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Walsheim
Ein Zwerg im großen Brauerei-Geschäft

Der Walsheimer Brauer und Mälzer Stefan Raffel stellt in seinem Haus seit Jahren eigenes Bier her und will seine Braustätte vergrößern.
Der Walsheimer Brauer und Mälzer Stefan Raffel stellt in seinem Haus seit Jahren eigenes Bier her und will seine Braustätte vergrößern. FOTO: Wolfgang Degott
Walsheim. Stefan Raffel ist Brauer und Mälzer mit Leib und Seele. In Walsheim betreibt er eine kleine Biermanufaktur, das Walsheimer Sudhaus. Von Wolfgang Degott

Vor 170 Jahren entstand im Bliesgau eine Braustätte, die in ihrer Hochzeit, Anfang der 1930er Jahre, einen Ausstoß von rund 300 000 Hektoliter zu verzeichnen hatte – die Walsheim Brauerei. Ausgeschenkt wurde der Gerstensaft auch in Amerika, Südamerika, in Madagaskar, Paris und in den französischen Kolonien. In der Tradition des ehemaligen „Weltunternehmens“ sieht sich der 59-jährige Brauer und Mälzer Stefan Raffel, der vor sieben Jahren gemeinsam mit Vater Otto seine Familienbrauerei „Walsheimer Sudhaus“ aus der Taufe hob. „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass in Walsheim wieder Bier gebraut wird“, so Raffel, der seinen Hauptberuf bei der Karlsberg Brauerei in Homburg ausführt.


Schon 2006 hat er begonnen Bier zu brauen. „Zuerst aus Jux und Dollerei für Freunde hat es anschließend eine Eigendynamik entwickelt, so dass der Gedanke es intensiver zu betreiben immer weiter reifte.“ Erstes Produkt, des heute vier Sorten umfassenden Sortiments, war das würzig gehopfte „GlüX-Pils“. Die Eigenmarke bietet er in bauchigen Zwei-Liter-Leihflaschen, geliefert von einem Glas-Fachlieferanten aus Baden-Baden, aber auch anfangs für Partys von Freunden in 30-Liter-Fässern an. 2011 kam das dunkle Doppelbock-Weizenbier „WalsheimAtor“, das wie das Walsheimer Weisse nur saisonal angeboten wird, und zuletzt noch das Festbier dazu, das insbesondere beim kürzlich stattgefundenen Walsheimer Dorffest einen regen Zuspruch erhielt. Markenzeichen des Walsheimer Biersortenquartetts ist sein besonders intensiver Geschmack, der von einigen als sehr herb empfunden wird. Das liege daran, weiß der Hersteller zu berichten, dass im Sudhaus ausschließlich Hallertauer Aromahopfen zum Einsatz kommt. Momentan sieht sich Raffel mit seinem „Brauereizwerg“ gegenüber den etablierten Brauereien wie Karlsberg im Umbruch. Der Keller seines Wohnhauses, das auf dem Gelände der ehemaligen, 1982 abgerissenen und in der Nachbarschaft des letzten Relikts, dem historischen Brauereikeller, gebaut wurde, wird vergrößert. Waren es bisher zwei Räume, so sollen noch rund 45 Quadratmeter dazu kommen.

Die künftige Brauanlage wird dann über ein Ausschlagvolumen von 150 statt der bisher 60 Liter verfügen. In der Kühlzelle werden sich drei Lagertanks – einer für jede Brausorte – mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern befinden. Integriert werden Fässer, in denen das Bier vier bis fünf Tage gären kann, eine Kühlzelle und ein Lagertank mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern. Für seine Biere, die getreu dem deutschen Reinheitsgebot, der ältesten Lebensmittelvorschrift der Welt, hergestellt werden, verwendet Raffel mit dem Pilsner Malz, dem Münchner Malz, Karamalz, Red-X und Weizenmalz fünf Malze, mit denen er den Bedarf variieren und sich auf die Wünsche seiner Kunden einstellen kann. Derzeit liegen seine „Absatzmärkte“ ausschließlich bei umliegenden Volksfesten wie das heimische Dorffest, das Biosphärenfest, kulinarische Wanderungen und Weihnachtsmärkten. Er wünscht sich zwei bis drei markenunabhängige Gastronomen, die sein Bier dann an ihren Theken verzapfen können.



Gemeinsam mit seinen Kindern Nathalie und Florian, die nach dem Tod von Otto Raffel im Jahre 2014 in das Unternehmen eingestiegen sind, soll der Vertrieb intensiviert werden. Dabei soll das „Gesicht“ seiner Biere helfen. Sowohl das Etikett auf den Flaschen und Fässern als auch die dazu gehörenden Bierdeckel des mittlerweile als „Biermanufaktur Raffel“ firmierenden Familienunternehmens wurden vom benachbarten, ebenfalls auf Brauereifundamenten entstandenen „Ideenzentrum Schütz“ entworfen. Ziel ist es, einen Jahresausstoß von etwa 100 Hektolitern zu erreichen, womit die neue Brauanlage ausgelastet und wirtschaftlich rentabel geführt werden könne.

Er kann dabei auf eine große Erfahrung aufbauen, hat er schon als 14-Jähriger in der damaligen Becker-Brauerei seine Ausbildung begonnen. „Wir wollen uns vom üblichen ein bisschen abheben und kein Bier von der Stange brauen“, lautet das Credo von Stefan Raffel. Übrigens ist auch sein Bruder Michael im gleichen Beruf, beide bei der Marke „mit dem Stern“ in Homburg.