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Geschichten aus Medelsheim

Bei der Buchpräsentation mit dabei waren (von links) Ortsvorsteherin Imelda Frenzel, Grafikerin Elke Birkelbach, Rainer und Edeltraud Lagall und Bürgermeister Alexander Rubeck. Foto: Wolfgang Degott
Bei der Buchpräsentation mit dabei waren (von links) Ortsvorsteherin Imelda Frenzel, Grafikerin Elke Birkelbach, Rainer und Edeltraud Lagall und Bürgermeister Alexander Rubeck. Foto: Wolfgang Degott FOTO: Wolfgang Degott
Medelsheim. Ortsvorsteherin Imelda Frenzel freut sich: Die neue Ausgabe der „Gersheimer Hefte“ nennt sie ein Werk „für die Ewigkeit“. Rainer Lagall hat darin Geschichten aus Medelsheim zusammengetragen. Wolfgang Degott

15 Artikel in der "Saarpfalz - Blätter für Geschichte und Volkskunde " und zahllose Berichte in verschiedenen Medien hat der 72-jährige gebürtige Medelsheimer Rainer Lagall schon veröffentlicht. Viele Jahre war er Berichterstatter unserer Zeitung für den Bereich Parr. Jetzt legte der pensionierte Polizeibeamte sein Meisterstück als zwölften Band der Reihe "Gersheimer Hefte" der Gemeinde Gersheim vor. Es hat den Titel "Medelsheim - Tagebuch eines Dorfes und seiner Pfarrei - 16. März 1945 bis 31. Dezember 1995" und wurde von der Seyweilerin Elke Birkelbach grafisch aufgearbeitet und reichlich illustriert. Bürgermeister Alexander Rubeck würdigte bei der Vorstellung im Pfarrheim Medelsheim die Arbeit Lagalls. Der habe ein Buch mit den wichtigsten Etappen in fünf Jahrzehnten des Dorfes und der Pfarrei erarbeitet. Ortsvorsteherin Imelda Frenzel sprach von einem Werk "für die Ewigkeit". Die Freude an der Heimatgeschichte habe ihn dazu animiert, so der Autor. Schon als kleiner Junge interessierte ihn das Dorfgeschehen. Prägend sei Rektor Emil Berg gewesen.



Faible für Kommunalpolitik

Sein Wahlspruch "Ohne Heimatkunde keine Heimatliebe" habe auch er sich zu eigen gemacht. Gefördert sei das Interesse auch in der väterlichen Schuhmacherwerkstatt worden. Dort seien insbesondere über die Wintermonate die Geschehnisse der Region ausgiebig erörtert und beleuchtet worden. Sein Faible für die Kommunalpolitik - schon als 16-Jähriger besuchte er Gemeinderatssitzungen, war 30 Jahre Ortsvorsteher und langjähriges Mitglied in den Gemeinde- und Pfarreigremien - trugen dazu bei, die Historie in eine Chronik zu gießen. Vier Jahre arbeitete er daran, schriftliche Quellen anzuzapfen. Zeitungsberichte, selbst teilweise über Jahrzehnte gesammelt, Mitteilungsblätter, Gemeinderatsniederschriften, Ortsratsprotokolle, schriftlichen Zeugnisse aus Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat wertete er aus, trug 1670 Tagedaten zusammen.

Ein wichtiger Fundus sei auch das einzigartige Pfarrgedenkbuch gewesen, das ihm Pfarrer Günter Broy gestellt hatte. Jetzt reihen sich auf 335 Seiten geschichtliche Fakten, Ereignisse und Anekdoten aus der Kommunalpolitik , dem dörflichen Geschehen, aus Vereinen, Kirche, Kindergarten und Schule aneinander, geben Einblicke in die Entwicklung der Gemeinwesen der Parr. Nachzulesen ist beispielsweise die Einweihung der wiedererbauten Pfarrkirche (1949), der erbitterte, teilweise familientrennende Kampf um das Saarstatut (1955). Die 1960er-Jahre mit der Gründung der DJK Medelsheim , der SG Parr Medelsheim und dem Schützenverein symbolisierten das aufkommende Vereinsleben. Prägendes Ereignis der 1970er sei die Gebiets- und Verwaltungsreform gewesen, in deren Verlauf die Dörfer ihre Eigenständigkeit verloren hätten.

Sieg beim Dorfwettbewerb

Die Weihe der Kirchenorgel (1985), die 1100-Jahrfeier (1988) und die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf soll Leben" (1995) sind weitere Ereignisse, die in Lagalls Werk Platz gefunden haben. Auf sein eigenes Leben wirft der Artikel "Der letzte Gendarm Blieskastels - Rainer Lagall", erschienen in der Buchreihe der Kreissparkasse Saarpfalz "Museum der Erinnerung".

Das Taschenbuch kostet 19,80 Euro und ist im Rathaus Gersheim erhältlich, aber auch per Internet zu beziehen. Als E-Book kostet es 14,99 Euro.