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Simon Pearce
Simon Pearce poltert durch den Mief des Kleinstadt-Milieus

Der Comedian Simon Pearce unterhielt seine Fans im Foyer der Bliesgaufestalle in Blieskastel.
Der Comedian Simon Pearce unterhielt seine Fans im Foyer der Bliesgaufestalle in Blieskastel. FOTO: Jörg Martin
Blieskastel. Von Jörg Martin

Man kann als schwarzer Comedian die moralische Keule rausholen, jammern und sich in der Opferrolle einnisten. Muss man aber nicht. Diesen Beweis trat am Samstagabend Simon Pearce im Foyer der Bliesgau-Festhalle an. Vor rund 100 Fans war der bayrische Shooting-Star der Comedyszene den Menschen durch die „Wohnzimmer“-Atmosphäre nahe. Pearce weiß, wovon er spricht. Kommt er doch aus dem schwarzen Bayern, welches gemeinhin nicht gerade als tolerant gilt. Das macht er unter anderen daran fest, dass der Schauspieler etwa bis zu vier Mal nachts auf dem Heimweg von früheren Jobs von der Staatsmacht angehalten wurde. Und als Vater einer Deutschen und eines Nigerianers kennt er die Besonderheiten zwischen den Kulturkreisen. Das Thema transportiert der 36-Jährige gerne. Und zwar ohne, dass es einen nervt.


Im Gegenteil: Ständig kommen immer wieder neue Aspekte ans Tageslicht. Und die treiben einem die Tränen in die Augen. Kaum ist man noch am Lachen über den letzten Gag, steht schon der nächste Schenkelklopfer an. Moment mal, wird sich der ein oder andere da sagen. Korrekt: Pearce ist vielen aus der Daily-Soap „Sturm der Liebe“ bekannt, wo er den von Abschiebung bedrohten Jamal Samura spielte. Das ist schon eine Weile her.

In „Kaschdel“ nahm er sich den ganzen Abend mit „Allein unter Schwarzen“ auf die Schippe. Viel zum Schreien komische Ironie paart Pearce mit übertrieben angewandter Political Correctness, der er den Spiegel vorhält. Rassismus, ja den thematisiert er auch. Allerdings, nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass es diesen auch aus der Richtung der Schwarzen gibt. Geprägt habe ihn sein Elternhaus. Sein verstorbener Vater, immer leise und auf die Vermeidung von Problemen bedacht, sei „Der Diplomat von Puchheim“ gewesen. Schnell ahmt er das Bayrische nach und man kann sich gut in den Mief des Kleinstadt-Milieus hineindenken.



Aber auch in das revoluzzerhafte Alt-Achtundsechsziger-Gehabe der Mutter. Die Schauspielerin Christiane Blumhoff fungierte als „Pressesprecherin der Rote Armee-Fraktion“, frotzelt der Sohn. „Der Neger ist ein Neger“, bekräftigte Simon Pearce, als er die Leidenschaft für Chicken Wings seiner Landsleute betonte. Seine Mutter habe heute noch immer welche in der Handtasche. Wie damals bei seiner Erstkommunion, als man deshalb aus der Kirche flog. Brüller und weiter zum nächsten Gag. „Ja mei, der Simon. Braungebräunt wie immer“, der Spruch sei ihm nicht fremd, wenn bayrische Polizisten, mit den Händen am Hosenbund nestelnd, ihn immer wieder „filzten“ und das „wir“ gebrauchten. Und den Rest besorgt das Publikum, das er immer wieder miteinbezieht. „Alschbach, die Straße ohne Wiederkehr“, wie ein Mann sagte, baut Pearce schnell mit ein und ist so nahe am Fan. Denn auch sein Wohnort München sei auch nur ein Dorf, wo nur zufällig eine U-Bahn durchfahre.