| 20:17 Uhr

Stand-up-Comedy
„Menschen sind ja auch nur Leute“

Patrick Salmen bei seinem Auftritt in der Bliesgau-Festhalle.
Patrick Salmen bei seinem Auftritt in der Bliesgau-Festhalle. FOTO: Jörg Martin
Homburg/Blieskastel. Slampoet Patrick Salmen trieb seinen Gästen in der Bliesgau-Festhalle die Lachtränen in die Augen. Von Jörg Martin

Als Patrick Salmen am Samstagabend das Publikum in der Bliesgau-Festhalle im benachbarten Blieskastel mit „Es wird toll werden. Die Sonne scheint mir aus dem Hintern“ begrüßte, ahnte man nicht, dass das keinesfalls übertrieben war. Man hätte es auch für pure Arroganz des Deutschen Meisters Poetry Slam 2010 halten können. Doch dann hätte man vollkommen danebengelegen. „Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute“, so lautet der Name des aktuellen Programms.


Der Mann hat richtig Spaß an dem, was er tut. Da merkt man schon, wenn er mit „Yeah“ ins Programm startet. Freude, die sich schnell auf das Publikum überträgt. Das spricht er gezielt an. „Du bist schnell zu begeistern“, rief er einer Frau zu, die sich vor Lachen nicht mehr einkriegte. Apropos: Tränen hat man bei ihm fast immer in den Augen. Ein Gag jagt meist den nächsten.

Man merkt eigentlich gar nicht, dass der Slampoet vorliest. Man ist schnell in seinen Kurzgeschichten, Anekdoten und kleinen Dialogen drin. Das gelingt dem 32-jährigen ehemaligen Lehramtsstudenten, indem er viel Witz, Doppeldeutigkeiten und Eigenironie benutzt. Die reichert er denn dann mit Wortspiele und einer Wahnsinnskomik an. Fertig ist das Satzgericht. Das Leben kann dadurch viel lustiger sein. Beispiel: Bauen Sie doch einfach mal Filmzitate in ihren Alltag ein. Das hat er an seinem Wohnort schon ausprobiert. „Folgen Sie diesem Wagen“, rief er beim Einstieg ins Taxi dem Fahrer zu. „Echt jetzt?“, gab der sich ganz unglaubwürdig. Salmen bricht mit Tabus. Weg mit dem Helikoptersyndrom bei Kindern. Die zwischen vier und sieben ließen sich am besten verarschen, denn Sie haben den besten Humor. Doch man muss sich auch rechtfertigen.

„Ist selbständig das Gleiche wie faul?“, habe ihn sein Patenkind neulich gefragt. Und dann plaudert der Mann, dessen Stimme manchmal an die des Mannes erinnert, mit dem er schon einiges gemeinsam machte – nämlich Torsten Sträter – aus dem Nähkästchen. Etwa, wie er es schaffte, einen Wiener Hotelrezeptionisten beim Weckruf zum telefonischen Schnurren zu bringen. Und er kann sich freuen. „Alter Schwede. Das läuft doch hier“, dokumentiert dies. Wie auf dem Spielplatz, wo er im Akademikerviertel die überbehütenden Eltern auf die Schippe nimmt. Döner statt Dinkelkekse. „Rufen Sie doch mal ‚Noah, komm‘ wir müssen los‘, da kommen alle Kinder“, sei auch eine Variante, um Spaß zu haben. Eigen-
ironie, die manchmal gesteigert wird kann er auch: „Hallo, ich bin der Justin Bieber der Literatur“, war ein Ausspruch.

Und dann fordert er sein Publikum auf, Mut zu beweisen, in dem es zu ihm auf die Bühne darf. Die Analog-Version von Tinder. Auf der Verkuppelungs-Couch wollte kein Single Platz nehmen, um öffentlich auf Partnersuche zu gehen. Dafür nahm Max aus Niederwürzbach im Intellektuellen-Ohrensessel links von Salmen Platz. Weil sein Weizen alle sei, erklärte er. Der Rolle des Pseudo-Intellektuellen kam er gut nach. „Hört, hört“ war nur ein Ausspruch, den er einstreute.