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Kampf gegen den Bevölkerungsschwund

Blieskastel. Die Stadt Blieskastel muss ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeiten. Mithilfe zweier Planungsinstitute sollen in Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung die Handlungsfelder Wirtschaft und Arbeitsmarkt, aber auch Verkehr und Umwelt untersucht werden. Fredi Brabänder

Die Stadt Blieskastel ist in der Pflicht, ein Gemeindeentwicklungskonzept (Geko) zu erarbeiten. Es ist Voraussetzung, damit weiter staatliche Zuschüsse in die Barockstadt fließen. Doch diesen "Druck" allein wollte Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener in der ersten Zusammenkunft der Lenkungsgruppe nicht als einzige Motivation zur Aufstellung dieses Konzepts sehen. Sie wünscht sich damit Handlungsempfehlungen und Grundlagen für die künftige Stadtentwicklung .

Die Aufgabe will die Stadt gemeinsam mit Fachplanern der Institute Firu (Kaiserslautern) und Isoplan (Saarbrücken), aber auch mit der Bevölkerung und der Politik lösen. Das Team von Firu und Isoplan hat seine Arbeit bereits aufgenommen und vorbereitende Untersuchungen angestellt. Die Mitarbeiter der Büros werden in den nächsten Wochen alle Stadtteile besuchen und ihre Untersuchungen vertiefen. Dabei werden Erhebungen zu Geschäften, Dienstleistern, sozialen Einrichtungen, Schulen, Kitas und Freizeiteinrichtungen angestellt, Dorfstrukturen, bauliche Besonderheiten und Leerstände werden erfasst. Gespräche mit den Ortsvorstehern der Stadtteile haben bereits begonnen. Diese Arbeiten werden von Politik und Verwaltung im Rahmen einer Lenkungsgruppe intensiv begleitet. Inzwischen hat sich die "Lenkungsgruppe "Geko" zum ersten Mal im Rathaus getroffen. Neben den Mitarbeitern der beiden Büros sind die Bürgermeisterin, die Fraktionsvorsitzenden aller Stadtratsfraktionen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung vertreten, für den Saarpfalz-Kreis ist Dezernent Gerhard Mörsch und für die Industrie- und Handelskammer Saarbrücken Leander Wappler oder vertretungsweise Gerd Litzenburger in der Lenkungsgruppe vertreten.

Mehr alte Menschen


Sabine Herz von der Firu erläuterte zunächst die Ziele und Methoden des Stadtentwicklungskonzepts, das unter dem Gesichtspunkt der rückläufigen Bevölkerungszahlen Wirtschaft und Arbeitsmarkt , Verkehr, Umwelt, Städtebau und Wohnen und noch viele weitere Handlungsfelder untersuchen müsse. Zur Bevölkerungsentwicklung stellte Karsten Schreiber von Isoplan Zahlen und Diagramme vor. So werde die Stadt Blieskastel im Jahr 2030 zwischen 13 und 16 Prozent weniger Einwohner haben, die Bevölkerungszahl von rund 22 000 auf etwa 18 000 sinken. Die Altersstruktur verändere sich wesentlich, so Schreiber. Einwohner unter 18 Jahren seien mit 13,2 Prozent heute schon zu wenig und wären weiter rückläufig auf etwa 12 Prozent, Einwohner zwischen 18 und 64 Jahren wären es bis 2030 über zehn Prozent weniger, während die Gruppe der über 65-jährigen von derzeit 24,6 Prozent auf 35,2 Prozent anwachse.

Die Bevölkerung der einzelnen Stadtteile schrumpfe. Nur in einem kleinen Stadtteil wäre sie um 2,7 Prozent durch die Erschließung eines Neubaugebietes gestiegen. Die Auswirkungen auf Kindertagesstätten und Grundschulen seien negativ, für die weiterführenden Schulen richtig problematisch. Wohnungsleerstände in den Stadtteilen häuften sich, so Schreiber, es gebe negative Auswirkungen in Vereinen, bei der Feuerwehr und der Nahversorgung. Weniger Menschen würden in Zukunft die vorhandenen kommunalen Einrichtungen nutzen, sie aber auch finanzieren müssen, zum Beispiel die Dorfgemeinschaftshäuser, Friedhöfe oder Sportplätze.

Die Lenkungsgruppe soll Ende Mai wieder zusammentreten, bis dahin würden Bürgerversammlungen veranstaltet und viele Gespräche mit Ortsvorstehern geführt sein.

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HintergrundDas Konzept wird nach einem landesweiten Leitfaden aus dem Jahr 2008 durchgeführt und auch von dort bezuschusst. Die Gesamtkosten inklusive einer umfassenden Bürgerbeteiligung belaufen sich auf 66 000 Euro. Zur Kofinanzierung erhält die Stadt Blieskastel eine Bedarfszuweisung des Landes (33 000 Euro) und aus dem Städtebauförderungsprogramm des Landes (22 000 Euro) insgesamt also 55 000 Euro, sodass sich der Eigenanteil auf 11 000 Euro reduziert. Entsprechende Förderbescheide liegen der Stadtverwaltung vor. bra