| 16:33 Uhr

Musik am Höcherberg
Keine Angst vor den großen Nummern

Als Headliner von „Rock die Heide“ konnten „RoastBeat“ ohne Punktabzüge überzeugen, mit jeder Menge Rock- und Popklassiker gings im Vereinsheim des SV Bexbach richtig rund.
Als Headliner von „Rock die Heide“ konnten „RoastBeat“ ohne Punktabzüge überzeugen, mit jeder Menge Rock- und Popklassiker gings im Vereinsheim des SV Bexbach richtig rund. FOTO: Thorsten Wolf
Bexbach. „Rock die Heide“ hieß das Konzert im Sportheim des SV Bexbach, bei dem die Band RoastBeat mit gekonnten Coversongs einen mitreißenden und auch hinreißenden Auftritt hinlegte. Das Publikum kam da schnell auf Touren. Von Thorsten Wolf

Ja, für Musiker scheint es auf den ersten Blick sehr verlockend, sich als Coverband auf die Bühne zu stellen: Man greift auf bekannte und beliebte Songs zurück und kann sich deswegen ziemlich sicher sein, recht schnell eine gute Stimmung im Publikum zu erzeugen. Also alles ganz easy? Nicht wirklich.


Denn: Wer sich an die älteren und jüngeren Klassiker aus Rock und Pop rantraut, der wird eben auch mit den Originalen verglichen. Und wer hat es nicht schon erlebt, dass eine wohl ambitionierte Band solche Kracher wie „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin oder „To use somebody“ von Kings of Leon dermaßen vergeigt, dass man sich als Zuhörer fremdschämen muss.

Am vergangenen Freitag nun bewiesen „RoastBeat“, dass es aber auch ganz, ganz anders geht. Lisa Breitsprecher (Gesang), Jason Malter (Gesang), Thomas und Christian Gallo (Gitarren), Marco Stadtmüller (Bass) und Dennis Jahnke (Schlagzeug) bewiesen mit ihrem Auftritt, dass man, wenn man richtig gut ist, keine Angst haben muss, musikalisch im Schatten der ganz großen Stars zu verhungern.



Tatsächlich lieferten die Sechs bei ihrem Konzert „Rock die Heide“ im Sportheim des SV Bexbach einen mitreißenden und hinreißenden Auftritt ab. Und die Band wagte sich dabei auch an die richtig schwierigen Songs. Ein Beispiel: „Heavy Cross“, das One-Hit-Wonder von Gossip aus dem Jahr 2009. An Beth Dittos prägendem Gesang kann man sich schon vergeblich abarbeiten – vor allem wenn in geistigen Hintergrund einer ihrer legendären Live-Auftritte abläuft. Lisa Breitsprecher nun hatte keine Mühe, diesen modernen Klassiker Richtung Publikum zu ballern – ohne dabei den Fehler zu begehen, sich selbst zur reinen Kopie zu degradieren.

Und wer sagt eigentlich, dass ein Classic-Rock-Brecher wie „You Shook Me All Night Long“ aus der Feder von AC/DC nicht von einer Frau gesungen werden kann? Breitsprecher gab den Brian Johnson ohne Mühe, mit einer feinen Mischung aus „Dreck“ und Brillanz in der Stimme. An ihrer Seite am zweiten Mikrofon: Jason Malter.

Auch er hatte überhaupt keine Mühe, seine Songs da abzuliefern, wo sie hingehören, nämlich beim Publikum. Und ihm gelang unter anderem das Kunststück, das im Original gesanglich eher übersichlichte „Ein Kompliment“ der „Sportfreunde Stiller“ so leidenschaftlich zu präsentieren, dass einem warm ums Herz wurde? Zuviel des Lobes für „RoastBeat“, immerhin „nur“ eine Coverband? Nun ja, wenn gestandene Profimusiker ganz vorne an der Bühne anfangen, so richtig aus sich raus zu gehen und abzufeiern, dann machen es „die Jungs und das Mädel auf der Bühne“ wohl genau richtig.

Bemerkenswert: „RoastBeat“, die mit „Rock die Heide“ quasi ihren Jahresabschluss feierten, trugen als Headliner des Doppelkonzerts nicht nur die Last des eigentlichen Auftritts. Zusammen mit dem Team des Sportheims des SV Bexbach um Joachim Horzella galt es ja auch noch für die Band, den Konzertort vorzubereiten, samt aufwendigem Bühnenaufbau.

Doch wie kam es zum ganzen Aufwand? Dennis Jahnke: „Die Idee zu ‚Rock die Heide‘ hatten wir, um unseren zahlreichen ‚Schlachtenbummlern‘ einen standesgemäßen Jahresabschluss zukommen zu lassen. Die Gastgeber des SV Bexbach und die befreundete Band ,Paragon‘ waren sofort einverstanden.“ Und so kam es zum besagten Doppelkonzert am Freitagabend, als Vorband kam eben „Paragon“ die wichtige Aufgabe zu, die Besucher des Konzerts schon recht früh am Abend auf Betriebstemperatur zu bringen. Und was soll man sagen: Das gelang. Zwar hatte die Band mit Sebastian Schatzmann (Gesang), Diane Breit (Gesang), Christian Dietzen und Sandro Burgio (Gitarren), Thomas Bäker (Bass), Mischa Schmidt (Schlagzeug) und Joshua Grund (Keyboard) im ersten Teil ihres Auftritts beim Sound mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, das glich die Band aber durch eine hörenswerte und gelungene Songauswahl aus – und am Ende geht’s eh nur um eines: Party!

Was die Bexbacher und auch die Musikfans aus dem Umland mit Sicherheit interessieren wird: Sportheim-Macher Joachim Horzella plant für die Zukunft regelmäßige Events in Sachen Musik, keine schlechte Idee für den Höcherberg, dem es da derzeit in Sachen moderner Kost ein bisschen mangelt.

Paragon sorgten als Opener des Abends bei den Gästen für die richtige Betriebstemperatur.
Paragon sorgten als Opener des Abends bei den Gästen für die richtige Betriebstemperatur. FOTO: Thorsten Wolf