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Deutsches Liedgut in römischer Taverne

Das Mimbacher Ensemble Scheldeborn gestaltete die Matinee am letzten Sonntag im Europäischen Kulturpark. Foto: Jörg Martin
Das Mimbacher Ensemble Scheldeborn gestaltete die Matinee am letzten Sonntag im Europäischen Kulturpark. Foto: Jörg Martin FOTO: Jörg Martin
Reinheim. Die Taverne der römischen Villa in Reinheim stand am Sonntag ganz im Zeichen des deutschen Liedgutes. Eine Matinee mit dem Ensemble Scheldeborn. Das Trio servierte unter anderem Stücke von Hannes Wader und Reinhard Mey. jma

. Viel habe man schon von ihnen gehört. Bislang habe man sie in der römischen Taverne noch nicht live erleben können, wies Hans Bollinger am Sonntagmorgen bei der Begrüßung der Matinee-Gäste hin. Dabei folgte der Vorsitzende des Vereins Begegnungen auf der Grenze - zusammen mit der Stiftung Europäischer Kulturpark und der Gemeinde Gersheim - mit dem Engagement von Scheldeborn dem Wunsch einer Stammbesucherin. Scheldeborn, das sind die drei Mimbacher Axel Weinland (Flöten und Gesang); Peter Baarß (Keyboard, Gitarre und Gesang) sowie Doris Hertel (Akkorden und Gesang).



Ihr Programm: Deutsche Lieder. "Gut, wieder hier zu sein", von Hannes Wader, schien da mehr als passend. Mit ihm startete man in das kurzweilige Programm. Einfach nur singen und Musikspielen ist nicht das Ding des Trios aus dem Blieskasteler Stadtteil. Axel Weinland informiert zwischen den Stücken gerne über lokale Hintergründe. So konnte man erfahren, dass die Gruppe sich nach einer Quelle benannt hat, die sich in Böckweiler befindet - genauer zwischen Kahlenberger und Neukahlenberger Hof - und heute den Scheldenbach speist. Reinhard Mey macht einen großen Teil des Repertoires aus. Von ihm gab es etwa "Ich wolle wie Orpheus singen" zu hören, welches etwa von einer Frau mit "Ahhh, das ist scheeeen" quittierte wurde.

Auch "Der Wind geht alle Zeit" oder "Drei Jahre und ein Tag"; welches sich mit dem Leben der Zimmersleute auf der Walz beschäftigt. Da sang so manch ein Matinee-Gast leise und klammheimlich mit. Von Mey fand sich ein weiterer Titel im Programm, der die frühere innerdeutsche Grenze zum Inhalt hatte. Bei einer Veranstaltung auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich geradezu ein Muss. Höhepunkt war "Gute Nacht Freunde"; welches Mey unter dem Namen Alfons Yondraschek veröffentlichte. Das Gesangsduo Inga und Wolf machten es 1972 bekannt. Das Mimbacher Trio verwendet es traditionell als Schlusslied.

Die deutsche Vergangenheit ist der Gruppe wichtig. Das spürt man. Sie spielte "`s ist wieder März geworden", welches Freiherr August von Seckendorf im Frühjahr 1849 schrieb. Es ist befasst sich mit der ein Jahr zuvor gescheiterten Revolution. Da war "Mein Weg ist mein Weg" von Klaus Hoffmann ebenfalls richtig platziert. Bayrische Klänge ertönten, als man "Schutzengel" von Ludwig Hirsch auf dem Programm hatte. Der Titel, der auch von Reinhard Mey mehr als gerne gesungen wird, verliert wohl nie an Aktualität. Auch, wenn Hirsch bereits vor fünf Jahren verstarb. Bei den ganzen deutschen Sängern durften zwei nicht fehlen: Zum einen Stefan Suhlke bei dessen Lied, welches sich mit dem Treffen mit einem Russen beschäftigt, wurde auch mitgeklatscht. Und natürlich "Sage nein!" von Konstantin Wecker . Da merkte man schon, dass der Text Axel Weinland alleine wegen der aktuellen politischen Situation mehr als wichtig ist. Weinland erhielt dafür einen besonders starken Applaus. Bei der Zugabe, Leonhard Cohens "Hallelujah" steuerte Peter Baarß gar eine selbst komponierte deutsche Strophe bei.