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Kapellenfest
Ein Festtag der Völkerverständigung

Impressionen vom Gottesdienst während des Kapellenfestes in der St. Joseph-Kapelle. Teilweise ist auch die Josefsstatue zu sehen.
Impressionen vom Gottesdienst während des Kapellenfestes in der St. Joseph-Kapelle. Teilweise ist auch die Josefsstatue zu sehen. FOTO: Wolfgang Degott
Ormersviller. Traditionell findet an Mariä Himmelfahrt im französischen Ormersviller das Kapellenfest statt. Von Wolfgang Degott

Am Mittwoch, 15. August, Mariä Himmelfahrt, wird ein deutsch-französisches Fest wieder viele Menschen aus der Region, dies- und jenseits der Grenze, nach Ormersviller zur Kapelle St. Joseph ziehen. Dort findet wie alljährlich auf dem 374 Meter hohen Hügel „Auf der Burg“ oberhalb des rund 400-Seelen-Dörfchens eine Wallfahrt statt.


Wenn um 10.30 Uhr Abbé Stephane Pontello, Pfarrer von Volmunster, gemeinsam mit seinem Diakon Bernard Dillschneider zum Gebet ruft, der Kirchenchor Saint Pierre die anschließende zweisprachige Liturgiefeier gesanglich begleitet, haben Hunderte Menschen, ob mit Auto oder zu Fuß, den Weg zum Gotteshaus hinter sich. Die Ursprünge dazu gehen ins Jahr 1638 zurück. Damals verordnete der französische König Louis XIII. die Marienanbetung. Zwischen 1875 und 1880 verstarben in Ormersviller acht Neugeborene im Kindbett, sodass die Menschen gelobten, um Gottes Gnade zu erlangen und die Sterberate zu verkleinern, eine Kapelle zu bauen.

Am 9. Mai 1895 wurde sie vom Bischof von Metz, François-Louis Fleck geweiht. Zuvor war 1880 an dem Kapellenort schon eine Säule aufgestellt, geweiht vom Eppinger Pfarrer Michel Kuhn, die in luftiger Höhe von sieben Metern von der Statue des Heiligen Joseph als Patron und Beschützer der Familie gekrönt wird. Am 9. September 1939 wurde die Kapelle von französischen Pionieren gesprengt. Als Ruine mahnte sie bis 1967. Nach ihrem Wiederaufbau wurde sie im gleichen Jahr, am 2. Juli, vom Generalvikar der Diözese Metz, Abbé Georg Klein, zum zweiten Mal eingeweiht. Mit dem Ereignis lebten auch wieder die Wallfahrten auf.



Unter dem Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, insbesondere der damals schon vorhandenen innigen Verbundenheit zwischen Brenschelbach und Ormersviller, fand 1982 die erste Begegnung statt. Äußeres Zeichen für das völkerverbindende Miteinander war auch, dass die neue Josefstatue von einem „deutschen Freund“ gestiftet worden war. Es entwickelte sich unter der Führung des 1981 gegründeten und derzeit unter der Leitung von Gilbert Zahm stehenden Kapellenvereins, den „Amis de la Chapelle Saint Joseph“, den Pfarrern Marcel Rostoucher und Gerard Henner, ein bedeutendes Ereignis, nur 200 Meter von der Staatsgrenze entfernt.

Mahnmal für den Krieg ist ein Kreuz an der linken Wand im Eingangsbereich der Kapelle. Der ehemalige deutsche Soldat Hermann Wesely aus Bensheim hat es 1991 aus rund um das Gotteshaus zusammengetragenen Granatsplittern gefertigt. 2009 trafen sich die beiden letzten französischen Veteranen Maurice Neveu und Robert Saint-Marc des 32. Infanterieregiments von Tours und Ulrich Schiller vom 127. Grenzinfanterie-Regiment von Zweibrücken zum 70. Jahrestag ihres Kampfes im Grenzraum.