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Privatdiplomatie im Bliesgau

Die Blieskasteler Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener, Generalkonsul James W. Herman und Saar-Finanzminster Stephan Toscani (vordere Reihe, von links) führten das Feld an. Foto: Oliver Dietze
Die Blieskasteler Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener, Generalkonsul James W. Herman und Saar-Finanzminster Stephan Toscani (vordere Reihe, von links) führten das Feld an. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Blieskastel. James Herman leitet in Frankfurt das weltweit größte US-Generalkonsulat. Bei einem dreitägigen Besuch will er das Saarland besser kennen lernen. Am Freitag schwang er sich daher aufs Fahrrad. Um Politik ging es auch. Daniel Kirch

Dieser Mann hat die Welt gesehen. James W. Herman war Diplomat in Indien, El Salvador, Guatemala, Japan, Italien und China, er beobachtete im Lagezentrum des US-Außenministeriums die Krisen der Welt. Seit August 2015 leitet der 56-jährige gebürtige Texaner das weltweit größte US-Generalkonsulat in Frankfurt.


Von der Weltpolitik in den Bliesgau ist es gedanklich eine Weltreise, aber mit dem Auto ein Kurztrip. Am Freitagvormittag steht Herman in schwarzem Nadelstreifenanzug und braunen Wanderschuhen deshalb im "Haus des Bürgers" der Stadt Blieskastel . Siegfried Heß, Natur- und Landschaftsführer und ehrenamtlicher Botschafter der Biosphäre, erklärt Herman das Unesco-Biosphärenreservat. Er sagt: "Ich bin Botschafter , das ist ein bisschen höher als Konsul." Herman bricht in Gelächter aus. Er ist ein leutseliger Typ, der anderen gerne auf die Schulter schlägt und gute Laune verbreitet.

Herman und seine Frau Etsuko erfahren, dass es im Norden des Bliesgaus Buchenwälder auf Buntsandstein gibt, der Süden auf fruchtbarem Muschelkalk liegt und entlang der Blies Biber leben. "Die werdet ihr aber nicht sehen, die verstecken sich vor euch", sagt der Botschafter zum Generalkonsul. Wieder Gelächter. Für die Delegation, zu der ein halbes Dutzend Personenschützer des hessischen LKA gehören, sind Köstlichkeiten aus der Biosphäre aufgetischt. Wer Hermans Figur sieht, glaubt ihm aufs Wort, dass er das Essen im Saarland "great", großartig, findet.



Anschließend legt Herman seinen Anzug ab, er trägt jetzt einen sportlichen Rad-Dress. Denn zum Radfahren ist er eigentlich ins Saarland gekommen. Bei seinem Antrittsbesuch im November hatte er das so mit Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Finanzminister Stephan Toscani (beide CDU ) abgemacht, mit ihr geht er am Samstag auch noch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald wandern. Am Sonntag steigt er an der Saarschleife wieder aufs Fahrrad. Er will damit auch zeigen, sagt er, wie wichtig der US-Regierung der Klima- und Umweltschutz ist, wie man die Natur "mit Respekt" behandelt.

Die Radtour mit Toscani geht von Blieskastel zum Kulturpark Bliesbruck-Reinheim und zurück. Dabei sind auch elf Stipendiaten der Studienstiftung Saar, arrangiert vom Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) und seinem umtriebigen Chef Bruno von Lutz. Er ist stets im Spiel, wenn der Generalkonsul ins Saarland kommt. Dieser Besuch ist schon Hermans dritter im laufenden Jahr, eine Mischung aus Urlaub und Privatdiplomatie. Herman sagt, sein Job erlaube ihm, seine Lieblingstätigkeiten wie Radfahren mit der Arbeit zu verbinden. Er wolle das Saarland besser kennenlernen.

Im Räderwerk der US-Diplomatie ist Herman eine große Nummer. Im Generalkonsulat in Frankfurt, das für Südwest-Deutschland zuständig ist, arbeiten mehr als 1000 Menschen, es beherbergt Außenstellen von 30 US-Behörden - vom Transportministerium bis zum FBI und Secret Service. Als logistisches Drehkreuz ist das Generalkonsulat für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig.

Der Tag begann für Herman mit einem Empfang im Blieskasteler Rathaus. Bürgermeisterin Annelie Fabener-Wegener (CDU ) sagt: "Wir alle fühlen uns geehrt." Ins Goldene Buch der Stadt schreibt er, es sei großartig, in einer solch schönen Stadt zu sein. In einer kurzen Rede lobt er den Umgang des Saarlandes mit den Flüchtlingen. In der Landesaufnahmestelle in Lebach war er auch schon.

Anschließend führt Dagmar Schuler verkleidet als Gräfin Marianne von der Leyen, die von 1795 bis 1793 Blieskastel regierte, die Delegation durch die Barockstadt. Toscani witzelt, schon damals habe eine Frau regiert - woraufhin Herman meint, das könne in Zukunft in den USA ja vielleicht genauso so sein. Das ist auch schon das Äußerste, was sich Herman zur aktuellen Politik entlocken lässt. Bei der Radtour mit Toscani geht es zwar auch um die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl und das Duell Hillary Clinton vs. Donald Trump . Öffentlich sagt Herman aber nur: "Ich bin hundertprozentig sicher: Das amerikanische Volk wird die richtige Entscheidung treffen." Dann muss er wieder laut lachen. Sehr diplomatisch.