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Mentoring
Hilfe für Frauen in Umbruchzeiten

 Wenn Frauen jahrelang aus dem Berufsleben draußen waren, fürchten sie sich vor zu hohen Hürden beim Wiedereinstieg, besonders im Bereich der EDV.
Wenn Frauen jahrelang aus dem Berufsleben draußen waren, fürchten sie sich vor zu hohen Hürden beim Wiedereinstieg, besonders im Bereich der EDV. FOTO: dpa/dpaweb / Oliver Berg
Homburg. Das Frauenbüro des Kreises hat eine spezielle Anlaufstelle für Frauen, die wieder in den Beruf zurückkehren wollen. Von Christine Maack

Britta Schuba betreute nicht nur drei kleine Kinder, sondern kümmerte sich auch noch um pflegebedürftige Verwandte. An Erwerbsarbeit war in dieser Lebensphase nicht zu denken. Vorher war sie im Rechnungswesen einer Kaufhausgruppe tätig gewesen. Als die Kinder größer wurden und „ich mit großer Sorge an meine vermutlich sehr niedrig ausfallende Rente dachte“, beschloss sie, dass in ihrem Leben etwas geschehen müsse.


Britta Schuba hatte gehört, dass es beim Saarpfalz-Kreis eine Koordinierungsstelle „Frau und Beruf“ gibt, konnte sich anfangs aber nicht viel darunter vorstellen, ging aber hin, „denn ich brauchte dringend Arbeit, wusste aber nicht, wie ich nach all den Jahren wieder in meinen alten Beruf würde einsteigen können.“ Bei der Anlaufstelle beim Kreis, die von Birgit Rudolf geleitet wird, fand Britta Schuba offene Ohren, ihr wurde eine so genannte Mentorin zur Seite gestellt, also eine Frau, die im Beruf steht und ehrenamtlich dabei hilft, anderen Frauen den Einstieg in die Erwerbsarbeit zu erleichtern.

„Es wurde schnell Vertrauen zwischen uns aufgebaut, wir haben auch einfache Sachen wieder eingeübt, die im Berufsleben selbstverständlich sind, wie Begrüßungen, Vorstellungen und Bewerbungsgespräche.“ Parallel dazu besuchte Britta Schuba einen Einstiegskurs in Buchhaltung, „um mit den neuesten EDV-Programmen klar zu kommen.“ Schließlich kam der große Moment, sie war zu einem Vorstellungsgespräch als Schulsekretärin geladen, „da habe ich alles in die Waagschale geworfen, was ich gelernt hatte“. Sieben Personen waren eingeladen, Britta Schuba bekam die Stelle. Seitdem ist sie rundum zufrieden, die Koordinierungsstelle des Kreises hat sie nicht vergessen: „Ich komme immer wieder gerne zu den Treffen, tausche mich mit anderen Frauen aus und erzähle von meinen Erfahrungen.“



Für Birgit Rudolf eine Erfolgsgeschichte, „es klappt nicht immer so gut, aber wenn die Frauen dran bleiben, können wir mit unseren Menatoring- und Coaching-Programmen viel bewirken.“ Bewerbungsgespräche müssten die Frauenm natürlich am Ende selbst bewältigen, „aber wir können sie gut vorbereiten.“ Es gebe inzwischen auch ein neues Landesprogramm für das Mentoring, also das ehrenamtliche Beraten von Frauen für Frauen.

Die Mentorin und die Rat suchende Frau treffen sich einmal im Monat etwa zwei Stunden zu einem gemeinsamen Gespräch. „Dabei geht es um praktische Probleme von richtiger Kleidung bis zur richtigen Vorstellung, aber auch um psychologische Hilfestellung“, betont Birgit Rudolf. Oft sei es so, „dass sich Frauen nach spätestens fünf Jahren Auszeit aus dem Beruf nicht mehr viel zutrauen, obwohl sie jahrelang erfolgreich waren.“

Das gelte auch für Ärztinnen oder Juristinnen, „egal, wie hoch qualifiziert die Frauen sind, die Arbeitsabläufe wandeln sich, die EDV ist nicht mehr das, was man kannte, die Hürden werden sehr hoch“. Die Mentorinnen, die sich freiwillig zur Verfügung stellen, kommen aus allen Bereichen, „aus der Industrie, dem Handel, der Verwaltung, der Medizin“, so Birgit Rudolf, „wir versuchen dann, die passenden Frauen zusammenzubringen“.

Eine Umbruchsituation komme oftmals bei Frauen um die 40 vor, „die Kinder sind größer, oder man hat mit einer Scheidung zu kämpfen, man will endlich wieder raus in den Beruf“, so Birgit Rudolfs Erfahrung. So passierte es Andrea Müller: „Ich habe bis zu meinem 40. Lebensjahr immer gearbeitet“, dann zog sie mit ihrem damaligen Ehemann fünf Jahre in die USA, „als wir zurückkamen, ging meine Ehe in die Brüche und ich stand plötzlich vor einem Trümmerhaufen.“

Noch immer kommen ihr die Tränen, wenn sie daran denkt: „Ich war zehn Jahre raus aus dem Beruf, ich hatte Angst vor der Zukunft und dachte mit Schrecken an meine geringe Rente.“ Auch sie wurde vom Frauenbüro des Kreises aufgefangen und gut beraten. Sie besuchte das Coaching-Programm, kam täglich zum Unterricht, „das strukturierte meinen Alltag“. Auch das Selbstvertrauen wuchs, ihre englischen Sprachkenntnisse, die sie in den USA erworben hatte, wurden wertgeschätzt - und so fand Andrea Müller eine Stelle in der Kreisverwaltung. Sie würde Frauen auf alle Fälle raten, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. In erster Linie müsse man es aber selbst wollen, das Frauenbüro biete Hilfe zur Selbsthilfe. „Sich freischwimmen muss man schon selbst“, sagt die Leiterin Birgit Rudolf.