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Leserreporter
Die Tortur mit dem Grünschnitt

Die ehemals kreiseigene Abfalldeponie auf dem Hölschberg bei Biesingen wird seit 1. Januar von der Stadt Blieskastel betrieben. Die einzige Möglichkeit für die Blieskasteler Gärtner, ihre Baum- und Strauchabfälle zu entsorgen.
Die ehemals kreiseigene Abfalldeponie auf dem Hölschberg bei Biesingen wird seit 1. Januar von der Stadt Blieskastel betrieben. Die einzige Möglichkeit für die Blieskasteler Gärtner, ihre Baum- und Strauchabfälle zu entsorgen. FOTO: Fredi Brabänder
Blieskastel. Vielen Gartenbesitzern ist die Fahrt zur Entsorgungsstelle zu lang. Aber die Kommunen mussten kleine Sammelstellen schließen. Von Michael Aubert

Der eigene Garten. blühende Blumen, Obstbäume, Sträucher und Hecken mit Vogelgezwitscher und Bienensummen. Die eigene Oase, die Fluch und Segen zugleich ist. Bedeutet sie doch neben der Erholung auch eine Menge Arbeit. Arbeit, die viele Hobbygärtner als eine Art meditativen Ausgleich empfinden. Nur wenn es um die Entsorgung des Grünschnitts geht, hört der Spaß für eine Leserin aus Blieskastel auf. Sie ist sauer und ärgert sich über den erhöhten Aufwand seit Beginn diesen Jahres.


„Bis einschließlich Dezember vergangenen Jahres war das in Ordnung. Da hat alles immer problemlos geklappt“, sagt sie. Nur seit Januar kann sie ihren Gartenabfall nur noch bei der Hölschberg-Deponie entsorgen. „Das sind acht Kilometer. Von Blieskastel ist das schon ziemlich weit weg“, schimpft sie: „Wenn ich nur einmal die Hecke schneide, muss ich drei bis vier Mal fahren, das steht doch in keiner Relation mehr.“ Mit Dienstleistung am Bürger jedenfalls habe das nichts mehr zu tun. Als sie ihren Grünschnitt noch in Mimbach entsorgen konnte, sei das noch gut gewesen. „Warum die zugemacht hat, weiß kein Mensch“, sagt die Leserin.

Jens Welsch, Pressesprecher der Stadt Blieskastel, kennt die Antwort: „Die Grünschnitt-Sammelstelle in Mimbach wurde bereits 2003 eingestellt“, schreibt Welsch. Gründe hierfür seien vielfältig gewesen, wie bei den anderen größtenteils in den 90er-Jahren geschlossenen Plätzen: Unrentabilität, Vandalismus und illegale Müllablagerungen. Außerdem, erklärt Welsch, ist durch die Novellierung des Saarländischen Abfallwirschaftsgesetz (SAWG) im Jahr 2014 seit 1. Januar diesen Jahres der EVS für den Grünabfallverwertung zuständig. Diese werden vom EVS oder von Dritten abgeholt und verwertet.



Bis zum 31. Dezember war die Entsorgung also noch Aufgabe der Kommunen. Zu diesem Stichtag wurde die Grünschnittannahme beim Wertstoffzentrum (WSZ) Blieskastel eingestellt. Ganz nebenbei: Deren Einnahmen in Höhe von 6063 Euro standen 2017 Ausgaben in Höhe von 11 935,70 Euro gegenüber, teilt Welsch mit. Zum 1. Januar seien fast im ganzen Saarland die bisher geführten „Heckenplätze“ geschlossen und zu einer Sammelstelle zusammengefasst worden. Für einige wenige Kommunen gelte eine Übergangsregelung. Spätestens ab 1. Januar 2020 werde aber auch in diesen Kommunen das EVS-Grüngutkonzept umgesetzt. Weil für jede Kommune nur eine Sammelstelle zu führen sei, wurde auch die Sammelstelle am WSZ eingestellt. Aufgrund der Infrastruktur habe sich für die Stadt Blieskastel die Sammelstelle am Hölschberg angeboten. Hier könnten die Blieskasteler weiterhin ihren Grünschnitt entsorgen. Der Unterschied: Seit 1. Januar wird die Deponie nicht mehr vom Kreis, sondern von der Stadt Blieskastel betrieben. Lediglich die Personalisierung erfolge noch über den Kreis, erläutert Welsch.

Das ist auch der Grund, warum Hobbygärtner aus dem Mandelbachtal seit Januar diesen Jahres ihren Grünschnitt auf die Deponie nach Ormesheim bringen müssen. Bis zum 31. Dezember letzten Jahres, war dies auch auf der Hölschberg-Deponie des Saarpfalz-Kreises möglich. Seit dem 1. Januar ist dort die Grüngut-Sammelstelle für Blieskastel eingerichtet. Wie Mandelbachtals Bürgermeister Gerd Tussing erklärt, wurden die Sammelstellen für Grünschnitt bereits vor seiner Amtszeit, also mehr als fünf Jahren, geschlossen. Schon zu dieser Zeit hätten die Mandelbachtaler ihren Grünschnitt auf die Deponie Ormesheim bringen können. „Da wir selbst keine Grüngut-Sammelstelle betreiben, sondern die des EVS auf unserem Deponiegelände bei Ormesheim genutzt wird, fallen diesbezüglich bei uns keine Kosten an“, erklärt Tussing. Seit 1. Januar 2016 sei die Grünschnitt-Entsorgung auf der Sammelstelle des EVS in Ormesheim gebührenpflichtig. Die Kosten variieren von einem Euro für Kleinstmengen bis zu sechs Euro für einen Anhänger.

Auch die Gemeinde Gersheim habe ihre ursprünglich acht Heckenplätze auf einen Sammelplatz für Baum- und Strauchabfälle reduzieren müssen. Hintergrund, teilt Nadine Rabung von der Gemeindeverwaltung mit, seien die rechtlichen Änderungen und damit notwendig gewordenen Investitionen in die Infrastruktur der Plätze, die in diesem Umfang nicht leistbar gewesen wären. Bis 2017 seien die Heckenplätze und der neue Platz in Gersheim nach Angaben der Gemeinde kostenfrei gewesen, verursachten aber jährliche Kosten von etwa 40 000 Euro in 2015 (dezentral) etwa 20 000 Euro in 2016 (zentral). Seit 2018 ist auch hier der EVS zuständig.

In Blieskastel lägen die Kosten nach Angaben von Jens Welsch bei 1856,40 Euro Containermiete (zwei Container zu je 40 Kubikmeter) sowie jährliche Beitragsvorauszahlungen an den EVS in Höhe von 40 310,28 Euro zuzüglich der Kosten für Personal und Material. Diese orientierten sich an den Kommunen, die ab 1. Januar eine Sammelstelle führen.

Der Tipp für den Artikel kam von einer SZ-Leser-Reporterin aus Blieskastel. Wenn Sie Interessantes zu erzählen haben, hinterlassen Sie eine Sprachnachricht unter Tel. (0681) 59 59 800, mailen Sie an leser-reporter@sol.de oder nutzen Sie das Formular: www.saarbruecker-zeitung.de/leserreporter.