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Feuerwehr
Der große Kampf der Freiwilligen Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Reinheim mit ihrem Löschbezirksführer Reinhold Drieß (Vierter von rechts) warb an einem Informations-Abend um neue Mitglieder für das Ehrenamt bei der Feuerwehr.
Die Freiwillige Feuerwehr Reinheim mit ihrem Löschbezirksführer Reinhold Drieß (Vierter von rechts) warb an einem Informations-Abend um neue Mitglieder für das Ehrenamt bei der Feuerwehr. FOTO: Jörg Martin
Reinheim. Brandschutz ist Lebensschutz. Nur die Suche nach Mitstreitern wird auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Reinheim immer schwieriger.

Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, geht zurück und macht auch vor der Freiwilligen Feuerwehr Reinheim nicht halt. Deshalb hatte der Löschbezirk am vergangenen Dienstag zu einem Info-Abend ins Gerätehaus in der Grenzlandstraße eingeladen. Der Titel, „Was mache ich, wenn es brennt und keiner kommt?“, klang schon ein wenig provokant.


Das sei auch Absicht, erklärte Reinhold Drieß. „Wir haben 17 Mitglieder bei der Jugendwehr. Das Interesse für die aktive Wehr ist geringer. Deshalb machen wir was für die Quereinsteiger“, so der Löschbezirksführer gegenüber der SZ. Ein weiteres Sorgenkind sei die Tagesbereitschaft. Die ist, seit mehr und mehr Floriansjünger weiter außer-
halb arbeiten und auch wohnen, schwierig geworden.

„Früher gab es mehr Arbeitsplätze in der Nähe bei kleineren Industriebetrieben und in der Landwirtschaft. Die sind weggefallen“, blickt Drieß zurück. Auch gäbe es kaum mehr Schichtarbeiter, die indirekt dafür sorgten, dass immer jemand tagsüber einsatzbereit war. „Heute sind wir froh, wenn wir die Fensterplätze im Auto besetzen können“, beschreibt Reinhold Drieß die Situation. Bei Einsätzen am Abend oder am Wochenende seien es zwölf bis 15 Feuerwehrleute. Aus diesem Grund arbeitet die Wehr mittlerweile auch ortsübergreifend.



Reinheim gehört zusammen mit Gersheim, Niedergailbach und Walsheim zu einem gemeinsamen Löschzug. Ein Novum, da sich die Strukturen seit rund 140 Jahren, wonach die Wehr immer aus dem eigenen Ort kommt, bislang bewährt hatten. Zudem müsse man die gesetzlichen Regeln einhalten. Das bedeutet: Nach Eingang des Notrufs müssen die Retter innerhalb von acht Minuten am Unfallort sein. Auch die Rekrutierung von Mitgliedern aus der Jugendwehr, 60 Prozent wechseln innerhalb der Gemeinde zu den Aktiven, sei schwieriger geworden, seit die schulische Ganztagsbetreuung zugenommen habe.

Im Vergleich zu den anderen Löschbezirken der Gemeinde steht Reinheim noch gut da: Die aktive Wehr ist von ehemals 42 auf 27 Leute geschrumpft. Vier davon sind Frauen. Somit kommt man auf die dreifache Besatzung eines Fahrzeugs, was der Soll-Stärke entspricht. „In der Gemeinde Gersheim gibt es 120 Jugend-Feuerwehrleute, 280 sind bei den Aktiven und 60 in der Alterswehr“, erklärte Stefan Lugenbiel. Wie der Wehrführer der Gemeinde Gersheim gegenüber der SZ weiter ausführte, hält die Kommune zehn Löschbezirke mit doppelt so vielen Fahrzeugen vor. „Die Arbeit hat sich im Vergleich zu früher verändert. Es geht weniger um Brände. Dafür mehr um technische Unterstützung“, so Lugenbiel.

Mehrere Interessenten gab es vergangenen Dienstagabend, die sich etwa das große Feuerwehreinsatzfahrzeug anschauten und sich über die Arbeit informierten. „Ich war schon die ganze Zeit interessiert. Frauen sind heute völlig normal bei der Feuerwehr. Zu meiner Zeit gab es das noch nicht“, sagte Nicole Späth. Sie unterschrieb genau wie zwei weitere Männer das Beitrittsformular. Darunter auch ihr Mann. Die Tochter ist bereits bei der Jugendwehr.

Beim anschließenden Info-Vortrag, den Reinhold Drieß und sein Stellvertreter Benjamin Uth hielten, konnten die Interessenten erfahren, dass etwa Kinder gerne mitgebracht werden können. Auch finden die Übungen nicht immer sonntagmorgens statt.