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Sachsen wohnen seit 1999 an der Blies

Die neunjährige Emma Kampschulte zeigt stolz das Nerzpräparat. Daneben Bliesgau-Ranger Michael Keßler mit dem Biber, auf dessen Spuren die Teilnehmer der Wanderung waren. Foto: Wolfgang Degott
Die neunjährige Emma Kampschulte zeigt stolz das Nerzpräparat. Daneben Bliesgau-Ranger Michael Keßler mit dem Biber, auf dessen Spuren die Teilnehmer der Wanderung waren. Foto: Wolfgang Degott FOTO: Wolfgang Degott
Breitfurt. Im Jahr 1999 wurden drei Biber-Familien aus Sachsen-Anhalt an der Blies angesiedelt. Mit Erfolg, es gefällt den Neuansiedlern hier. Die Wanderungen auf den Spuren der Sympathieträger mit Kelle stoßen auf Interesse. Wolfgang Degott

Nichts an ihrer Anziehungskraft hat die Wanderung "Auf den Spuren der Biber an der Blies" des Bliesgau-Rangers Michael Keßler verloren. Vor der historischen Kulisse der Breitfurter Bliesmühle begrüßte er seine Gäste, machte sich mit ihnen auf den über zwei Kilometer langen Weg, davon 1,5 Kilometer am Bliesufer, um den Lebensraum von "Meister Bockert" zu erkunden. "Wir sind durch eine Ankündigung in der Zeitung aufmerksam geworden und haben dann gleich unsere Enkelkinder mitgebracht", meinte Helga Kampschulte, die mit Ehemann Rainer aus Zweibrücken in den Bliesgau gekommen war. Sie konnte sich noch erinnern, dass sie als Kind im Külztal im Hunsrück einen Biber gesehen hatte. Der Nager ist seit 1999 wieder im Bliesgau heimisch, nachdem drei Biberfamilien mit acht Tieren aus Sachsen-Anhalt zwischen Blieskastel und Breitfurt ausgesetzt worden waren. Bereits 1994 wurden die ersten fünf Elbe-Biber bei Illingen ausgesetzt und fühlten sich gleich wohl.

Immer neue Entwicklungen



Das Tier galt davor 150 Jahre in unseren Breiten ausgestorben. Michael Feldmann aus Limbach, der aus Amt Neuhaus im niedersächsischen Kreis Lüneburg stammt, seit 1972 im Saarland wohnt, war schon bei einigen Wanderungen dabei. Sein Interesse fußt darauf, das er aus der Gegend stammt, aus der die ersten Biberfamilien an die Saar umgesiedelt worden waren. Gemeinsam mit seiner Frau Evemarie freut er sich immer wieder auf die kurzweilige Exkursion, seien doch immer neue Entwicklungen festzustellen. Zeugnisse des Bibers, darunter auch Fußspuren, Biberwiesen mit ihren charakteristischen Stolperwurzeln, aber auch Biberrutschen und fein säuberlich mit Biberzähnen bearbeitete Baumstümpfe konnten die Teilnehmer bewundern.

Michael Kessler spulte sein Wissen ab, fesselte Alt und Jung, informierte und sorgte für Erstaunen. Biberwäsche, Biberziegel, viele Dinge seien mit dem Vegetarier mit den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen und dem Schwanz, der Kelle genannt wird, verbunden.

Der europäische Biber (Castor fiber), größtes heimisches Nagetier, werde bis zu 140 Zentimeter groß und bis zu 30 Kilogramm schwer. Der gelernte Forstwirtschaftsmeister, einer von vier Rangern der Naturwacht im Saarland, bot ein breites Informationsspektrum. So kündigte er auch an, dass nach der erfolgreichen Biberansiedlung momentan versucht werde, mit dem europäischen Nerz einen weiteren Vierbeiner zu etablieren. Derzeit laufe dazu ein Wiederansiedlungsprojekt im Saarland. Auch zeigte er ein Tier-Präparat, das er am Bliesufer neben dem schon bekannten Biber insbesondere den begeisterten Kindern zeigte. Sie hatten das possierliche Tier gleich in ihr Herz schlossen.

Neben Biber und Nerz ging der erfahrene Naturschützer und -kenner aus Bliesransbach auch auf weitere Bewohner des Bliesgaus ein. Er nannte den Habicht als "Vogel des Jahres", den Steinkauz, Rotmilan, Weiß-Storch und bezeichnete die Entdeckung eines Schwarzstorches, wenn auch nur als Beutesucher, als sensationell.

Plädoyer für Fischtreppen

In den Gewässern seien auch vermehrte Vorkommen von Hechtforellen oder Edelkrebsen festzustellen. Er reklamierte jedoch den Bau von Fischtreppen, damit die Wehre nicht mehr unüberwindbare Hindernisse für Wasserbewohner darstellten. Voll des Lobes war die Gersheimer Erzieherin Dorothee Jochum-Noll. "Wie in der Kita, wo Michael Keßler oft gemeinsam mit Peter Fischer-Stabel den Kleinen die Lebensweise der Tiere nahe bringt, ist eine solche Exkursion eine tolles Erlebnis".

naturwacht-saarland.de

Zum Thema:

Auf einen BlickAm Sonntag, 15. März, bietet die Naturwacht Saarland in Trägerschaft der Naturlandstiftung Saar von 14 bis 16.30 Uhr eine Führung auf den Spuren der Biber an der Blies an. Die Teilnahmegebühr beträgt drei Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Bliesmühle bei Breitfurt . Eine Anmeldung ist erforderlich. Infos und Anmeldung bei Michael Keßler: m.kessler@naturwacht-saarland.de oder Tel.: (0174) 950 35 23. red