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Infos aus erster Hand über die Kriegswirren im Bliesgau

Niedergailbach. Bei der Arbeitsgemeinschaft Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges geht es darum, Infos über den Krieg im Bliesgau direkt von Betroffenen zu bekommen und sie für die Nachwelt zu erhalten. Das nächste Treffen der AG ist heute. ott

Eigens aus Bliesmengen-Bolchen war die 87-jährige Louise Seibert zum Erfahrungsaustausch in den Niedergailbacher Generationentreff angereist. Außer ihr kamen auch noch andere, die dem Aufruf zur Veranstaltung "Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges" gefolgt waren. Arbeitsgemeinschaftsvorsitzender Otmar Gros freute sich, dass es gelungen sei, damit ein Gespräch in Gang zu setzen. Mit dabei auch einige aus der Nachkriegsgeneration. Sie erfuhren aus erster Hand von den Wirren der letzten Kriegstage im Bliesgau . So seien beispielsweise alliierte Truppen, zumeist Amerikaner, im Dezember 1944 zwei Mal ins Dorf einmarschiert, sei Niedergailbach kurz vor Weihnachten unter großes Trommelfeuer gesetzt worden. In diesen schrecklichen Tagen seien auch mehrere Verletzte und ein Toter innerhalb der Zivilbevölkerung zu beklagen gewesen. Beispielsweise sei der damals zehnjährige Guido Maurer, mittlerweile schon verstorben, in ein Krankenhaus in Nancy gebracht worden. Er stand unter so großem Schock, dass er in der Folge nahezu ein Jahr lang nicht sprechen konnte. Anwesende erinnerten sich auch an den Angriff mit Phosphorbomben und wiederum zermürbendem Trommelfeuer im März 1945, kurz vor der Befreiung. Sei die Evakuierung der Bevölkerung 1939 gut organisiert abgelaufen, herrschten bei der zweiten im Herbst 1944 chaotische Zustände, war zu hören.

Zuflucht im Stollen gesucht


Leiterwagen und Fuhrwerke brachten die Menschen in Sicherheit. Auch im Gersheimer Stollen des Kalkbergwerks hatten zu dem Zeitpunkt viele Menschen, darunter auch Elvira Bodenstein mit ihrer Großmutter aus Niedergailbach , Zuflucht gesucht. Gros wünschte sich, dass mit den weiteren Treffen, von denen das nächste an diesem Freitag, 27. März, um 18 Uhr, stattfindet, ein Manuskript entstehen soll. Darin müssten die Ereignisse der Kriegszeit niedergeschrieben, der Nachwelt damit erhalten werden. Deshalb sind zu der Veranstaltung auch Interessenten willkommen, die die schrecklichen Kriegsereignisse nicht selbst miterlebt haben, aber Informationen, beispielsweise aus Erzählungen liefern können. Wer kann möglicherweise Angaben machen über Niedergailbacher Soldaten, über deren Einsatzgebiete, zu den Gefallenen und Vermissten? Wer hat in der Evakuierung das Licht der Welt erblickt und wo war der Geburtsort? Das sind Fragen, die der Beantwortung harren. Auch freut sich Arbeitsgemeinschaftsvorsitzender Otmar Gros über Mitarbeiter, die bei der Aufarbeitung und Verarbeitung der gelieferten Daten und Angaben mitwirken.