| 21:00 Uhr

Matinee im Kulturpark
Bravo-Rufe schon ab dem dritten Stück

Das polnische Trio Karczmarze, bestehend aus Tomasz Pyzik (Geige), Tomasz Pisania (Akkordeon) und Lukasz Cycak (Kontrabass), trat in der Taverne des Europäischen Kulturparks auf.
Das polnische Trio Karczmarze, bestehend aus Tomasz Pyzik (Geige), Tomasz Pisania (Akkordeon) und Lukasz Cycak (Kontrabass), trat in der Taverne des Europäischen Kulturparks auf. FOTO: Jörg Martin
Reinheim. Das polnische Trio Karczmarze begeisterte die witterungsbedingt wenigen Zuhörer bei der Matinee in der Kulturpark-Taverne. Von Jörg Martin

Sonntagvormittag im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Der tolle Sommer hat sich mittlerweile verabschiedet. Der Herbst hat seinen Platz eingenommen. Es ist frisch draußen und ein leichter Regen sorgt dafür, dass nur ein paar Unentwegte den Park besuchen. An der Taverne kehren einige Menschen ein und suchen Schutz vor dem sich allmählich ankündigenden Unwetter „.Fabienne“. Das Wetter hat auch indirekt Auswirkungen auf die vorletzte Matinee für diese Saison, die dort gerade stattfindet. Die Veranstalter, die Gemeinde Gersheim, der Verein Begegnungen auf der Grenze und die Stiftung Europäischer Kulturpark, mussten mit einer überschaubaren Anzahl an Besuchern Vorlieb nehmen. Eigentlich war für diesen Tag die Gruppe Cynamon geplant. Doch die Krakauer Musiker mussten absagen, nachdem die Sängerin einen Unfall hatte. Spontan sprang eine andere Formation ein.


Karczmarze, ebenfalls in Polen beheimatet, sind bei der musikalischen Reihe keine Unbekannten mehr. Längst hat sich herumgesprochen, dass man deren Sprache nicht zwangsläufig beherrschen muss, um die Musik genießen zu können. Die Folkgruppe hat sich, da sie aus den Karpaten stammt, auch die Völkerverständigung zum Ziel gesetzt. Dabei handelt es sich um ein Grenzgebiet nahe der Ukraine und der Slowakei. Zwar wurde die Kultur der Bergvölker von Stalin niedergemacht, so Hans Bollinger, der Vorsitzende des Vereins Begegnungen auf der Grenze, in seiner Anmoderation. Sie lebt aber in der Musik weiter. Das spürte man auch in Reinheim. In Verbindung mit mitreißenden Rhythmen schaffen es die drei Herren immer wieder, dass das Publikum schnell mitgeht.

Dabei war der Gesangsanteil diesmal gefühlt etwas weniger. Doch Tomasz Pyzik (Geige), Tomasz Pisania (Akkordeon) und Lukasz Cycak (Kontrabass) treffen schnell den Nerv der Menschen. Bereits ab dem dritten Stück waren „Bravo!“-Rufe zu hören. Ab und an waren da auch zustimmende „Hey“-Rufe auszumachen. Nicken, Wippen und Sitztanzen sind bei den Konzerten der drei Männer keine Seltenheit.



Einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Wirkung hat „Teufelsgeiger“ Tomasz Pyzik. Aber auch Lukasz Cycak zupft die Saiten an seinem Kontrabass oft so, dass sie mehr als regelrecht vibrieren. „Manches davon hätte auch ein aktueller Titel aus den Charts sein können“, beschrieb eine Stammbesucherin die Wirkung der Musik. Oder gar argentinisch, wenn man sich mit dem Tango-Block beschäftigen würde. Ein Grund für die Stimmung könnte aber auch sein, dass die Musiker selten ernste Gesichter an den Tag legen. Auch, wenn es um scheinbar melancholische Titel geht. Selbst Tomasz Pisania, der auf seinem Akkordeon „Weltmeister“ stehen hat, wirkt vielleicht gerade deshalb nahezu ausnahmslos fröhlich. Polnische Polkas, Walzer und Balladen und schon wähnt man sich in einer völlig anderen Umgebung. Diese Wirkung könnte auch daran liegen, dass Karczmarze ohne Noten singt und völlig auf Technik verzichtet. Da erscheint vieles, was volkstümlich sein muss, alles andere als verstaubt und altmodisch.