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Bildungszentrum
Die unbekannte Welt der Guarani

In einem Dorf der Guarani-Indianern lebt, hier ein Archivfoto, Hiltrud Hartmann aus dem Saarland.
In einem Dorf der Guarani-Indianern lebt, hier ein Archivfoto, Hiltrud Hartmann aus dem Saarland. FOTO: Hildtrud Hartmann
Kirkel. Globetrotter-Reihe im Bildungszentrum Kirkel startet am 17. Januar mit der Saarländerin Hiltrud Hartmann.

Unter dem Titel „Die Welt zu Gast im Bildungszentrum“ fanden erstmals im Jahr 2015 über 10 Vorträge über fremde Länder und Kulturen statt. In diesem Jahr wird die Reihe mit dem Titel „Mit Globetrottern unterwegs“ fortgesetzt. Den Auftakt im neuen Jahr macht am Mittwoch, 17. Januar, 19 Uhr, die Saarländerin  Hiltrud Hartman, die sechs Jahre in Argentinien  lebte und arbeitete und wo sie im Nordosten  des Landes das Volk der Guaranis und ihre desolate Lebenssituation kennenlernte. Die Guaraní sind eine indianische Ethnie, die bereits in präkolumbischer Zeit als Ackerbauern im mittleren Südamerika siedelte und somit zu den indigenen Völkern Südamerikas zählt. Ihre Siedlungsgebiete gehören heute zu den Ländern Paraguay, Bolivien, Argentinien, Brasilien und Uruguay. Die weltweit engaierte Organisation „Survival International“ beschreibnt aktuell die Situation der Guarani so: „Die  Guarani leiden unter gewalttätigen Farmern. Für die Guarani ist Land der Ursprung allen Lebens. Doch Farmer haben ihr Gebiet verwüstet und nahezu all ihr Land genommen. Die Kinder der Guarani verhungern. Ihre Anführer werden ermordet. Hunderte haben bereits Selbstmord begangen.“



Hiltrud Hartmann berichtet in einer besonderen Weise an dem Abend in Kirkel über ihre Arbeit  an einem Entwicklungshilfeprojekt, das sie bereits im Jahr 1985 begann um den Guarani-Kindern und Jugendlichen eine Zukunftschance zu geben. Seit vielen Jahren hält sie, wenn sie wieder in der saarländischen Heimat ist, Vorträge - auch in Homburg und St. Ingbert. Die Lehrerin aus Saarbrücken sah die unermessliche Not dieser Menschen, denen man durch Raubbau den Wald, ihren Lebensraum und damit ihre Kultur genommen hat. Guaranies sind ursprünglich Jäger und Sammler. Sie besitzen kein eigenes Land, viele haben erst seit Kurzem Personaldokumente. Für ihre Kinder gab keine Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten, und auch noch heute nur vereinzelt. Medizinisch sind sie nicht versorgt, viele sind immer noch unter- oder mangelernährt. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse in den ärmlichen Bambushütten übersteigen unsere Vorstellungskraft. Selbst große Familien, mit mehr als 10 Kindern, wohnen und schlafen in einer Hütte auf der Erde. Ein Feuer brennt Tag und Nacht und erfüllt die Hütte mit Qualm. Guaranies ernähren sich hauptsächlich von Mais und Maniok, größere Anbauflächen gibt es nicht, denn ihnen gehört das Land nicht, auf dem sie nur geduldet sind. Ohne Wald gibt es auch keine Jagdtiere. Da sie hilflos und ohne Perspektive sind, keine Unterstützung zur Umorientierung vom Staat erhalten, sind sie vom Aussterben bedroht. In Argentinien interessiert das die wenigsten Einwohner.

 Der Entschluss, diesen Menschen  zu helfen, stand für Hiltrud Hartmann sofort fest. Zusammen mit ihrem Mann steckte sie sich das Ziel, die Armut durch Schul- und Berufsausbildung für Guarani-Kinder zu beseitigen. Sie begannen und sind immer noch dabei, in den verschiedensten Dörfern, die Hilfe wollen, Vorschulen, Schulen, sanitäre Anlagen, Wasserversorgung zu errichten und den Kinder 1 bis 2 Mahlzeiten pro Tag zu geben. Hiltrud Hartmann: „Mittlerweile wurden fast 1000 Kinder alphabetisiert, 12 Schulen, vier Kindergärten mit sanitären Einrichtungen und Vieles mehr gebaut. Hilfe zur Selbsthilfe ist die einzige nachhaltige Hilfe für Menschen in Not wie die Guaranis.“ Wie sich ihre Situation allmählich verbessert, zeigt Hiltrud Hartmann, die jährlich mehrere Wochen vor Ort ist, am kommenden Mittwoch.

Wegen der großen Nachfrage wird um Reservierung unter Tel. (0 68 49) 90 90 oder per E-Mail an: info.bzk.arbeitskammer.de gebeten. Der Eintritt ist wie immer frei, Freiwillige Spenden werden für die Guaranie Hilfe verwendet.

Immer mehr Guarani-Kinder gehen in die Schule. Durch Bildung soll ihr Alltag deutlich verbessert werden.
Immer mehr Guarani-Kinder gehen in die Schule. Durch Bildung soll ihr Alltag deutlich verbessert werden. FOTO: Hildtrud Hartmann
Den Lebensraum der Guarani-Kinder zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel für den Einsatz von Hiltrud Hartmann.
Den Lebensraum der Guarani-Kinder zu erhalten, ist ein wichtiges Ziel für den Einsatz von Hiltrud Hartmann. FOTO: Hildtrud Hartmann
(jkn)