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Leserbrief
„Satire muss man wagen“

Zum Artikel „Bierbacher Kerbcher lassen‘s krachen“ red

Eigentlich kann man dem Urvater der Bierbacher Fastnacht, Eckard Geißel, nicht widersprechen. Eins kann ich als „Kaschtler Stallbock“ allerdings so nicht stehen lassen: So sagt de Eckes: „Wir lassen die Politik in unseren Sitzungen außen vor. Vielleicht ist das ja unser Erfolgsrezept.“ Wenn man sich aber zur traditionellen Fastnacht bekennt, muss man wissen, Fastnacht war und ist immer politisch. Erkennbar ist der politische Hintergrund der Fastnacht auch an vielen Symbolen, etwa den Garden, mit denen das Soldatentum persifliert wird. Auch der Prinz Karneval gilt als Persiflage auf den damals noch allgegenwärtigen Adel. Die Zahl Elf steht für den Slogan der französischen Revolution: Egalité, Liberté, Fraternité. Rund um die Revolution von 1848 begannen auch die Bürger, aus der Bütt heraus die Obrigkeit durch den Kakao zu ziehen. Wir Fastnachter sollten unser Publikum nicht unterschätzen. Der Erfolg der Fastnacht hängt nicht vom Thema, sondern von der Qualität ab. Das macht die Bierbacher und Blieskasteler Fastnacht aus. Nach Blieskastel kommen die Zuschauer oft gerade wegen der politischen Rede. Satire muss man wagen. Wenn nicht in der heutigen Zeit, wann dann?