunft auf Basis der Anthroposophie weiterzuarbeiten, die die Einrichtung seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren geprägt hat. Auch habe Schnatmann darauf hingewiesen, dass sein Verein nicht tarifgebunden sei, sondern sich an den Leistungsvereinbarungen der Ministerien orientiere. Auch einen Betriebsrat gebe es nicht, teilt Jungmann mit. Das int-bsw war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Haus Sonne war vor einem Jahr in die Insolvenz geraten. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Lebenshilfe hatten stets auf eine saarländische Lösung mit Erhalt der bisherigen Ausrichtung gesetzt. Mittlerweile seien alle Voraussetzungen für eine Übernahme geschaffen worden, sagte Michael Hamm, der Geschäftsführer des Verbandes. Er drängt nun auf eine schnelle Entscheidung. Von einer Gläubigerversammlung vergangenen Freitag, bei der auch über sein Übernahmeangebot verhandelt werden sollte, war er kurzfristig ausgeladen worden. Zur Begründung sagte Insolvenzverwalter Günther Staab, dass der zweite Bieter nicht vertreten gewesen sei. Anfang April werde der Gläubigerausschuss erneut tagen, dann in Anwesenheit beider Anbieter, so Staab zur SZ. Hamm sagte, dass die Ausladung aus der Gläubigerausschusssitzung eineinhalb Stunden vor Beginn kein guter Stil sei. "So geht man nicht miteinander um", erklärte der Parität-Geschäftsführer. Zudem sei die Ausladung kein gutes Signal für die Fortführung des Betriebs unter saarländischer Führung. "Die Hängepartie für die Mitarbeiter geht weiter", sagte Hamm. Paritätischer Wohlfahrtsverband und Lebenshilfe wollten sich nun in den nächsten Tagen zu einer Sondersitzung treffen, um die neue Lage zu beraten.

Sozial-Staatssekretär Stephan Kolling (CDU) hatte noch vor zwei Wochen erklärt, Haus Sonne müsse mit einer anthroposophischen Ausrichtung erhalten bleiben. Das Land ist größter Gläubiger in der Insolvenz, da es gewährte Zuschüsse zurückfordert. Er betonte aber auch, dass das Ministerium mit Blick auf den Steuerzahler gehalten sei, möglichst viel Geld aus dem Insolvenzverfahren vom neuen Eigentümer zurückzubekommen. Jetzt gehe es darum, wer von den beiden Interessenten das beste Konzept für die Weiterführung von Haus Sonne vorlege.

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