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Lichtfülle des Südens eingefangen

Biesingen. Wenn am Sonntag die neue Ausstellung in der Biesinger Galerie am langen Tal eröffnet, wird der Besucher auf eine Reise durch viele Länder der Welt geschickt. Denn dort zeigt die in Spiesen-Elversberg lebende Elisabeth Bosslet ihre "Reise-Impressionen": Aquarelle, die Ansichten aus Deutschland, aus der Toskana, aus Bulgarien, Tunesien, Hawai und aus den USA zeigen Von SZ-Mitarbeiterin Brigitte Quack

Biesingen. Wenn am Sonntag die neue Ausstellung in der Biesinger Galerie am langen Tal eröffnet, wird der Besucher auf eine Reise durch viele Länder der Welt geschickt. Denn dort zeigt die in Spiesen-Elversberg lebende Elisabeth Bosslet ihre "Reise-Impressionen": Aquarelle, die Ansichten aus Deutschland, aus der Toskana, aus Bulgarien, Tunesien, Hawai und aus den USA zeigen. Und alle kommen sie einher im typisch facettierten Stil der 1931 geborenen Frau, die von sich selber sagt, dass "sie den Bauhaus-Stil nie los wird". Besonders geprägt haben sie die Jahre 1946 bis 1951, als sie an dieser berühmten Dessauer Kunst- und Designschule eine Ausbildung in Schrift-, Decken- und Wandgestaltung absolvierte. Ihre Liebe zu geometrischen Formen war geweckt und sie begann, ihre Bilder in Einzelflächen zu zerlegen und diese wiederum in ein Netz fein geschwungener Linien einzubetten. Dieser Art der Gestaltung ist sie bis heute treu geblieben, denn noch immer überziehen feine bis feinste Linien ihre Aquarelle und zerlegen die Bildwelt in einzelne Segmente. Der Wiedererkennungswert ihrer Malerei ist hoch, wie sich besonders deutlich zeigt an den 43 ausgestellten Aquarellen. Es mag ein Hinweis auf ihre Vielseitigkeit sein, dass hier auch fünf Acrylgemälde und eines in Öl zu sehen sind, die als Strand- und Himmelsbilder aus einem Guss gemalt sind. Doch der Großteil der Arbeiten sind nun mal diese herrlichen Aquarelle mit ihren geraden oder geschwungenen Linienformationen; sie umfassen die Konturen, führen Linien wellen- oder prismenartig fort, fächern Formen und Flächen aus- und übereinander. Vielfach sind sie aus dem Weiß des Papieres gewonnen und zerteilen diese farbreichen Blätter, unter denen auch Szenen aus Tunesien zu sehen sind. Sie sind entstanden in Erinnerung an mehrere Reisen auf den Spuren von August Macke und Paul Klee. Doch während Paul Klees Weg ihn weiter zu traumhaft-assoziativen Werken und zu stärkerer Abstraktion führte, ist die Dingwelt in Elisabeth Bosslets Bildern meist klar erkennbar. Die vollkommene Abstraktion trifft man bei ihr eher selten an, es sei denn, die Vorgabe wie etwa der Wüstensand bringt diese per se mit sich und der Pinsel folgt den Farben und den Formen von Sandformationen oder ähnlichem. In all diesen Blättern ist es ihr gelungen, die bunte Farbenvielfalt Afrikas und seine Lichtfülle einzufangen. Dabei bleibt die Hand der Grafikerin stets erkennbar. Elisabeth Bosslet versteht es, mit den Farbwerten zu spielen, indem sie feinste Farbnuancen herausarbeitet und jede einzelne Fläche zwischen den unzähligen Linienkreuzungen eigens gestaltet. Gerade beim Aquarell ist das eine sehr diffizile Angelegenheit, weil die Farbe weder zu flüssig noch zu trocken sein darf. Hier heißt es, auf der Hut zu sein, damit die zarten Farbunterschiede nicht zerfließen und die weißen Linien verfärben. Das gilt auch für die Werke, in denen sich geometrisch gesplitterte Formen um in Kreisformen eingepasste naturalistische Darstellungen legen. Ausschnitthaft geben diese etwa Details aus der architektonischen Landschaft in Dessau und Rosslau zu erkennen. Hier wie dort offenbart sich eine ganz individuelle Handschrift, die im Laufe vieler Jahre bis zur Perfektion verfeinert wurde und zu ebenso überraschenden wie überzeugenden Ergebnissen führte. Elisabeth Bosslet - Reise-Impressionen. Malerei. Bis zum 5. Juli. Galerie am langen Tal, Blieskastel-Biesingen, Pfarrer-Haas-Str. 3 (am Sportplatz), freitags bis sonntags 15 bis 19 Uhr. Eröffnung ist an diesem Sonntag um elf Uhr.