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Bunte Schar stiehlt den Rechten die Schau

Blieskastel. Für ein demokratisches Miteinander und gegen Extremismus und Rassismus demonstrierten am Samstag auf dem Paradeplatz in Blieskastel 200 Teilnehmer. Gleichzeitig kamen zwölf rechtsradikale Westpfälzer am Schlangenbrunnen zu einer Kundgebung zusammen, die 30 Zuhörer verfolgten. Hans Hurth

Nach Bekanntwerden der Pläne des Nationalen Widerstands Zweibrücken zur Kundgebung in der Barockstadt hatte der Stadtrat eine Resolution verabschiedet - lediglich die Alternative für Deutschland (AfD) hatte diese nicht mitgetragen. Mit Lukas Paltz, Marius Hittinger, Antonio Reda und Georg Wilhelm an der Spitze der Organisatoren hatte der Stadtrat auf dem Paradeplatz parteiübergreifend ein "Miteinander statt Gegeneinander, bunt statt braun", organisiert. Insgeheim hatte man mit mehr als den 200 Besuchern gerechnet. Dies sagte auch SC-Vorsitzender Günter Pusse, der auf der Bühne die Moderation übernahm und neben Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener, die besonders die Flüchtlinge und Asylanten begrüßte, und dem Kreisbeigeordneten Theophil Gallo an Politiker und Vereinsvertreter das Mikrofon weiterreichte. Auch die Blieskasteler Pfarrer Hermann Kast und Mathias App ergriffen das Wort.

Viel Beifall gab es für Elmar Becker, den Präsidenten der Blieskasteler Karnevalgesellschaft BKG, für seine nachdenklichen Gedanken zum Thema Integration durch Sport und Brauchtum. "Jeder fünfte Einwohner der BRD hat eine Zuwanderungsgeschichte. Integration ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit und ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt", so Becker. "Ich wünsche mir eine Stadt Blieskastel , für die sich die Menschen gern engagieren und dies mit Respekt vor Geschichte und Tradition auch tun. Integration erfordert die Anstrengungen aller Beteiligten mit dem Ziel hin zu einem neuen Wir-Gefühl."

Kultur und Sport haben für Becker eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung, die angesichts der demografischen Entwicklung weiter zunehmen werde. "Kultur- und Sportvereine sind offen für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen und mit die attraktivste Organisationsform für ausländische Jugendliche mit relativ hoher Bindungskraft", stellte Elmar Becker heraus. Der routinierte Fastnachter erwähnte den Karneval der Kulturen in Berlin und freute sich, dass es in Blieskastel gelungen sei, ein gemeinsames Bündnis für eine starke Stadt und gegen Einflüsse der rechtsradikalen Szene zu schaffen. "Blieskastel ist eine multikulturelle Stadt, nicht braun, sondern bunt, offenherzig, tolerant sowie freundlich und hat vor allem keinen Platz für Nazis", so Becker.

Auch die weiteren Redner erwähnten die Stadt Blieskastel als demokratisch, friedliebend, tolerant und mit respektvollem Umgang im städtischen Miteinander. Starke Polizeipräsenz in den Straßen und am Schlangenbrunnen sorgte für Sicherheit.

"Am Schlangenbrunnen gab es während der Klein-Demo wechselseitige Beleidigungen", sagte unserer Zeitung später der Leiter der Polizei-Befehlsstelle, Thomas Raber. "Ebenfalls in dem Bereich wurden am Vorabend Kreide-Schmierereien festgestellt, jedoch keine Sachschäden. Die Verursacher konnten ausfindig gemacht werden, sie mussten die Verunreinigung beseitigen." Für musikalische Unterhaltung sorgte zwischen den Reden die Pork Pie Blues Band aus Bierbach an der Blies.