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Blieskastel
Die Steine gegen das Vergessen säubern

Der aus Köln stammende Künstler Gunter Demnig verlegte im Jahr 2009 in Blieskastels Altstadt Pflastersteine gegen das Vergessen.
Der aus Köln stammende Künstler Gunter Demnig verlegte im Jahr 2009 in Blieskastels Altstadt Pflastersteine gegen das Vergessen. FOTO: Erich Schwarz
Blieskastel. Mit der Reinigung der Blieskasteler Stolpersteine will die Linke den Opfern des Nationalsozialismus gedenken. Von Joachim Schickert

Vor 73 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. An die Opfer des Nationalsozialismus wird in diesem Jahr wieder vielerorts mit Gedenkfeiern erinnert, und auch in Blieskastel wird der Ermordeten und Verschleppten gedacht. Am kommenden Samstag, 27. Januar, wird der Ortsverband der Linken Blieskastel wieder zur Ehrung misshandelter und ermordeter Bürgerinnen und Bürger eine symbolische Reinigung und Pflege der im Jahr 2009 verlegten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig vornehmen. Das Gedenken an die Opfer soll alljährlich wach gehalten und neu in Erinnerung gebracht werden. Ihr Leid dürfe nicht umsonst gewesen sein. Es müsse den Nachgeborenen eine ewige Mahnung sein, dass Menschen- und Bürgerrechte unteilbar sind, teilt Antonio Reda, Fraktionschef im Blieskasteler Stadtrat mit. Er ruft alle Bürger auf, sich an der symbolischen Reinigung der Stolpersteine in Blieskastel zu beteiligen.



Ende Mai 2009 hatte der aus Köln stammende Künstler Gunter Demnig diese Stolpersteine gegen das Vergessen gelegt. In Blieskastel war damit ein Projekt des Künstlers fortgesetzt worden, welches unter anderem die Vertreibung und Vernichtung der Juden, politisch Verfolgter, Zeugen Jehovas und Euthanasie-Opfern während des Nazi-Regimes lebendig erhält. Der Blieskasteler Linken-Politiker und damalige Fraktionschef im Stadtrat, Dieter Geis, hatte die Aktion initiiert, unterstützt von seinen Parteifreunden. Geis hatte damals betont, dass es sich nicht um eine Parteiangelegenheit handele, sondern dass diese Aktion für alle Bürger eine große Bedeutung haben müsse.

Mit der Geschichte der Juden in Blieskastel hat sich auch der Grüne Martin Dauber, der bis zur Kommunalwahl im Mai 2014 im Blieskasteler Stadtrat saß, schon von Jugend an beschäftigt. Anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 führte er seine Gäste regelmäßig im November zu „Stationen jüdischen Lebens“ in der Barockstadt. Dauber hatte in seiner Schulzeit ein Referat über die Judenverfolgung in Blieskastel ausgearbeitet. Er konnte sich damals nicht vorstellen, was diese im Geschichtsunterricht vermittelten grausamen Fakten für das beschauliche Blieskastel bedeuten könnten, so Dauber. Seine Nachforschungen führten ihn schließlich ins Landesarchiv nach Saarbrücken, und er befragte Zeitzeugen in Blieskastel zu den Geschehnissen in der Nazizeit.

Auf Antrag der Grünen im Blieskasteler Ortsrat war im Sommer 2010 in der Straße „An der Stadtmauer“ in Blieskastel-Mitte ein Hinweisschild angebracht worden, das darüber informiert, dass diese Straße bis ins Jahr 1935 einmal den Namen Judengasse trug. Die Judengasse war von den Nationalsozialisten in Straße am Schlangenbrunnen umbenannt worden.

Nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war die Straße auf Anordnung des amerikanischen Ortskommandanten zunächst wieder in Judengasse umbenannt worden. Im Jahr 1955 hatte die Gasse dann aber auf Beschluss des Stadtrates den Namen „An der Stadtmauer“ erhalten.

In Messing eingravierte Namen auf den Pflastersteinen neben dem Fotogeschäft Roman Schmidt erinnern an Nazi-Opfer.
In Messing eingravierte Namen auf den Pflastersteinen neben dem Fotogeschäft Roman Schmidt erinnern an Nazi-Opfer. FOTO: Joachim Schickert