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Schlager-Gala
Eine Legende und Lieder, die jeder kennt

Hello again: Howard Carpendale trat bei der Schlager-Gala in Webenheim auf.
Hello again: Howard Carpendale trat bei der Schlager-Gala in Webenheim auf. FOTO: Jörg Martin
Webenheim. Unvergessliche Lieder: Schlager-Ikone Howard Carpendale begeisterte sein Publikum bei der Musik-Wies’n in Webenheim. Von Jörg Martin

Samstag am späten Abend im Festzelt der Webenheimer Musik-Wies’n. Moderator Michael Friemel hat das Publikum gerade bei der Schlagernacht daran erinnert, dass Howard Carpendale 50 Millionen Tonträger veröffentlicht hat und, dass jetzt gleich „eine Legende“ die Bühne betreten wird. Innerhalb von Sekunden stürmen zahlreiche Menschen wie auf ein Kommando hin zur Bühne vor. Es handelt sich vorwiegend um blonde Frauen reiferen Jahrgangs. Einige Männer sind auch darunter zu finden. Sie schwenken bunte Lichter, als der 72-Jährige Südafrikaner zu einer kleinen Stippvisite in „Blieskasch-dell“ - wie er versucht, die Sympathien der Schlagerfans zu erheischen - die Bühne betritt.


Mit dabei hat er vier Sänger seines Chors. „Hello again“, schallt es passenderweise von der Bühne. Nahezu alle singen mit. So, als hätte man es tagelang vorher geprobt. Es wirkt so, als trete Carpendale täglich auf dem Bauernfestgelände auf und sei nur mal eben kurz weggewesen. Das Publikum hält es nicht auf den Stühlen. Die Menschen klatschen automatisch. „Samstagnacht“ sing „Howie“ und das Publikum steuert wie aus der Pistole geschossen den Refrain bei. Genau wie bei „Tür an Tür mit Alice“. Pärchen schauen sich innig an, während er die deutsche Version von „Ti amo“ beisteuert. Erinnerungen scheinen wach zu werden. Genau wie auch an 1972, als er mit „Das schöne Mädchen von Seite 1“ dem Publikum bekannt wurde. Man dürfe sich nicht treubleiben, sondern müsse sich ständig verändern, so lautet sein Erfolgsrezept, Carpendale. Deshalb sei dieser Titel auch überarbeitet und hat einen Rap-Anteil eines Chorsängers.

Seit 51 Jahren sind seine Tonträger bereits in Deutschland auf dem Markt. „Dann geh‘ doch“, schallt es von der Bühne. Nein, er bleibt noch und steuert eine Zugabe bei. 1972, in der Hochzeit des Schlagers, schaffte es eine Frau, für Luxembourg den Grand Prix zu gewinnen: Vicky Leandros. Auch sie kam nach einem Auftritt in Oberhausen eigens in Webenheim vorbei und hatte natürlich auch den Sieger-Titel von damals dabei: „Après toi“. Es gibt etliche Parallelen zu Howard Carpendale. So ist auch die Leandros schon 51 Jahre auf der Bühne. „Bitte nimm mich so, wie ich bin“, dieser Aufforderung kam das Publikum gerne nach. Auch bei Vicky Leandros waren zuvor, dieses Mal Männer und Frauen in etwa gleicher Anzahl, nach vorne gestürmt und hatten auf dem Platz vor der Bühne mitgesungen, während alle die Titel mitsangen. Bereits im Vorprogramm hatte Schlager-Ikone Rosanna Rocci für Stimmung gesorgt. Sie traf den Nerv des Publikums nicht nur wegen ihrer Titel, darunter die aktuelle deutsche Version von „Bella Ciao“. Sie hatte auch Gespür für das saarländische „Eijo“. Immerhin war sie mal mit einem Saarländer verheiratet.



Die Sympathien der Blieskasteler eroberte auch Maria Vsokania. Die Finalistin der TV-Casting-Show aus 2017 fragte etwa „Bist du die wahre Liebe?“ oder forderte „Küss mich“ auf. Da schlug Donovan Aston leisere Töne an, als er Titel von Sir Elton John am Klavier zum Besten gab und recht zügig mit „Don’t let the Sun go down“ zum Mitklatschen aufforderte. „Ich bin noch ganz ergriffen. Die Lieder hört man ja heute kaum noch. Das ist eine Zeitreise“, freute sich Antje Wesmeier aus Kaiserslautern in der Pause über ihr Konzerterlebnis.