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Handball-Saarlandpokal
Saarlandpokal-Finale bot Spannung pur

Saarlandpokal-Finale der Frauen: Hier ein Tor durch die Püttlingerin Lea Helle.
Saarlandpokal-Finale der Frauen: Hier ein Tor durch die Püttlingerin Lea Helle. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Im Endturnier in Saarbrücken siegten bei den Herren die HF Illtal. Der Saarlandligist TV Niederwürzbach scheiterte im Halbfinale knapp an der VTZ Saarpfalz. Bei den Frauen sicherte sich der HSV Püttlingen den Titel. Von Lucas Jost

Das war doch völlig irre! So ein Finale hätten sich selbst die besten Drehbuchautoren nicht einfallen lassen können. Das Oberliga-Duell am Ostermontag zwischen den Handballfreunden Illtal und der VTZ Saarpfalz im Endspiel um den Handball-Saarlandpokal übertraf alle Erwartungen und lieferte die spannendste Pokal-Entscheidung aller Zeiten. Wer die Pokal-Trophäe stemmen durfte, entschied sich erst im Siebenmeter Werfen.


Um 18.33 Uhr war es soweit. Marcel Becker sollte es richten. Der fünfte Strafwurf im Verlauf des Endspiels für den HVS-Spieler des Jahres. Drei von vier hatte er verwandelt. Kaum einen der insgesamt rund 1000 Zuschauer hielt es in der Joachim-Deckarm-Halle in Saarbrücken noch auf den Rängen. Becker tritt an die Linie heran. Noch einmal schnell die Hand am Trikot abgewischt, während sich VT-Torwart Rouven Latz fast vier Meter vor seinem Kasten so groß macht wie er kann. Dann der Anpfiff durch die Schiedsrichter. Becker holt aus – und prügelt den Ball links, halbhoch in die Maschen. Geschafft! Das unfassbare Finale hat endlich ein Ende. Und mit den Handballfreunden Illtal einen glücklichen und wild jubelnden Sieger.

Die entscheidende Aktion lieferte aber Alexander Dörr, der Torhüter des Turniers. Mit einer blitzschnellen Reaktion wehrte er den ersten Zweibrücker Strafwurf von Martin Mokris ab und legte damit endgültig die Grundlage für den Illtaler Sieg im dramatischsten Finale, das der Handball-Saarlandpokal je gesehen hat. Schon zum Ende der regulären Spielzeit hatte Illtal die Chance auf den Sieg. Doch der letzte Wurf von Marcel Becker klatschte mit der Schlusssirene an das Lattenkreuz. In der Verlängerung sahen die Zebras schon wie der sichere Sieger aus, warfen dann aber den Ball weg und die VT konnte ausgleichen. So lief es auf den Höhepunkt der Höhepunkte hinaus, bei dem Illtal am Ende hauchdünn die Nase vorn hatte. „Es gibt nur eins, was mir im Kopf vorgeht. Feiern, Feiern, Feiern, Feiern“, strahlte Dörr. „Es ist eine super Bestätigung, dass ich als Torhüter des Turniers ausgezeichnet wurde. Ein geiles Wochenende.“ Im Halbfinale setzte sich der spätere Sieger mit 20:16 gegen den SV 64 Zweibrücken durch. Die VTZ gewann mit 20:18 gegen den TV Niederwürzbach.

Für den einzigen Saarlandligisten bei den Männern war schon die Teilnahme am Endturnier ein voller Erfolg. „Wenn wir das Spiel gewonnen hätten, hätte uns im Finale vielleicht bisschen die Kraft gefehlt“, scherzte deren linker Rückraum Maximilian Bölke. „Aber es ist immer gut als Saarlandligist zum zweiten Mal infolge im Finale zu sein und einen RPS-Ligisten mit der HSG Völklingen rausgeworfen zu haben.“

Bei den Damen konnte sich der HSV Püttlingen dank eines knappen 22:21-Erfolgs über Liga-Konkurrent SV 64 Zweibrücken in die Geschichtsbücher eintragen. Mit Renata Szabo als Spielerin des Turniers, dem vierten Titel in Serie und gleichzeitig dem letzten unter Trainer Hans-Werner Müller. „Ich sehe das nicht als Abschiedsgeschenk. Ich bin so in der Mannschaft verwurzelt. Klar ist das der krönende Punkt. Aber es ist nicht so, dass ich mich geärgert hätte, wenn es nicht geklappt hätte. Wir haben eine super Saison gespielt, die Mannschaft hat sich immer wieder aufgerappelt nach schweren Verletzungen“, freute sich der Trainer, der sein Amt nach der Saison an Miodrag Jelicic abgeben wird.



Püttlingen warf Saarlandligist und Ausrichter HSG TVA/ATSV Saarbrücken mit 19:13 aus dem Turnier. „Wir sind alle sehr froh, als Ausrichter dabei gewesen zu sein. Ich glaube, wir haben uns echt gut geschlagen gegen einen RPS-Ligisten und vierfachen Turniersieger“, freute sich HSG-Torfrau Raphaela De Agazio. Grund zum Freuen hatten auch die Damen des TV Merchweiler. Die hätten im zweiten Halbfinale beinahe die kleine Sensation geschafft und scheiterten erst in der Verlängerung mit 17:22 an Zweibrücken. Immerhin: Torfrau Sandra Rubil sahnte die Ehrung als beste Torfrau ab. TVM-Übungsleiter Dominik Schwindling: „Das war eine geile Leistung der Mannschaft, die aufopferungsvoll gekämpft hat. Und für Betreuer Florian Josefus und mich ein super Abschluss, da wir beide nach der Saison aufhören werden.“