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"Weitertragen, was wir begonnen haben"

Bexbach. Eine besondere Geschichtsstunde erlebten annähernd 120 Schülerinnen und Schüler der Klassen neun bis zwölf der Waldorfschule in Bexbach. Sie hatten die Gelegenheit, im Rahmen des Oberstufenforums einen mehr als spannenden Bericht der Zeitzeugin Anneliese Knoop-Graf zu hören

Bexbach. Eine besondere Geschichtsstunde erlebten annähernd 120 Schülerinnen und Schüler der Klassen neun bis zwölf der Waldorfschule in Bexbach. Sie hatten die Gelegenheit, im Rahmen des Oberstufenforums einen mehr als spannenden Bericht der Zeitzeugin Anneliese Knoop-Graf zu hören. Die heute 88-jährige Schwester von Willi Graf, der während des Dritten Reiches zum Kern der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gehörte, berichtete über ihr Leben, das ihres Bruders vor und während der Hitler-Zeit sowie seine Freundschaft mit den Geschwistern Hans und Sophie Scholl. Dabei stand vor allem ihr von den Nationalsozialisten im Oktober 1943 hingerichteter Bruder Willi im Mittelpunkt ihrer Erzählung. Er war einer der wenigen, die sich zur damaligen Zeit trauten, Widerstand zu leisten und auch versuchte, einen größeren Widerstand in der Bevölkerung zu organisieren. 1942 habe er auch im Saarland Mitverschworene gesucht, die bereit waren, Flugblätter zu verteilen, um die Schandtaten der Nazis anzuprangern, doch viel Erfolg habe er nicht gehabt. Die Deutschlehrerin am von-der-Leyen-Gymnasium Blieskastel, Sabine Grittner, deren Mann Peter die Biographie "Ein Weg in den Widerstand" über Willi Graf veröffentlicht hat, stellte den Schülern die Zeitzeugin zu Beginn vor. Noch heute im Alter von 88 Jahren und gesundheitlich angegriffen, stellt sich Anneliese Knoop-Graf immer noch der Aufgabe, den letzten Wunsch ihres Bruders zu erfüllen: "Weitertragen, was wir begonnen haben", lautet ihr Motto, welches sie seit 1946 mit Vorträgen bewahrt hat. In all den Jahren hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dieses Vermächtnis ihres geliebten Bruders zu erfüllen und Vorträge vor allem vor jungen Menschen zu halten. Der freie Wille des Menschen sei für ihn immer entscheidend gewesen, so dass er um dieser Freiheit Willen sogar sein Leben aufs Spiel setzen musste. Es war eine intensive Geschichtsstunde mit einer Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, aber auch mit einigen Bezügen zu der Zeit von heute. "Jeder sei dazu aufgerufen, daran mitzuwirken, dass so etwas nicht noch einmal passiert", appellierte die Zeitzeugin an die Schüler, hinzusehen, wo andere wegsehen, politisch wachsam zu sein und sich nicht vereinnahmen zu lassen. "Aufpassen, erkennen, nein sagen, durchhalten, wobei das Durchhalten das Allerschwerste ist", gab Anneliese Knoop-Graf den Waldorfschülern als Rezept mit auf den Weg. "Jeder Einzelne trägt die Verantwortung und es ist uns gegeben, diese Verantwortung zu übernehmen", zitierte sie ein Motto ihres Bruders Willi. Obwohl sie viel Zeit mit ihrem Bruder verbracht hat, wusste sie nichts von der Existenz und den Aktionen der "Weißen Rose". Anneliese Knoop-Graf ist seit 1987 stellvertretende Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung in München. Nach ihrem Besuch in der Waldorfschule war sie am Freitag auch beim Homburger Mannlich-Gymnasium zu Gast und berichtet über die "Weiße Rose" und ihren Bruder. re