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Echte Geschichte in den Händen

Reinheim. Unentdeckte römische oder keltische Schätze im Saarland ausgraben, das dürfen nicht nur Archäologen. Auch Laien können sich an offiziellen Grabungen beteiligen. Auf eigene Faust zu buddeln ist dagegen illegal. Robert Schmidt

Emilie Hene ist gerade dabei, eine römische Straße zu restaurieren, als die SZ sie am Telefon erwischt. Die 14-jährige Laien-Gräberin ist zur Zeit Schüler-Praktikantin im Europäischen Kulturpark in Reinheim . Emilie ist drei Wochen lang bei Ausgrabungen rund um eine römische Villa dabei. "Es ist toll draußen und nicht in einem kleinen Zimmer zu arbeiten", erzählt die Schülerin begeistert. "Manchmal finden wir römische Nägel", berichtet sie. Neulich hätten sie sogar Knochen freigelegt, die wahrscheinlich von Tieren stammten.

Grabungsleiter Michael Ecker, der Emilie während des Praktikums betreut, ermutigt auch andere interessierte Laien allen Alters, mitzumachen. Neben ein- bis vierwöchigen Praktika, die nach Absprache bei gutem Wetter jederzeit möglich seien, gäbe es drei Mal im Jahr auch die Aktionswochenenden "Archäologie zum Mitmachen". Vorkenntnisse seien keine notwendig.

Auch die Stiftung Römermuseum in Homburg-Schwarzenacker lädt interessierte Laien zum archäologischen Mitgraben und Mitentdecken ein. Sobald das Wetter stabil wärmer werde, sei man das Frühjahr über mit der Ausgrabung einer ehemaligen römischen Unterkunft beschäftigt, erzählt Sabine Emser, bei der Stiftung verantwortlich für Grabungen und Forschungen. Wer an einem mindestens eine Woche dauernden Ausgrabungs-Praktikum interessiert sei, könne sich an sie wenden. Mit "Indiana Jones " habe das zwar wenig zu tun. Die "harte körperliche Arbeit" ermögliche es allerdings, sich anhand von Scherben "in die römische Zeit zu versetzen".

Im Saarland gebe es aktuell rund 30 Menschen, die die Bodendenkmalpflege ehrenamtlich unterstützten, so die Schätzung von Wolfgang Adler, Leiter des Sachgebietes Bodendenkmalpflege im Landesdenkmalamt. Adler freut sich über das Engagement solcher Helfer. Gleichzeitig warnt er vor der "Bedrohung unseres gemeinsamen kulturellen Erbes insbesondere durch Sondengänger". Die Benutzung eines Metalldetektors für Ausgrabungen auf eigene Faust sei nach saarländischem Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig. Jeder Laie, der "Funde von wissenschaftlichen Wert" alleine ausgrabe, verstoße gegen das Gesetz. Schließlich werde mit dem willkürlichen Ausbuddeln ein wesentlicher Teil der Information, die ein solcher Fund als historische Quelle liefern könne, bereits zerstört. Mitarbeiter des Landesdenkmalamts hätten auf Grabungsstätten immer wieder die Spuren von Sondengängern gefunden. Zudem habe es auch in der weiter zurückliegenden Vergangenheit "Probleme mit Raubgrabungen sogar in laufenden offiziellen Ausgrabungen (Tholey, Reinheim )" gegeben.

Die Schülerin Emilie weiß, dass man für Ausgrabungen Kenntnisse und vor allem Geduld braucht. Die Neuntklässlerin möchte später einmal Archäologie studieren. Archäologen, ob professionelle oder Laien, sagt sie, würden "Geschichte zum Leben" erwecken. Sie findet: "Das sollte jeder erlebt haben."

www.europaeischer-kulturpark.de/

www.roemermuseum-schwarzenacker.de/


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Am RandeSchwert, Kampfaxt, Schild und Lanze - diese Waffen nahm der keltische Krieger mit ins Grab, als er zwischen 50 und 20 vor Christus beerdigt wurde. Die Reste der Waffen fanden Archäologen nahe Sitzerath. Über die Grabungsergebnisse berichtet Grabungsleiter Thomas Fritsch am Mittwoch, 18. März, 19 Uhr, im Kolpinghaus in Schwarzenbach. red