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Denkmalpflege
Auf den Spuren barocker Geschichte

Das Anwesen in der Schlossbergstraße in Blieskastel wird unter die Lupe genommen.
Das Anwesen in der Schlossbergstraße in Blieskastel wird unter die Lupe genommen. FOTO: Dennis Langenstein
Blieskastel. Architektur-Studenten der Uni Kaiserslautern waren in Blieskastel unterwegs. Sie zeichneten Pläne eines Hauses, das bald wieder bewohnt sein soll. Von Dennis Langenstein

100 Studenten der Technischen Universität in Kaiserslautern kamen innerhalb der vergangenen Woche nach Blieskastel. Die Architekturstudenten haben in der Schlossbergstraße die Anwesen 10 und 10 A unter die Lupe genommen. Ihre Aufgabe: Die vorbereitenden Arbeiten für eine genaue Bestands- und Bauaufnahme. Die beiden Anwesen sind dabei ein besonderer Fall.


Zwei Häuser wurden hier einmal zu einem vereint. Der Kern der Gebäude stammt noch aus barocker Zeit, wie Markus Braun vom Landesdenkmalamt des Saarlandes erklärt, allerdings mit einigen Veränderungen und Anbauten in den folgenden Jahrhunderten, bis hin zu den 1960er und 1970er Jahren. Baupläne zu den alten Gebäude gibt es allerdings bisher nicht. Wann die einzelnen Umbauten stattfanden und wie damals gebaut wurde, gilt es nun zu ermitteln. Dafür durchmessen die Studenten das Gebäude und fertigen Pläne an, alles in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt. Und diese besteht bereits im zehnten Jahr. Zuvor wurden beispielsweise bereits Gebäude in St. Ingbert und Ottweiler untersucht. Und in Blieskastel ist man bereits zum zweiten Mal unterwegs.

Beim Betreten des Gebäudes kann es einem allerdings auch leicht mulmig werden. In vielen Bereichen stehen Stahlstützen, um die Decke zu halten. Die Wände haben sich im Laufe der Jahrhunderte in alle möglichen Richtungen verbogen. So manches Deckenteil ist herausgebrochen. Doch das Gebäude sei ausreichend gesichert, versichert Heribert Feldhaus, freiberuflicher Bauforscher. Das sei auch notwendig, immerhin laufen zurzeit etwa 40 bis 45 Studenten pro Tag durch das Haus. Und die verbogenen Wände sind für die jungen Erwachsenen das eigentlich Spannende.



„An der Uni zeichnen wir zwar auch jeden Tag, dann aber mit geraden Linien“, erklärt Antonia Wern. Hier sei es eben die Herausforderung, die verzogenen Wände genau in einen Bauplan im Maßstab 1:50 zu übertragen. Hinzu käme die Gruppenarbeit, da sie hier mit ihren beiden Kollegen Sandra Brand und Julian Lengert zusammen arbeitet. Zwei Räume werden den einzelnen Gruppen dabei jeweils zugeteilt. Etwa einen halben bis einen ganzen Tag Arbeit steckt dann in den Zeichnungen.

Zwar sei es mit neuer Lasertechnik wesentlich einfacher die Pläne zu erstellen, doch die Studenten zeichnen und messen absichtlich per Hand. „Sie sollen die Grundlagen kennenlernen und verstehen“, erklärt Feldhaus. Und auch in Kontakt mit den verschiedenen Bauweisen kommen, die in dem Haus vorzufinden sind. So verbirgt sich im Dachstuhl noch eine alte Giebelwand, vor der irgendwann ein Vorbau hochgezogen wurde.

Und anhand des Dachgebälks wollen die Forscher das Alter des Hauses bestimmen. „Es besteht aus Eiche, die damals nach dem Fällen meist direkt verarbeitet wurde. Mit einer dendrochronologischen Untersuchung können wir auf das Jahr genau das Fälldatum bestimmen“, sagt Feldhaus.

Die Ergebnisse der Untersuchungen und die Pläne werden dann auch dem neuen Hausherrn als kleines Dankeschön übermittelt. Schließlich hat er den Studierenden die Türen freiwillig geöffnet und auch das Haus entsprechend sichern lassen. Laut Feldhaus und Braun plant er das Gebäude wieder herzurichten. Im Erdgeschoss soll ein Geschäft einziehen.

Die oberen Stockwerke sollen wieder als Wohnraum genutzt werden. Den ersten Teil, um den Kurs zu bestehen, haben die Studenten der Technischen Universität bereits hinter sich – eine Klausur beim ehemaligen Leiter des saarländischen Landesdenkmalamtes, Josef Baulig. Der zweite Teil wird die Bauaufnahme in dem Blieskasteler Gebäude sein. Genauigkeit und Qualität der Zeichnungen wird dann benotet. Allerdings sagt Feldhaus: „Wir haben selten schlechte Noten.“

Julian Lengert, Antonia Wern und Sandra Brand (von links) arbeiten an ihren Zeichnungen.
Julian Lengert, Antonia Wern und Sandra Brand (von links) arbeiten an ihren Zeichnungen. FOTO: Dennis Langenstein

Im Speicher versteckt sich noch eine alte Giebelwand, vor der im Laufe der Jahre ein Anbau entstand. Foto: Dennis Langenstein
Im Speicher versteckt sich noch eine alte Giebelwand, vor der im Laufe der Jahre ein Anbau entstand. Foto: Dennis Langenstein FOTO: Dennis Langenstein