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Kapellenfest
Kapellenfest wurde zum Fest der Begegnung

Rund 300 Gottesdienstbesucher waren beim diesjährigen Kapellenfest in Ormersviller dabei.
Rund 300 Gottesdienstbesucher waren beim diesjährigen Kapellenfest in Ormersviller dabei. FOTO: Wolfgang Degott
Ormersviller. Knapp 300 Besucher zählte der Gottesdienst mit anschließender Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt an der Kapelle oberhalb des französischen Grenzdorfes Ormersviller. Musikalisch wurde die in deutscher, französischer und lateinischer Sprache gehaltene Eucharistiefeier vom katholischen Kirchenchor Chorale Saint Pierre unter der Leitung von Jean-Marie Langbour begleitet.

Pfarrer Stéphane Pontello, aus Volmunster, der auch die Pfarrei von Ormersviller betreut, wurde konzelebriert von Diakon Bernard Dillschneider und Père Forfose aus dem Senegal, der die Festpredigt hielt. Mehrere Monate hält er sich in Obergailbach auf. Die Gemeinde hat dem Priester, der vor einem Jahr geweiht wurde, das Studium bezahlt. Die Begegnungsfeier fand vor 38 Jahren erstmals statt, wusste der heute 71-jährige Grundschullehrer Jean-Claude Houver zu berichten. Lediglich sechs Kisten Bier, zwei Kisten Limo, 140 Baguettes und 150 Schinkenscheiben wurden damals eingekauft. In den Jahren danach erfreute sich das Fest immer größerer Beliebtheit.


Es wird von Helfern des Vereins „Freunde der Josefskapelle“ mit ihrem Vorsitzenden Jean-Joseph Sprunck betreut. Alljährlich treffen sich Menschen, Deutsche und Franzosen, Lothringer und Saarländer, um an der weithin sichtbaren Kapelle gemeinsam Liturgie zu feiern, damit eindrucksvoll zu symbolisieren, dass die Grenze zwischen den beiden Staaten Makulatur ist. Das Gotteshaus war am 9. Mai 1895 der Heiligen Familie durch den Metzer Bischof Fleck geweiht, am 20. September 1939 von französischen Soldaten zerstört und in den Jahren 1962/63 wieder aufgebaut. Danach wurde der Weg vom Dorf auf den 374 Meter hohen Berg ausgebaut, Parkflächen angelegt, somit dem Pilgerort „neues Leben eingehaucht“.

Erinnerung an die Kriegszeit ist auch ein beim Gotteshaus aufgestelltes Kreuz, gefertigt aus Granatsplittern, die der deutsche Soldat Hermann Wesely rund um die Kapelle aufsammelte. Auf einer Gedenktafel an der Wand ist zu lesen, dass sie „im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft und der Versöhnung der Völker am Mariahimmelfahrtsfest ein Ort der Andacht und des Gedenkens“ sein solle. Im Anschluss an die Messe wurde gemeinsam gegessen und von vielen die Begegnung zu Gesprächen genutzt aber auch der Ausblick bis in die Vogesen, das gigantisches Panorama hinein ins Bitcher Land bis zum Horizont genossen.