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Lizenzgebühren Citta-Slow
FDP sieht hohe Kosten, keinen Nutzen

Die Schnecke, hier ein Holz-Exemplar im Blieskasteler Rathaus, ist das Symbol der „Citta Slow“-Bewegung.
Die Schnecke, hier ein Holz-Exemplar im Blieskasteler Rathaus, ist das Symbol der „Citta Slow“-Bewegung. FOTO: Joachim Schickert
Blieskastel. Stadt Blieskastel nennt die Citta Slow-Mitgliedschaft ein Alleinstellungsmerkmal. Liberale erkennen darin keinen Sinn.

Die Grenze nach Italien kann sich durchaus auch mal nach Norden verschieben. Will man mit einer leichten, sonnigen und entschleunigten Lebensart, guter Küche und wertigen Produkten werben, ist ein italienischer Begriff wahrlich nicht die schlechteste Lösung. Auch von Österreich hat so mancher auch schon „vom Norden Italiens“ gesprochen, um Reiselustigen zu vermitteln, dass „la dolce vita“ (das süße Leben) auch schon weiter nördlich zu genießen ist. Mit der Marke „Citta-Slow“ hat sich diese Möglichkeit auch Städten eröffnet, die mit Italien im Grunde nichts zu tun haben müssen.


Auch Blieskastel hat sich 2012 in diese Liste der Städte eingetragen. Mit dem Ziel, dass sich unter der Dachmarke Gastronomen und Gewerbetreibende aller teilnehmenden Städte austauschen und kreativ verwirklichen können. Ein Ansatz, der jedes noch so graue Wölkchen am azurblauen Himmel zu verdrängen scheint. Doch nichts ist umsonst und in jüngster Vergangenheit sind auch die Lizenzkosten für die Marke „Citta-Slow“ stark in die Kritik geraten, zumal die Stadt das etablierte Altstadtfest nicht mehr fördern wollte und stattdessen „Franz, das Straßenfestival“ ins Leben gerufen hat.

Stark schwankende Zahlen für die „Citta Slow“-Lizenzgebühren stehen seitdem im Raum. Ralf Armbrüster, Vorsitzender der FDP Blieskastel, ist diese Mitgliedschaft für die Stadt weniger Motor denn Geldfresser. Er sieht keinen Nutzen für die Gewerbetreibenden und Händler, am wenigsten für die Bürger – abgesehen vom italienisch klingenden Begriff. Und das in einer Stadt, „die kurz vor der Zwangsverwaltung steht“, wie er sagt. Die Kosten für die Lizenz stünden jedenfalls in keiner Relation zu den Vorteilen, meint Armbrüster.



Auf Anfrage teilt die Stadtverwaltung Blieskastel mit, dass die Lizenzgebühren jährlich 3500 Euro betragen, 1000 Euro für den nationalen Beitrag, 2500 Euro für den internationalen Beitrag. Armbrüster geht allerdings von mehr als 50 000 Euro aus. Man müsse, sagt er, die Mitgliedschaft als Ganzes sehen. Er gehe von einer zehnjährigen Mitgliedschaft aus. Allein dadurch liegt der Rechnungsbetrag schon bei 35 000 Euro. Darüber hinaus werde eine Aufnahmegebühr und eine Zertifizierung von jeweils 600 Euro fällig. Diese Zertifizierung müsse aber alle vier Jahre wiederholt werden, erklärt der FDP-Chef weitere 2100 Euro.

Die Stadt Blieskastel bestätigt die Kosten für die Lizenzierung und auch, dass sonstige Nebenkosten darin nicht enthalten sind. Und die schlüsselt Armbrüster wie folgt auf: Die mit der Zertifizierung und den Rezertifizierung verbundenen Personalkosten von (geschätzt) mindestens zwei Monatsgehältern (auf zehn Jahre verteilt) mit je etwa 4000 Euro, also 8000 Euro. „Günstig geschätzt“, sagt Armbrüster, der somit auf einen Betrag von 45 100 Euro „reine Ausgaben“ kommt. Hier seien allerdings noch nicht die notwendigen Anpassungen, wie etwa Briefpapier oder Werbematerial berücksichtigt. Ebenso wenig die Personalkosten für die Vorbereitung, die Reisekosten, Besprechungen oder Veröffentlichungen.

Das bedeutet für Armbrüster: „Ohne dass irgend etwas Produktives für die Stadt erreicht wurde, sind mindestens 50 000 Euro Kosten für die Lizenzierung entstanden.“ Er bezweifelt zudem weiter, dass die Marke „Citta Slow“ Mehreinnahmen in Form von Gewerbesteuer oder Gewerbeansiedlungen gebracht hätte, was ihn zu dem Schluss kommen lässt, dass die Mitgliedschaft wertlos für die Stadt und ihre Bürger wäre. Stattdessen plädiert er, sich auf seine Stärken zu konzentrieren – als Barockstadt in der Biosphäre Bliesgau, deren Lebensart zwar nicht italienisch klingt, aber deshalb nicht weniger reizvoll ist.

Für die Stadtverwaltung ist Citta Slow ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, Werbung für Blieskastel und damit verbunden auch eine Förderung für den Tourismus. „Citta Slow ist eine Dachmarke, die vor allen Dingen den Gewerbetreibenden und der Gastronomie die Möglichkeit eröffnet, für sich zu werben. Durch den Austausch mit anderen Citta-Slow-Städten eröffnet sich darüber hinaus die Möglichkeit, neue kreative Projekte anzustoßen, wie beispielsweise die essbare Biosphärenstadt“, sagt Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener. „Gemeinsam mit der barocken Biosphärenstadt und dem Faire-Trade-Label ist es ein stimmiges Gesamtkonzept, um Blieskastel als lebenswerte Stadt weiterzuentwickeln“, so die Verwaltungschefin.