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Blieskastel
Immobilien-Eigner werden zur Kasse gebeten

Durch die Sanierung der Altstadt hat Blieskastel an Charme und Attraktivität gewonnen. Aber auch der Bodenwert der Grundstücksbesitzer ist gestiegen. Dafür muss jetzt ein Obolus entrichtet werden.
Durch die Sanierung der Altstadt hat Blieskastel an Charme und Attraktivität gewonnen. Aber auch der Bodenwert der Grundstücksbesitzer ist gestiegen. Dafür muss jetzt ein Obolus entrichtet werden. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Wohneigentümer in Blieskastel sollten mehr zur Erhöhung des Bodenwertes erfahren. Am Ende standen Ratlosigkeit und Wut. Von Erich Schwarz

Schon der Titel der Veranstaltung in der Bliesgau-Festhalle war sehr sperrig: „Ermittlung sanierungsbedingter Bodenwerterhöhung im Sanierungsgebiet Stadtmitte Blieskastel“. Und nach der Informationsveranstaltung, die nach Ansicht etlicher Zuhörer und Betroffener ihrem Titel „Information“ nicht gerecht wurde, waren Kommentare wie „Frechheit“ oder auch „unverschämt“ zu hören. Lisa Becker, Stadträtin der Grünen im Blieskasteler Rat, brachte es auf den Punkt: „Das hätte man den Leuten auch in einfacher Sprache präsentieren können“, so ihr Kommentar.


Tatsächlich verwendeten sowohl Edith Stahl, Vorsitzende des Gutachter-Ausschusses des Saarpfalz-Kreises, wie auch Architekt Nobert Jeziorski, bei ihren Ausführungen allerlei „Fachchinesisch“, dem Otto Normalbürger aus Blieskastel nur schwer folgen konnte. Und da ja im Moment der Datenschutz-Geist durch alle öffentlichen Räume spukt, war das von Jeziorski präsentierte „Mustergutachten“ so verfremdet, dass man am Ende nur ratlos zur Beamer-Präsentation schauen konnte – aber auch die war schon in der ersten Besucherreihe nicht mehr lesbar. Und so kam es, dass die Besucher zunächst überhaupt keine Vorstellung hatten, wie hoch der Wert ihres Grundstückes gestiegen war und was man zu bezahlen hatte. Schon ein erklärendes „Keiner muss mehr als 3000 Euro zahlen“ im Laufe der sogenannten Informationsveranstaltung hätte vielleicht viel Druck genommen. So ging etwa eine Zuhörerin von 40 000 Euro aus und war dann erzürnt, als Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener von einer Zahlungsfrist von vier Wochen sprach.

Aber worum ging es nun? Man stelle sich die Stadt, hier das Kerngebiet der Altstadt mit unterem Schlossberg, in den frühen 1980er Jahren vor.



Der Schandfleck Bahnhof ist noch nicht abgerissen, der aus Lautzkirchen kommende Verkehr fließt um „Ternigs Eck“ (heute Vodafone-Geschäftsstelle) weiter über die alte Bliesbrücke in Richtung Homburg oder Bliesgau. Es gibt keine verkehrsberuhigten Zonen, wenig Parkplätze, brachliegende Grundstücke, eine insgesamt hohe und sich ständige steigernde Verkehrsbelastung, zudem Belichtungs- und Lüftungsprobleme, wie das die Spezialisten nennen. Also gab es den städtebaulichen Auftrag, diesen Altstadtkern zu sanieren. Vieles können sich vielleicht später Geborene heute so nicht mehr vorstellen, aber die Stadt hat im Laufe der Sanierungszeit sehr viel an Charme und Attraktivität hinzu gewonnen. Und da diese Maßnahmen sehr viel Geld kosteten, hat der Staat die Anwohner verpflichtet, sich an den Kosten zu beteiligen. Denn durch die Sanierung der Altstadt, so die Festlegung, haben auch die Grundstücke an Wert gewonnen.

Edith Stahl und Norbert Jeziorski erläuterten die Vorgehensweise. Grob gesagt wurden die Grundstücke in den 80er Jahren geschätzt, jetzt wurde nach erfolgter Sanierung des Stadtgebietes eine erneute Einschätzung vorgenommen. Die Bewertung erfolgte nach dem sogenannten „Modell Niedersachsen“, was auch auf andere Regionen Deutschlands übertragbar sei.

Es wurde eine Zonierung vorgenommen, jedes einzelne Grundstück wurde nach sehr vielen Kriterien bewertet. Es wurde indes nur das Grundstück bewertet, nicht die Gebäude, die auf dem Grundstück stehen. Interessant an dieser Stelle war auch die Information, dass der Anstieg der Grundstückspreise seit dem Jahre 2000 in Blieskastel gestoppt wurde.

Nach der Veranstaltung konnten sich die betroffenen Grundstücksbesitzer getrennt nach Straßenzügen bereits über die Höhe der Steigerung des Wertes ihres Grundstückes informieren.