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Kunstwiese
Kastanienwanderer entdecken die Kunst

Die Installation „Trumpelpfad“ des Blieskasteler Künstlers Karl Heinz Hillen sollte bei der Kunstwiese in Niederwürzbach bewusst provozieren.
Die Installation „Trumpelpfad“ des Blieskasteler Künstlers Karl Heinz Hillen sollte bei der Kunstwiese in Niederwürzbach bewusst provozieren. FOTO: Jörg Martin
Niederwürzbach. Die sechste Auflage der Kunstwiese im Annahof in Niederwürzbach war bestens besucht. Für Kunstfreunde gab es dann auch allerhand zu sehen. Von Jörg Martin

„Das ist heute ein Traum“, fasste Sabine Groll die Stimmung am Sonntagnachmittag zusammen. Damit meinte die Künstlerin, die zusammen mit Silke Manderscheid die 6. Kunstwiese im Spiegelsaal des Annahofs organisiert hatte, den großen Zulauf, den die Veranstaltung erfuhr. Überall wohin man sah, waren Leute. Der Grund lag in der gleichzeitig stattgefundenen kulinarischen Kastanienwanderung, die der Ausstellung jede Menge Besucher bescherte. Das sei erst Zufall und dann mit eingeplant gewesen, meint Groll mit einem Grinsen gegenüber der SZ.


Viele der Wanderer seien sehr angetan von der Kunst gewesen. Und das war auch die Absicht der acht Aussteller. Schließlich will man raus aus den Galerien und hin zu den Menschen, versicherte auch Silke Manderscheid. „Wir haben darauf geachtet, dass die Künstler unterschiedlich sind“, betont sie. Auch das, was die Kollegen zeigten, sollte unterschiedlich und völlig ohne Doppelungen sein. Von einer „optimalen Streuung“ sprach die Niederwürzbacherin, die sich die Inspirationen für ihre Werke regelmäßig in der Bergwelt holt. Alle Teilnehmer kamen zudem aus dem Bliesgau und aus St. Ingbert.

Die Qualität habe sich im Laufe der Zeit sehr verbessert, blickt Sabine Groll zurück. „Wir haben herausgefunden, was wir gerne präsentieren möchten“, fasst es die Frau, die sich der Arcrylmalerei in Mischtechnik verschrieben hat, zusammen. Mit dazu beigetragen hat auch, dass sich die Künstler weiterentwickelt und auch perfektioniert haben. „Hier kann man Künstler hautnah erleben. Es gibt keine Hemmschwelle“, umschrieb Groll das Konzept der Ausstellung. Und dann waren da noch die Installationen mit Seltenheitscharakter. Was eine Satire an Wirkung erzielen kann, musste Karl Heinz Hillen feststellen. Der Blieskasteler hatte vor dem Gebäude mit dem Spiegelsaal eine Installation auf dem Rasen eingerichtet, den Trumpelpfad. Eine Satire, die sich kritisch mit dem Gebaren des US-Präsidenten auseinandersetzt.



Über mehrere Meter lagen etliche kleine US-Flaggen zu einer Gesamtflagge aneinandergereiht nebeneinander auf der Wiese. „Ja, es ist eine Wortspielerei, richtig. Doch Trump tritt alles mit den Füßen und deshalb ist die Installation hier auch eine Art Laufpfad“, so Hillen. Ein US-Bürger habe sich kolossal über das Werk aufgeregt, berichtet der Künstler. Es sei offenbar tabu, dass eine Flagge auf dem Boden liegt. Dabei sei sein Werk ja auch eine Kritik an Deutschland. „Die Leute verstehen das“, hofft der Blieskasteler. Die Kunst sei frei, so Hillen. „Wer soll’s denn sonst machen? Die Intelligenz hat sich ja zurückgezogen“, ist Hillens Bilanz am Zeitgeist und der politischen Lage. Damit konnten Hans-Werner und Gudrun Bamberger auf Anhieb nichts anfangen. Das Paar aus Zweibrücken war erstmals bei der Wanderung dabei und stöberte bei einer Pause im Spiegelsaal nach einem schönen Bild. „Wir können uns nicht entscheiden“, sagt der Pfälzer. Vielleicht besucht man einen der Künstler nochmals.