| 21:11 Uhr

Bliesdalheim
Gedenktafel erinnert an berühmten Sohn des Dorfes

Am Kegelplatz erinnert diese Bronzetafel an Andreas Grieser, geboren 1868 in Bliesdalheim.
Am Kegelplatz erinnert diese Bronzetafel an Andreas Grieser, geboren 1868 in Bliesdalheim. FOTO: Wolfgang Degott
Bliesdalheim. Der Jurist Andreas Grieser prägte die Sozialversicherung in Deutschland. Geboren wurde er vor 150 Jahren in Bliesdalheim. Von Wolfgang Degott

Mit einer bronzenen Gedenktafel, aufgestellt am Kegelplatz, ehren die Bliesdalheimer seit 1993 ihren großen Sohn Dr. Andreas Grieser. Der Jurist und Politiker war von 1918 bis 1920 Erster Bürgermeister von Würzburg. Er gilt als Nestor der deutschen Sozialversicherung und ist vor 150 Jahren, am 31. März 1868, als zweites von elf Kindern des Eisenbahnschaffners Johannes Grieser und dessen Frau Magdalena im damals bayerischen Bliesdalheim auf die Welt gekommen. Grieser verstarb am 18. Oktober 1955 in einem Münchener Krankenhaus. Vier Tage später wurde er mit einem Staatsbegräbnis an der Seite seiner Ehefrau auf dem Friedhof von Garmisch-Partenkirchen beerdigt. Die Tafel steht schräg gegenüber dem nicht mehr vorhandenen Bliesdalheimer Elternhaus Griesers. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.


Der bedeutende Bliesdalheimer wird oft als „Anwalt der Armen“ und „Vater der Kriegsbeschädigten“ bezeichnet. Grieser hat im Reichsarbeitsministerium der Weimarer Republik in über zehnjähriger Arbeit dafür gesorgt, dass sich die deutsche Sozialversicherung nach dem Ersten Weltkrieg rasch erholte und zu einer vorbildlichen Einrichtung mit internationaler Anerkennung avancierte.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner im März 1945 wurde er von ihnen zum Landrat des Kreises St. Ingbert ernannt. In hohem Alter erhielt er die Berufung zum Staatssekretär für Arbeit und Soziale Fürsorge im bayerischen Staatsministerium. Er hatte die Aufgabe, den vom „Tausendjährigen Reich“ hinterlassenen Scherbenhaufen in der Sozialversicherung und Kriegsopferversorgung zu beseitigen. In einem Nachruf der Zeitschrift „Die Ortskrankenkasse“ vom 15. November 1955 ist zu lesen: „Im Jahr 1868 als Sohn kleiner Bauern geboren, erlebte er Bismarck, das Kaiserreich, erlebte er wissend die Grundgesetze der Sozialpolitik und der Sozialversicherung, erlebte er die Weimarer Republik, das Dritte Reich; erlebte er den Totentanz zweier Weltkriege, zweier Zusammenbrüche, erlebte er zwei Währungskatastrophen, erlebte er die Flüchtlingskatastrophen und das Chaos und die Demütigungen einer Zeit, die Ordnung und Bindungen aufzulösen schien.“