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Blieskastel
Tanz, Musik und Gesang aus der Barockzeit

Christiane Mandernach, Tanzpädagogin für historischen Tanz, vor dem Schulorchester des Blieskasteler Von der Leyen-Gymnasiums.
Christiane Mandernach, Tanzpädagogin für historischen Tanz, vor dem Schulorchester des Blieskasteler Von der Leyen-Gymnasiums. FOTO: Susanne Gastauer
Blieskastel. In der Blieskasteler Orangerie konnten Besucher jetzt ein Stück barockes Leben und Handwerkskunst erfahren. Von red

Die Idee, in Blieskastel, der ehemaligen Residenzstadt der Grafen von der Leyen, ein Fest im barocken Stil zu veranstalten, fand bei der Bevölkerung großen Zuspruch (wir berichteten). Bei strahlendem Sonnenschein flanierten zahlreiche Festbesucher im Lustgarten der Orangerie zwischen verschiedenen Ständen umher und konnten dabei einem Töpfer, einem Steinmetz, einem Porträtierer oder einer Klöpplerin bei der Arbeit zusehen. Während draußen das Handwerk seinen Platz hatte, ging es in der Orangerie sehr festlich zu. Das Von der Leyen-Gymnasium, welches in der direkten Nachbarschaft zur Orangerie teilweise in den noch bestehenden Verwaltungsgebäuden des ehemaligen Bockschlosses eingerichtet ist, hatte die Besucher zu einem kleinen „Hofkonzert“ geladen. Schüler und Lehrer des Gymnasiums boten dem Publikum ein einstündiges, abwechslungsreiches Programm aus Vokal- und Instrumentalmusik und gaben damit einen guten Einblick in die musikalischen Unterhaltungsprogramme der Barockzeit. Das seit rund einem Jahr bestehende Schulorchester (Leitung: Christoph Kohl) eröffnete das kleine Konzert mit Sätzen aus der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Streicher und Bläser, gespielt von Schülern, Eltern und Lehrern, verliehen der „Bourrée“ und den Menuetten einen strahlenden Klang. Als Christiane Mandernach anmutig im „pas de bourrée“ oder im „pas de menuet“ über die Tanzfläche schwebte, verstand jeder, dass Händels Musik vom Ursprung her Tanzmusik ist.


Als Höhepunkt ihrer Darbietung zog die Tanzpädagogin für historischen Tanz Sabine Grittner aus dem Orchester auf die Tanzfläche, um mit dieser in der Rolle des männlichen Partners gemeinsam das Schlussmenuett zu tanzen. Der Von der Leyen-Chor (Leitung: Christoph Nicklaus), bestehend aus Lehrern, Eltern und Freunden des Gymnasiums, präsentierte Madrigale des Frühbarock. Aus dem Text des Madrigals „Wir lieben sehr im Herzen“ von Daniel Friderici konnte das Publikum entnehmen, dass „Wein, Weib und Gesang“ ein wichtiger Bestandteil barocker Vergnügungen war. Die Streicher des Schulorchesters begleiteten den Chor. Zur Unterhaltung der Hofgesellschaft in den Barockresidenzen hatten die Komponisten dieser Zeit eigens Kammerduette komponiert, die mitunter auch von den adeligen Hofdamen selbst gesungen wurden.

Susanne Gastauer und Barbara Buhr (Klavierbegleitung: Christoph Kohl) schlüpften in die Rolle dieser Hofdamen und interpretierten zunächst drei Duette für zwei Soprane aus Henry Purcells Opern. Mit einem Konzert für vier Violinen von Georg Philipp Telemann stimmten Sebastian Kohl, Josef Leidinger, Marta Hemkemeier und Monika Schmidt die Zuhörer auf virtuose Instrumentalmusik ein. Diese Virtuosität zeigten die beiden Sopranistinnen auch in den darauffolgenden Kammerduetten von Claudio Monteverdi. Bei „Chioma d’oro“ (Goldenes Haar) wechselten sich die Violinen immer wieder durch ein Ritornell mit den Sängerinnen ab und ließen so dieses letzte Duett zu einem klangvollen Abschluss der kleinen „Hofmusik“ werden. Das Publikum war begeistert und bedankte sich bei allen Musikern des Von der Leyen-Gymnasiums mit großem Applaus.