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Rundum-Sanierung für Mimbacher Orgel

 Optisch reizvoll: die Pfeifen der Mimbacher Orgel. Foto: Glade / Verein
Optisch reizvoll: die Pfeifen der Mimbacher Orgel. Foto: Glade / Verein FOTO: Glade / Verein
Mimbach. Für knapp 200 000 Euro wird die Mimbacher Walcker-Orgel denkmalgerecht saniert. Dass sich mehrere Stiftungen am Projekt beteiligen, liegt auch am Engagement der Gemeinde. Joachim Wollschläger

Sie klappert beim Spielen, das Gebläse rauscht, hier und da erklingt ein falscher Ton - mit der Orgel in der Christuskirche Mimbach liegt einiges im Argen. Ein Zustand, dem die Gemeinde seit Jahren mit reger musikalischer Aktivität trotzt. Geschickt beherrscht Organist Klaus Weinland den Mangel, zieht die Register, die noch am wenigsten anfällig sind, und bestreitet tapfer die Gottesdienste.

Doch auch schon seit gut zehn Jahren ist in der Gemeinde der Entschluss gereift, die Orgel technisch zu überholen. Ein großes Projekt: Eine Überholung, so die ersten Kostenvoranschläge , würde gut 50 000 bis 60 000 Euro verschlingen. 2010 wurde das Projekt dann konkret: Engagierte Gemeindeglieder gründeten einen Förderverein, der aus Konzerten und Veranstaltungen die benötigte Summe zusammentragen sollte.

Schneller als gedacht wird nun die Renovierung der historischen Walcker-Orgel in Mimbach Wirklichkeit. Und auch in deutlich größerem Umfang: Über 200 000 Euro hat die evangelische Kirchengemeinde zusammengetragen, mit denen sogar ein kompletter Rückbau in den Originalzustand finanziert wird. "Damit wird ein musikalisches Kleinod gerettet", sagt Gero Kaleschke, Orgelsachverständiger der pfälzischen Landeskirche.
80 Prozent alte Substanz


Denn die Mimbacher Orgel hat historischen Wert: "Die Mimbacher Orgel ist die erste Orgel , die die berühmte Orgelbaufirma Walcker im Saarland gebaut hat", sagt Kaleschke. 1860 war die romantische Orgel am Osterfest eingeweiht worden, hat hundert Jahre in diesem Zustand überdauert. 1965 allerdings wurde die Orgel nach damaliger Mode modernisiert. Der Klang sollte barocker werden. Mehrere Register wurden getauscht, die ursprüngliche Gebläseanlage entfernt, die Spielanlage verändert. "Die Orgel ist in den 60er Jahren in sehr fragwürdiger Weise verbockt worden", sagt Kaleschke.

Auch das Landesdenkmalamt bestätigt die Denkmalwürdigkeit der Orgel : "Nicht nur als älteste Walcker-Orgel im Saarland hat sie hohen Erhaltungswert, mit knapp 80 Prozent ist auch noch ein Großteil der ursprünglichen Substanz erhalten", sagt Denkmalschützer Reinhard Schneider.

Über 40 000 Euro haben Förderverein und Gemeinde zusammengetragen. Geld kam auch von der Interessensgemeinschaft Pro Organum. "Die Eigeninitiative war es, die letztlich mehrere Stiftungen dazu bewogen hat, das Projekt zu unterstützen", sagt Pfarrerin Ines Weiland-Weiser. In Folge beteiligte sich nicht nur die Deutsche Stiftung Denkmalschutz , die rund 48 000 Euro beisteuerte, es engagieren sich die Herzog-Wolfgang-Stiftung mit dem Löwenanteil von 80 000 Euro , die Stiftung Orgelklang, das Land, die Kirche und Firmenspender. Dass sich die Stiftung Denkmalschutz an dem Projekt beteiligt, die sonst vor allem Gebäude fördert, liege am besonderen historischen Wert der Orgel , sagt deren Sprecherin Ursula Schirmer. Außerdem gebe es Spender, die ausdrücklich Orgelsanierungen fördern wollten.

Über 180 000 Euro werde die Instandsetzung nun kosten - unerwartet auftretende Kosten noch nicht mitkalkuliert, sagt Pfarrerin Weiland-Weiser. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten beginnen, Ende des Jahres werde der Umbau dann abgeschlossen sein, sagt Kaleschke. Die Gemeinde werde sich dann wohl an einen neuen Klang gewöhnen müssen. Der werde etwas dunkler sein. Möglicherweise auch etwas leiser. Weil aber auch der Winddruck wieder dem Original angepasst werde, könne die Orgel dann trotzdem den großen Kirchenraum füllen, ist der Orgel-Fachmann überzeugt.

Wichtig sei, dass die Orgel anschließend auch intensiv kirchenmusikalisch genutzt werde. An Konzerten werde es keinen Mangel geben, sagt Pfarrerin Weiland-Weiser: Für die Zeit nach dem Umbau habe sie schon Anfragen von Organisten aus ganz Deutschland, die dann auf der renovierten Walcker-Orgel spielen wollen.