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Bauernhäuser
Ein ausgezeichnetes Zeugnis der Heimat

Die Preisträger Alice Dahl-Agné und Günter Agné vor ihrem Haus in Herbitzheim, mit dem sie beim Bauernhauswettbewerb erfolgreich waren.
Die Preisträger Alice Dahl-Agné und Günter Agné vor ihrem Haus in Herbitzheim, mit dem sie beim Bauernhauswettbewerb erfolgreich waren. FOTO: Wolfgang Degott
Herbitzheim. Mit viel Liebe zum Detail haben die Agnés in Herbitzheim ihr Bauernhaus zu einem echten Schmuckstück gemacht. Von Wolfgang Degott

Eigentlich wollten Alice Dahl-Agné und Günter Agné, die im diesjährigen Landes-Wettbewerb „Saarländische Bauernhäuser –- Zeugnisse unserer Heimat“ einen dritten Platz errungen haben, ein eigenes Haus bauen, hatten alles schon vorbereitet, sogar schon den Bagger zum Aushub bestellt. Doch es kam anders.


Zweifel kamen in letzter Minute auf. „Wir wissen nicht, ob es richtig ist, neu zu bauen“, diese Frage stand im Raum. Beide, damals junge Eltern zweier Söhne, entschieden sich dazu, von der Witwe Katharina Schneider im Blieskasteler Weg 21 ihres Heimatortes Herbitzheim ein ehemaliges, mitte der 1920er Jahre erbautes Bauernhaus zu kaufen. „Der ursprüngliche Eigentümer Julius Schneider war Bauer und fuhr im Nebenerwerb Kalksteine aus dem hiesigen Kalkstein-Bruch zur Verladestation an die Bahngleise der Bliestalbahn“, weiß Günter Agné zu berichten. Auch habe er beim Bau wohl heimische Kalksteine benutzt, die aus dem Steinbruch auf dem Hanickel stammten, wo damals durch das Neunkircher Eisenwerk im Tagebau gebrochen wurde.

Ende der 1920er Jahre sei zum Stall mit Scheune, in dem das Fuhrwerk untergebracht war, ein Wohnhaus angebaut worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Haus zeitweise Wohnstätte vieler obdachlos gewordener Herbitzheimer. Sogar ein Kindergarten und auch der Verkaufsladen von „Kathrina“ Rabung waren zeitweise dort untergebracht.



Als die Agnés 1984 das Gebäude kauften, befand es sich in einem leicht verwahrlosten Zustand, sodass es eine große Aufgabe gewesen sei, es und die umliegenden Ländereien zu renovieren beziehungsweise neu anzulegen. Das Anwesen hatte beim Erwerb nicht das Flair eines typischen Bauernhauses, aber die „schlichte Eleganz“ eines Arbeiter-Bauernhauses, was der Vorbesitzer auch war, so Günter Agné.

So holten sie sich Rat bei Professor Heinz Quasten aus Blieskastel, der sie mit seinen Vorschlägen unterstützte. Auch war die damals von ihm neu herausgegebene Bauernhausfibel das Lehrbuch des Paares. Beide erinnern sich daran, dass es zu dieser Zeit noch schwer gewesen sei, geeignete Handwerker beispielsweise für Fenster, Läden und Türen zu finden.

„Gerade bei den Fenstern haben wir die bittere Erfahrung gemacht, dass sie zwar von unserem Schreiner original getreu nachgebaut wurden, jedoch nie richtig dicht waren, so dass wir am Westgiebel immer wieder mit Wassereinbrüchen kämpfen mussten, was schließlich dazu führte, dass wir die Fenster an der Wetterseite anfangs 2000 nochmals erneuern ließen“, sagt Hausbesitzer Günter Agné.

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten zog die Familie 1985 ins Haus ein. Danach war aber immer noch einiges zu tun. So wurde der Vorplatz mit Kalkstein gepflastert, die wegen ihrer besseren Festigkeit aus der Eifel „importiert“ und von „Blechschmieds Sepp“ (Josef Vogelgesang) in seinem Kalksteinbruch in Rubenheim zu Pflastersteinen verarbeitet wurden. Zu einem „deutsch-französischen“ Freundschaftsprojekt wurde die Herstellung der Klappläden. Günter Agné, damals im Ortsrat, nutzte die freundschaftlichen Verbindungen ins elsässische Herbitzheim. „Ich traf Maurice Laurette, der eine Schreinerei mit einem Sägewerk betrieb“, so Agné. Dieser hat ihnen aus versägten Eichenbalken die Läden hergestellt, die dem Haus einen weiteren Akzent verliehen.

Vom Niedergailbacher Nicolas Weiser-Folz bekamen sie den Hausbaum, eine Kastanie, geschenkt. Mit der Auszeichnung wurden die Agnés dafür belohnt, weil sie die schlichte Eleganz des gesamten Anwesens erhalten haben und weiterhin als Zeugnis unserer Heimat hegen und pflegen.