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Bliesdalheim
Mit dem Hof „Daleheim“ fing alles an

Bliesdalheim feierte am Wochenende sein 800-jähriges Bestehen. Als Festredner war der saarländische Landtagspräsident und Schirmherr Stephan Toscani zum Festakt gekommen.
Bliesdalheim feierte am Wochenende sein 800-jähriges Bestehen. Als Festredner war der saarländische Landtagspräsident und Schirmherr Stephan Toscani zum Festakt gekommen. FOTO: Wolfgang Degott
Bliesdalheim. Vor 800 Jahren wurde Bliesdalheim erstmals urkundlich in einem gräflichen Schreiben erwähnt. Jetzt feierte das Dorf stolz seinen historischen Jahrestag mit einem Festakt mit zahlreichen Programmpunkten. Von Wolfgang Degott

„Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen miteinander umzugehen“, sang der Projektchor aus dem Protestantischen Singkreis, unterstützt von den Solisten Gerald und Jana Kohl sowie Franziska Kruft, im ökumenischen Gottesdienst in der Wendelinuskirche. Die Zeilen stehen sinnbildlich für drei historische Tage, die das Dorf Bliesdalheim am Wochenende bei der 800-Jahrfeier erlebte. Was von langer Hand und unter der Leitung von Ortsvorsteher Bernhard Welsch akribisch vorbereitet worden war, Programmpunkte wie an eine Perlenschnur aneinanderreihte, gestaltete sich zu einer Jahrhundertfeier, von der noch Generationen sprechen werden.


Was am 21. Juni 1218 in die Regesten des Zisterzienserklosters Wörschweiler geschrieben worden war, als Godefried Graf von Sponheim aus einem schlechten Gewissen heraus Einkünfte seines Hofes zu „Daleheim“ schenkte, war der geschichtliche Fixpunkt der 800-Jahrfeier des 500-Seelen-Dorfes innerhalb der Gemeinde Gersheim. Dr. Christoph Kohl, Domdekan in Speyer, und gebürtiger Bliesdalheimer, brachte es im mit dem protestantischen Pfarrer Wolfgang Kafitz gemeinsam gestalteten Gottesdienst auf den Punkt: „Unser Dorf ist fit für die Zukunft, wenn es eine solidarische Dorfgemeinschaft gibt.“ Dies stellten die Bliesdalheimer eindrucksvoll unter Beweis. Sie bereiteten anderen Heimat und erlebten, dass es wichtig ist, Heimat zu erleben.

Begonnen hatten die Festtage mit einem vom Gersheimer Musikverein Harmonie unter der Leitung von Björn Weinmann musikalisch gestalteten Festkommers. Ortsvorsteher Bernhard Welsch, der über die Tage sichtlich beeindruckt war von den vielen Helfern, von den Initiativen, erwähnte, dass aus „Dahlem“ 1816 als Unterscheidungsmerkmal zu Heckendalheim mit dem Flussnamen verbunden wurde. Er erinnerte an wichtige Persönlichkeiten wie Alfons Kohl und Klaus Fischer, die den Ort in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt hatten. Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck betonte, dass sich Lebensqualität nicht in Zahlen messen lasse, dass bei aller Diskussion um die Lebensfähigkeit kleiner Kommunen immer darauf bedacht werden müsse, dass Gemeinde immer Heimat sein müsse. Er regte an, Dr. Andreas Grieser, einem berühmten Sohn des Dorfes und anerkannter Sozialpolitiker, eine besondere Würdigung zukommen solle. Auch Landrat Theophil Gallo sprach von der Notwendigkeit sich im Dorf wohlzufühlen.



Landtagspräsident Stephan Toscani, gleichzeitig Schirmherr, freute sich, dass Menschen aller Generationen mit angepackt haben, das Fest zu „stemmen“, dass sie demonstrierten, dass Zusammenhalt im Dorf ausgeprägt ist. Damit werde unterstrichen, dass Heimat Konjunktur habe. Er appellierte an alle dafür zu sorgen, „dass wir auch in Zukunft Heimat haben, schone Gemeinschaftsgefühle erleben, Geborgenheit erfahren und dass der Bliesgau Zukunft hat“. In seiner „rasanten Durchfahrt“ durch die Geschichte erwähnte Kreisheimatpfleger Dr. Bernhard Becker unter anderem, dass der Bau des Bahnhofes ein Quantensprung für die Dorfentwicklung in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht gewesen sei. Nachhaltige Impulse für das Dorfleben werde das Fest bringen, war sich Stefan Pauluhn, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und ehemaliger Walsheimer Ortsvorsteher, sicher. Neben einer offenen Grillmeisterschaft, die erstmals in Bliesdalheim stattfand, wurde den Gästen viel geboten. So spielte das Duo SaarBloos auf, sorgte für ausgelassene Abendstimmung, konnte die Bettendorfer Feuerwehr-Musik mit ihrem Dirigenten Pavel Nakhimovitch, eigens aus Luxemburg angereist mit schmissigen Rhythmen den sonntäglichen Frühschoppen verschönern. Über 50 selbst gebackene Kuchen umfasste das reichhaltige Büffet, war auch ein beredtes Beispiel Bliesdalheimer Gemeinschaftsgefühls. Auch erneuerte die Bliesdalheimer Feuerwehr die seit 30 Jahren mit den Bettendorfern bestehende Freundschaft (Bericht folgt). Am späten Samstagabend war das Ballonglühen ein echter Hingucker. Mit viel Engagement sicherten die Mitglieder der Bliesdalheimer Dorffreunde, dem jüngsten Verein des Ortes, die Versorgung der Gäste mit Essen und Trinken.