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Unsere Woche
Das Ende einer wichtigen Instanz

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Nach fast fünf Jahren löst sich zum 1. Januar der Blieskasteler Stadtmarketing-Verein auf. Für den Vorsitzenden Rainer Schetting konnte kein Nachfolger gefunden werden. Wer zukünftig verkaufsoffene Sonntage oder Veranstaltungen wie das „Dinner en blanc“ organisiert, bleibt abzuwarten. Von Joachim Schickert

Am kommenden Montag, mit dem Beginn des neuen Jahres, geht in Blieskastel eine wichtige Instanz verloren: Der Stadtmarketing-Verein, die Interessenvertretung für die Händler, löst sich auf, da für den Vorsitzenden Rainer Schetting kein Nachfolger gefunden wurde. Das kürzlich durchgeführte „Last minute night shopping“ hatte den Endpunkt des Vereins der Blieskasteler Gewerbetreibenden gebildet. Im kommenden April wäre der Verein fünf Jahre alt geworden, nun ist zum Jahresende Schluss.



Nach dem fulminanten Neustart des Stadtmarketing-Vereins gab es bereits nach wenigen Monaten Grüppchen- und Lagerbildung. Als der Vorsitzende Wolfgang Hauck wegen der „Ackermann-Affäre“ zurückgetreten war, übernahm Rainer Schetting das Sagen auf der Kommandobrücke. Und der musste mitunter harte Entscheidungen treffen, „da kann man nicht immer auf Teufel komm raus Kompromisse eingehen“, wie er selbst beim „Shopping“ einräumte. Insofern sei ihm auch klar, dass er „nicht der einfachste Mensch“ sei. Aber das Wohl der Gewerbetreibenden habe ihm immer am Herzen gelegen.

Man hatte ihm vorgeworfen, er habe seine eigenen Geschäftsinteressen immer in den Mittelpunkt gerückt. Wie geht es jetzt weiter, wenn die Gewerbetreibenden in der Barockstadt keine Lobby mehr haben? Wer organisiert die verkaufsoffenen Sonntage, wo bleibt das „Diner en blanc“, das eine nicht-kommerzielle Veranstaltung mit großem Erfolg gewesen ist? Wer schafft After-Work-Partys und Nikolaus-Shopping? Spätestens seit im September dieses Jahres das „Heimat-Shoppen“ in Blieskastel aus Zeitgründen von der Stadtverwaltung nicht organisiert wurde – immerhin eine Aktion der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes und des saarländischen Handelsverbandes – stellt sich die Frage, wer sich jetzt um solche Dinge kümmern soll. In Blieskastel hingen zwar zum „Heimat-Shoppen“ vereinzelt Aktionsplakate, aber offizieller Teilnehmer war man nicht. Die Begründung der Stadtverwaltung, man sei personell auf Kante genäht, um auf diese Aktion hinzuweisen und diese zu forcieren, war dürftig. Zumal IHK und Einzelhandelsverband diese Werbung für den Einkauf vor Ort auf dem Silbertablett präsentierten. Gute Werbechancen für die Händler wurden also verpasst.

Sowohl im Rathaus als auch seitens der Gewerbetreibenden sollte man sich Gedanken darüber machen, wie es weitergehen soll. Rainer Schetting wickelt den Verein nur noch bis zum nahen Jahresende ab. Nachfolger? Fehlanzeige, niemand hat sich dazu bereit erklärt. Am besten wäre ein Marketing-Experte, der sich um das Gewerbe kümmert, der als neutrale Instanz Ideen für Aktionen einbringt, Konsens unter den Händlern herstellen kann. Denn Geschäfte sind nun mal wichtig für das Treiben in einer Stadt, zumal in einer so schönen wie Blieskastel. Wenn was geboten wird, kommen auch Leute, wie erst jüngst wieder die Lebendige Krippe im Kloster gezeigt hat. Droht Stillstand oder gar Verödung? Das kann doch niemand ernsthaft wollen, erfreuten sich die vielen Aktionen doch großer Beliebtheit.