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Lautzkirchen
Reparieren statt einfach wegwerfen

 Steffen Glombitza (links) und das Repair-Organisationsteam um Klaus Girnus schauen im Pfarrsaal in Lautzkirchen Alice Schaller (79) bei Flickarbeiten an der Nähmaschine über die Schulter.
Steffen Glombitza (links) und das Repair-Organisationsteam um Klaus Girnus schauen im Pfarrsaal in Lautzkirchen Alice Schaller (79) bei Flickarbeiten an der Nähmaschine über die Schulter. FOTO: Hans Hurth
Lautzkirchen. Im Lautzkircher Pfarrheim gibt es einmal monatlich ein Repair-Café. Gesucht werden noch geschickte Hände für Reparaturbedürftiges. Von Hans Hurth

An diesem Mittwoch, 13. März, ist es wieder soweit: Seit letzten Sommer gibt es nämlich im Lautzkircher Pfarrheim einmal im Monat ein Repair-Café oder Reparatur-Café der Pfarrei Heilige Familie Blieskastel. „Die Idee kommt prima an, was wir noch dringend brauchen, sind weitere geschickte Hände für reparaturbedürftige Alltagsgegenstände“, erzählte unserer Zeitung Pastoralreferent Steffen Glombitza. „Die Idee an sich stammt aus Holland und verfolgt mehrere Ziele: Einmal will sie unserer Wegwerf- und Konsumgesellschaft entgegenwirken, dazu Ressourcen schonen und letztlich die Gemeinschaft in besonderer Umgebung fördern. Denn auch Kaffee und Kuchen sowie Gespräche gehören dazu“, sagt Steffen Glombitza, der auf die Vorgeschichte hinweist. „Mit Beginn der Flüchtlingswelle vor knapp vier Jahren fanden sich auch in Blieskastel viele ehrenamtliche Helfer, die sich um die Neubürger kümmerten und später über den Verein der Flüchtlingshilfe Geschirr, Möbel, Elektrogeräte und Kleider sammelten und sendeten. Mit dem Rückgang der Flüchtlinge reduzierte sich die Sammelaktion. Da dachte ich, weshalb nicht die vorhandenen Energien in andere Bahnen lenken. Ich nahm Kontakt zur Organisation ,Saarland repariert’ auf, trug Anregungen und Informationen zusammen und entwickelte die Idee des Reparierens auch in unserer Pfarrei“, blickt Steffen Glombitza zurück. „Es werden geringfügige Reparaturen durchgeführt an kleineren Elektrogeräten wie Föhn, Bügeleisen, Mixer, Radio oder Kaffeemaschine.“ Die Unterstützung bestehe aus Rat und Tat, Werkzeug, Messgeräte und Löten, also einer nicht professionellen Werkstattinfrastruktur. Mit Alice Schaller hat sich auch eine versierte Näherin bereiterklärt, Kleidungsstücke zu flicken. Die Freude, anderen zu helfen, ist der 79-Jährigen an der Nähmaschine anzusehen. Bei Besuch unserer Zeitung lagen Hemd, Dirndl und ein Rucksack als Arbeit vor ihr. „Alle Gegenstände werden bei uns am selben Tag repariert und können daher wieder mitgenommen werden“, stellt Steffen Glombitza heraus. Reparaturen sowie Kaffee und Kuchen, von ehrenamtlichen Helfern der Pfarrei vor- und zubereitet, sind kostenlos, jedoch werden Spenden für die Auslagen gerne angenommen. Die Wartezeit, so die Verantwortlichen, ergebe mit Kaffee, Kuchen, Gesprächen und dem Ausfüllen eines Laufzettels eine günstige Mischung aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten, die gleichermaßen bedient werden. Der Reparaturtreff helfe zudem weiter, ohne die Sachen gleich entsorgen zu müssen. „Es ist schön zu sehen, wie die Leute sich dazu noch freuen, weil ihre Geräte wieder funktionieren oder weil sie nach Überprüfung genau wissen und erfahren, dass ihr Gerät wirklich nicht mehr funktioniert und eine Neuanschaffung erforderlich ist“, so das Organisationsteam. Beim Abschied weise der Laufzettel aus, ob die Reparatur gelungen, vertagt oder nicht möglich ist.